Bei der Einfahrt eines Autofahrers rückwärts vom Bordstein in den fließenden Verkehr einer Einbahnstraße spricht der Beweis des ersten Anscheins dafür, dass die Ausfahrt nicht mit der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt erfolgte, wenn es dabei zu einer Kollision mit dem fließenden Verkehr kommt. Der rückwärtsfahrende Verkehrsteilnehmer haftet für die Unfallfolgen allein, wenn er nicht eine überhöhte Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs nachweisen kann. Die Wahrnehmung eines Zeugen über den linken Außenspiegel zur Geschwindigkeit des von hinten herannahenden Wagens ist dabei regelmäßig nicht geeignet, eine hinreichende Gewissheit über die Ausgangsgeschwindigkeit eines Fahrzeugs zu gewinnen. Dies gilt insbesondere, wenn die Geschwindigkeit dem Zeugen lediglich als „schnell“ erschienen ist.

Landgericht München I, Urteil vom 11.05.2010, Az. 17 O 13169/09