In Deutschland fahren aktuell 48,5 Millionen Pkw, davon sind 47,3 Millionen Verbrenner. Für einesubstanzielle Senkung der CO2-Emissionen im Verkehr müssen diese so bald wie möglich durchElektroautos ersetzt werden.

Doch die 2023 anstehenden Änderungen bei der Kaufprämie werden das Bestandswachstumdämpfen. Gegenüber der letzten Prognose aus Mai 2022 erwartet Dataforce am 1.1.2024 knapp360.000 Stromer weniger. Dabei ist eine rückläufige Exportquote schon eingerechnet.Die Schwelle von 2 Millionen Pkw wird nun erst 2025 überschritten. Durch den geringeren BEVBestand könnten sich auch die Investitionen in die Ladeinfrastruktur verringern, denn die Anbietermüssen mit einer geringeren Auslastung rechnen.

Hauptgrund für die reduzierte Prognose sind die Anpassungen bei der Förderung. Diese fallendeutlich umfangreicher aus als noch im Mai erwartet. Hinzu kommen stark steigende Preise für Akkusund Strom. Positiv wirkt sich aus, dass von den vorhandenen BEVs mehr im Land bleiben werden.

Das ändert sich 2023:▪ Ab 1.1. sinkt der von der BAFA ausgezahlte Zuschuss („Umweltbonus“ + „Innovationsprämie“)für Batterie-elektrische Pkw um 2.000 Euro.▪ Die Kaufprämie für Plug-In Hybride entfällt.▪ Ab September 2023 können mit wenigen Ausnahmen nur noch Privatkäufer die Prämiebeantragen. Für Dienstwagen gibt es dann nur noch die geringere Besteuerung desgeldwerten Vorteils bei Nutzung eines BEVs oder PHEVs.▪ Erstmals gibt es eine fixe Budgetobergrenze. 2023 werden maximal 2,1 Milliarden Euroausgezahlt.▪ Die Mindesthaltedauer steigt von 6 auf 12 Monate.▪ Die Preisobergrenze richtet sich nach dem Listenpreis des Modells, für das die Prämiebeantragt wird. Das heißt, ein Fahrzeug qualifiziert sich nicht länger automatisch für diePrämie, wenn es von der Baureihe ein Basismodell innerhalb der zulässigen Preisspanne gibt.

Einschätzung von Dataforce zu den Änderungen:Anhebung der Mindesthaltedauer sinnvollDie höhere Mindesthaltdauer wird die hohe Schwundquote von BEVs im deutschen Bestand senken,da weniger Fahrzeuge direkt nach Ablauf der Frist mit Gewinn ins Ausland verkauft werden. DieseProblematik hat Dataforce im Mai genauer analysiert.

Preisgrenzen müssen angehoben und Förderung an Bestelldatum geknüpft werdenAuch die Orientierung am tatsächlichen Listenpreis ist eine sinnvolle Vereinfachung. Konsequent wärees dann aber auch, die Preisgrenzen anzuheben. Viele Elektroautos sind in diesem Jahr deutlichteurer geworden und so ab nächstem Jahr gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt förderfähig.Das ist besonders problematisch, weil die Förderung an das Datum der Erstzulassung gekoppelt ist.Wer beispielsweise Anfang 2022 ein Mittelklasse-BEV bestellt hat, konnte mit einer Förderung von6.000 Euro rechnen. Wenn sich nun die Auslieferung auf das nächste Jahr verschiebt, und derListenpreis durch Sonderausstattungen über 40.000 Euro liegt, bekommt man nur noch die Hälfte dererwarteten Summe, nämlich 3.000 Euro. Diese Unsicherheit wird potenzielle Käufer abschrecken.

 

Große Einschnitte für Plug-In-Hybride

Am deutlichsten treffen die Änderungen die Plug-In Hybride, und das obwohl für

Dienstwagenfahrende die Besteuerung vorerst halbiert bleibt. Da PHEVs aber auch nicht so viel CO2

einsparen wie vollelektrische Fahrzeuge und das Budget begrenzt ist, macht eine Konzentration auf

BEVs Sinn. Doch leider gibt es auch hier schmerzhafte Einschnitte.

 

BEV-Förderungs-Kürzung kommt zu früh

Die Dataforce E-Mobilitäts-Studie 2022 zeigt, dass noch immer eine große Lücke zwischen den

Preisvorstellungen potenzieller Käufer und den tatsächlichen Listenpreisen klafft. Seit diesem Jahr

steigen die Preise sogar weiter, während der Kostenvorteil bei den Betriebskosten schrumpft. Es wäre

besser, die Sätze erst dann zu kürzen, wenn sich die Preisdifferenz zu Verbrennern weiter verringert

hat.

 

Ausschluss gewerblicher Zulassungen verkennt die Realitäten im Markt

Von Januar bis August 2022 wurden 43 Prozent der Elektroautos in Deutschland gewerblich

zugelassen. Für diese Autos gibt es ab September 2023 keine Kaufprämie mehr. Das betrifft nicht nur

die Flottenbetreiber, sondern auch Autovermieter und Privatkunden, die sich für eine Tageszulassung

oder ein Autoabo entscheiden. Gerade Letzteres wird immer beliebter und nimmt den Käufern die

Unsicherheiten, die mit dem Umstieg verbunden sind. Hier haben Kunden durch den Ausschluss mit

höheren monatlichen Raten zu rechnen.

 

Zahlungsbereitschaft

Wie stark die Auswirkungen des Ausschlusses gewerblicher Zulassungen sein können, zeigt der Blick

über die Grenze. In Italien gibt es seit Anfang Januar 2022 keine Kaufprämien mehr für gewerblich

zugelassene Pkw. Dadurch sind im besonders populären Segment der Langzeitmiete die BEV-

Neuzulassungen um 21 Prozent gefallen. Der Marktanteil der Stromer stagniert südlich der Alpen bei

mageren drei Prozent.

 

Budgetgrenzen verunsichern Käufer

Auch die Budgetobergrenze sendet ein fatales Signal. Wenn potenzielle Käufer befürchten müssen,

dass bei Auslieferung die Fördertöpfe leer sind, werden sich einige zur Sicherheit lieber für einen

Verbrenner entscheiden. Sinnvoller wäre es, auf Basis einer Prognose ein Gesamtbudget für die

nächsten 5 Jahre festzusetzen. Das gibt allen Beteiligten genug Vorlaufzeit, um sicher planen zu

können.