Ein Unfallgeschädigter muss auch in Eil- und Notsituation zumindest zumutbare Erkundigungen nach günstigen Mietwagenpreisen tätigen. Dies geht aus einer aktuellen BGH-Entscheidung hervor. Nach den Feststellungen des Berufungsgerichts lag der Mietwagentarif von 174 EUR brutto (reine Mietwagenkosten) für ein entsprechendes Fahrzeug um deutlich mehr als 100 % über dem ermittelten Vergleichspreis von 72,43 EUR brutto und gab deshalb Veranlassung, sich nach günstigeren Tarifen - gegebenenfalls durch die Einholung von zwei bis drei Vergleichsangeboten anderer Anbieter - zu erkundigen. Der Kläger hat keinen Anspruch auf Ersatz der höheren Mietwagenkosten, denn ihn trifft die Darlegungs- und Beweislast, dass ihm unter Berücksichtigung seiner individuellen Erkenntnis- und Einflussmöglichkeiten sowie der gerade für ihn bestehenden Schwierigkeiten unter zumutbaren Anstrengungen auf dem in seiner Lage zeitlich und örtlich relevanten Markt - zumindest auf Nachfrage - kein wesentlich günstigerer Tarif zugänglich war. Insoweit geht es nicht um eine Verletzung der Schadensminderungspflicht, für die grundsätzlich der Schädiger die Beweislast trägt, sondern um die Schadenshöhe, die der Geschädigte darzulegen und gegebenenfalls zu beweisen hat. Daher besteht im Ergebnis kein Anspruch auf Ersatz von Mietwagenkosten, die 100 Prozent über den Normaltarif hinausgehen, wenn es der Unfallgeschädigte unterlassen hat, Erkundigungen nach günstigeren Mietwagenpreisen einzuholen und er für seine unterlassenen Erkundigungen nicht ausnahmsweise eine Eil- oder Notsituation geltend machen kann. Im vorliegenden Fall musste der Kläger zu seinem 50 km entfernten Arbeitsplatz fahren, wo er wieder um 2 Uhr nachts mit seiner Arbeit habe beginnen müssen, wobei ihm nach der Unfallaufnahme lediglich eine Zeitspanne von 3 Stunden und 35 Minuten verblieben sei. Eine solche Situation vermag nach subjektbezogener Schadensbetrachtung durchaus eine Eil- oder Notsituation zu begründen, selbst wenn der Geschädigte nicht - wie der Kläger zusätzlich geltend gemacht hat - unter Schock steht und bei der Anmietung auf die Hilfe seines Beifahrers angewiesen ist. Jedoch war der Beifahrer des Klägers mit dessen Einverständnis in der Lage, telefonisch Vergleichsangebote einzuholen. Dabei tätigte der Zeuge zwei Anrufe, wobei ihm jedoch nur von einem Mietwagenunternehmen ein vergleichbar hoher Preis genannt wurde. Der zweite Anruf war dagegen erfolglos, weil das andere Mietwagenunternehmen am Telefon Preise nicht nennen wollte. Unter diesen Umständen ist es aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden, dass das Berufungsgericht ein bis zwei weitere Anrufe bei anderen Mietwagenunternehmen für erforderlich gehalten hat. Denn es ist nicht ersichtlich, weshalb der Kläger mit Hilfe des Beifahrers in der zur Verfügung stehenden Zeit gehindert gewesen wäre, dies zu tun. Wählt der geschädigte also in dem ihm noch zur Verfügung stehenden Zeitraum von über drei Stunden bis Arbeitsbeginn lediglich zwei Anbieter an, von denen einer keine Preise nennen will und der zweite einen ähnlichen Preis anbietet, sind dem Unfallgeschädigten zumindest noch zwei weitere Telefonate zuzumuten, bevor er sich auf das überteuerte Angebot einlassen darf. BGH, Urteil vom 9. März 2010 - VI ZR 6/09

 Der Volltext der Entscheidung kann kostenlos über die Entscheidungsdatenbank im Internetangebot des BGH abgerufen werden: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/list.py?Gericht=bgh&Art=en&Datum=Aktuell&Sort=12288; Link direkt zum PDF: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&sid=fa18f0a1915b6fda3806eeccde9a2bcf&nr=52195&pos=0&anz=1