Die online und in den Verkaufsprospekten ausgewiesenen Verbrauchsangaben lassen sich in der Praxis meist nicht realisieren. Auch die WLTP-Werte, die die realitätsfernen NEFZ-Angaben abgelöst haben, entspringen weiterhin überwiegend Laborbedingungen. Im alltäglichen Straßenverkehr sind höhere Verbräuche also keineswegs die Ausnahme, sondern die Regel. Doch wie verhält sich der Kraftstoffverbrauch konventionell angetriebener Fahrzeuge im direkten Vergleich zu Vollhybriden – und wie der von Voll- zu Plug-in-Hybriden?

Diesen Fragen geht das IfA nun in dem großangelegten Hybrid Real Endurance Test nach: Über 2.200 Kilometer und 36 Stunden touren die Wissenschaftler derzeit mit unterschiedlichen Fahrzeugen durch Deutschland, um Realverbräuche nach teils strengeren WLTP-Testkriterien zu ermitteln. Ausgangspunkt dabei ist die Zukunftswerkstatt 4.0 in Esslingen bei Stuttgart, in der die Fahrzeuge vorbereitet und mit der notwendigen Messtechnik versehen werden. Im Rahmen der Testfahrt „IfA Hybrid Real Endurance Test“ geht es von Esslingen aus über mehrere Stationen bis in den hohen Norden nach Lübeck und führt über Berlin, Dresden und Nürnberg wieder zurück in den Süden. Wie im Alltag wird ein Mix aus Stadtverkehr, Landstraßen und Autobahnen gemeistert. Unterwegs sind die Tester dabei in zwei maximal vergleichbar ausgestatteten Toyota Yaris, die über einen Benzin- bzw. Hybridantrieb verfügen, und zwei Toyota RAV4 mit Vollhybrid- bzw. Plug-in-Hybridantrieb.

„Der auf Laborbedingungen beruhende Normverbrauch von Autos sorgt immer wieder für Überraschung und Verärgerung. Ich freue mich, dass wir dieses Forschungsvorhaben des Instituts für Automobilwirtschaft unterstützen können, indem wir den Wissenschaftlern baugleiche Fahrzeuge mit unterschiedlichen Antrieben zur Verfügung stellen. Bei Toyota steht seit jeher die Effizienz der Antriebe unter den realen Fahrbedingungen unserer Kunden im Vordergrund“, erklärte André Schmidt, Präsident und Geschäftsführer der Toyota Deutschland GmbH, am Rande des Zwischenstopps in der Kölner Toyota Zentrale.

„Zur Sicherstellung einer hohen Vergleichbarkeit der Ergebnisse legen wir die Strecken nicht nur zeitgleich und damit unter maximal identischen Bedingungen zurück. Auch Geschwindigkeit, Beschleunigung oder auch die individuelle Beladung der Fahrzeuge orientieren sich an tatsächlichen Nutzerprofilen und sind größtenteils anspruchsvoller als die Vorgaben bei Prüfstandsläufen.“, so Professor Benedikt Maier, dem die wissenschaftliche Leitung des Projektes obliegt. „Zudem bleiben elektrische Verbraucher und auch die Klimaanlage –wie im normalen Alltagsgebrauch – eingeschaltet.“, ergänzt Alexander Wottge, Projektleiter am IfA.

Das IfA analysiert die Erkenntnisse in den kommenden Wochen unabhängig vom Hersteller. Die Ergebnisse werden im Juni veröffentlicht.