Das Rückwärtsfahren zu einer Parklücke in einer Einbahnstraße stellt ein Fahren gegen die vorgeschriebene Fahrtrichtung dar. Wer in einer Einbahnstraße - auch nur zum unmittelbaren Einparken - rückwärts fährt, muss den rückwärtigen Verkehr ständig äußerst sorgfältig beobachten und sofort anhalten können; bei einem Unfall spricht der Anschein gegen den rückwärts Fahrenden. Selbst wenn man die Auffassung vertritt, dass die durch § 9 Abs. 5 StVO geregelte Rückwärtsfahrt vor allem dem Schutz des fließenden Verkehrs sowie dem Fußgängerverkehr dient und nicht dem Schutz vom Straßenrand Anfahrender, verbleibt eine erhebliche Verletzung der Rücksichtnahmepflicht gemäß § 1 Abs. 2 StVO. Derjenige, der verbotswidrig eine Straße entgegen der einzig zugelassenen Fahrtrichtung benutzt, darf sich nicht auf eine Schutzwirkung zu seinen Gunsten durch § 10 StVO berufen.

OLG Düsseldorf, Urteil vom 24.10.2017, Az. I-1 U 133/16, 1 U 133/16