Hymer B-Klasse

<p> Mehr Komfort, mehr Sicherheit, mehr Multimedia: Auch bei Wohnmobilen werden die Kunden immer anspruchsvoller. Hymer musste darum bei der neuen Generation seiner B-Klasse k&auml;mpfen, um trotz mehr beim Gewicht erfolgreich unter der magischen Grenze von 3,5 Tonnen zu bleiben. Aber manchmal muss der Verk&auml;ufer doch zu Verzicht mahnen.</p>

Hymer B-Klasse

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Hymer B-Klasse

Was zeichnet eine B-Klasse aus? Nun: Kompakte sechs Meter lang, keine drei Meter hoch, vom kräftigen Fiat-Diesel angetrieben - und vor allem mit weniger als 3,5 Tonnen Gewicht. Der Verfasser sitzt nicht in der B-Klasse von Mercedes, sondern in dessen Namensvetter vom Hersteller Hymer. Und beim Wohnmobil-Hersteller sieht der kompakte Anspruch eben etwas anders aus.

Nämlich so, wie es der Normal-Reisende verlangt, wenn er schon mindestens 76.990 Euro ausgibt. Was sich Camper aus der Generation 55-Plus heute so wünschen, das hat Thomas Buschle ganz schön ins Schwitzen gebracht. Vier Jahre lang hat der Projektleiter mit seinem Team an der zehnten Auflage getüftelt. Und die Schwaben haben dabei vor allem um Eines gekämpft: “jedes Gramm Gewicht”.

Beim Start der B-Klasse hatten es Buschles Vorgänger da noch einfacher: Anfang der Achtziger Jahre, da war der Reisende im Wohnmobil noch ein Abenteurer, der rustikal und vergleichsweise bescheiden lebte. Im ersten B auf Mercedes-Basis war selbst die Servolenkung noch ein Extra - und die Toilette noch ein Plastik-Kasten, den der Camper zum Ausleeren durch die Natur schleppen musste. In der neuesten Generation steckt optional eine Kamera für den Unterboden - mit der kann der Camper seinen Abwasserausgang über den Ablauf auf dem Platz navigieren und dann alle unaussprechlichen Flüssigkeiten vollautomatisch vom Fahrersitz aus loswerden. Das hätte sich der B-Klasse-Kunde sicher auch schon vor drei Jahrzehnten erträumt.

Was der ausgebaute Kastenwagen wiegt, das interessierte damals dagegen kaum. Denn 1981 konnte jeder normale Führerschein-Inhaber ja auch noch ein Fahrzeug von bis zu 7,5 Tonnen bewegen. Inzwischen muss sich die Generation Ü-30 mit 3,5 Tonnen maximal bescheiden. “Und anders als im Pkw zählen bei Reisemobilen zum Gesamtgewicht auch Wasser und Gas in den Tanks, 75 Kilo pro erlaubtem Passagier und noch mal zehn Kilo pro Meter Länge”, sagt Buschle.

Beim Gewicht bedeutet das Askese - denn schließlich gehen die Ttrends der mobilen Menschen auch am Hymer-Kunden nicht vorbei. ESP, Hill-Holder, oder Multimedia-Anbindung und eben campingtypisch Dusche und Toilette, die aktuelle B-Klasse “Dynamic-Line” soll Standards halten - und setzen.

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LED-Scheinwerfer etwa hat in dieser Klasse noch kein Wettbewerber zu bieten. Und auch bei der Multimedia-Ausstattung haben die Schwaben zugelegt.

Android-Auto oder Apple Car-Play sind laut Komfort-Teamleiter Hansi Wiest bei den Wohnmobilisten zwar noch nicht so ersehnt. Und W-Lan gibt es auf den meisten besseren Camping-Plätzen ohnehin. Da ist es wichtiger, dass die beiden optionalen Fernseher unabhängig voneinander anzusteuern sind - und auch ihre jeweils eigenen unter den sechs Lautsprechern im Wohnraum nutzen. Oder, dass sich per Bluetooth das Internet-Radio vom Handy in den Hymer streamen lässt.

Handfestes müssen die Multifunktions-Wagen aber immer leisten. In der Regel mit einem 130 bis 180 PS starken Fiat-Diesel mit 2,3 Litern (Euro 6) angetrieben, auf Wunsch auch automatisch geschaltet. Den Zweiliter-Diesel mit 115 PS werden sich dagegen kaum deutsche Kunden leisten - denn es muss ja immer noch reichlich Gewicht geschleppt werden. Vor allem in der Top-Variante bei rund 7,50 Meter Außenlänge kommt die B-Klasse der magischen Grenze bedrohlich nahe; auch wenn Buschle und sein Team allein beim Chassis durch optimierte Materialstärke und Profilhöhe der Rahmen rund 55 Prozent Gewicht einsparen konnten. Das Fahrgestell plus Motor allein wiegt immer noch 1,5 Tonnen.

Darum wurde etwa bei den Schrankwänden oder Türgriffen jedes Gramm unter die Lupe genommen. Und manches eingespart; zum Beispiel, weil die Griffe nun nicht mehr aus Zinkdruckguss sondern Alu sind.

Dem B-Klasse-Fahrer kommt diese schwäbische Sparsamkeit zugute, kann er doch je nach Variante bis zu 630 Kilo zuladen - etwa in die Garage im Heck, wo bei 1,22 Meter Höhe mehrere Fahrräder spielend Platz finden. Das im Fahrzeug selbst auch Hochgewachsene aufrecht stehen und bei 2,22 Meter Breite sich auch strecken können, das bleibt aber klassisch B-Klasse.

Ganz klassisch bleibt auch ein Wunsch, den jeder Wohnmobil-Fahrer hat: schön und kuschelig wohnen. Trotz Gewichts-Diät bei den Möbeln um 12 Prozent schließen Türen und Schubladen darum noch satter als zuvor. Die Hubbetten sind mit Federrost versehen, der ganze Raum stufenfrei. Und auch bei 15 Grad Minus und mit offenen Türen ausgekühlt ist das Mobil in weniger als drei Stunden wieder auf 20 Grad.

Wer will, kann natürlich auch beim Wohnmobil der B-Klasse noch in der Optionsliste wühlen, bis die 90.000-Euro-Grenze erreicht ist - oder eine ganz andere: In der schwersten Variante und mit Sonderausstattung gestopft muss der Verkäufer dann doch einmal den warnenden Finger heben. Dann sind nämlich die 3,5 Tonnen nicht mehr zu halten.  

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