Kompakt? Obwohl sich der frisch in Deutschland gestartete Octavia IV die Plattform mit dem VW Golf VIII teilt, ist er mit seiner fast 4,70 Meter langen Karosserie dem Kompaktsegment längst entwachsen. Auch angesichts des großzügig geschnittenen Innenraums bewegt sich der Tscheche auf Mittelklasse-Niveau. Diesen Anspruch unterstreichen das überaus schick gemachte Armaturenbrett, über dessen gesamte Breite sich eine Aluleiste schwungvoll windet sowie softe Kunststoffoberflächen und Textilüberzüge, die für Edelambiente und Behaglichkeit sorgen. Viele feine Chromleisten werten das Ensemble weiter auf. Ein Design-Highlight sind die freischwebend wirkenden Türgriffe, die nach eleganter Drehung von einer Chromleiste optisch verlängert werden. Sehenswert ist auch das Lenkrad mit feinen Bedientasten, Chromzierrat und optisch freischwebenden Drehrädchen.

Zentral im Armaturenbrett befindet sich das 10,25 Zoll große Display des Infotainmentsystems Columbus, welches mit übersichtlicher Bedienoberfläche, feiner Grafik und schneller Rechnerleistung punktet. Wer sich nicht ablenken lassen will, kann auch per Spracheingabe zum Beispiel das Navigationsziel diktieren. Die Spracherkennung arbeitete tadellos, denn bei unserer kleinen Stichprobe lag die Trefferquote bei 100 %. Schön gelöst ist auch eine Touchleiste in Hochglanzschwarz unterm Display, auf der sich per Wischgeste die Lautstärke einstellen lässt. Die aufgeräumte Mittelkonsole bietet zwischen den Sitzen großzügige Ablagen. Die Feststellbremse wird per Wippschalter aktiviert, für die Klimaanlage gibt es gar keine Bedientasten mehr. Wie viele andere Funktionen wird auch die Innenraumtemperatur übers große Zentraldisplay eingestellt. Hinterm Lenkrad sieht man auf ein ähnlich großes Display, welches übersichtlich alle fahrrelevanten Informationen anzeigt und in schicker Weise zudem farblich und stilistisch mit der Grafik des Infotainmentsystems korrespondiert. Der Fond der Octavia Limousine bietet viel Beinfreiheit. Etwas störend im Fußraum ist der breite Kardantunnel. In unserem Testexemplar gab es für die Fondgäste noch die Möglichkeit, ihr Klima selbst einzustellen sowie Smart-Devices an Ladebuchsen anzuschließen.Großzügig geschnitten ist auch der Kofferraum, der außerdem mit einigen Cleverlösungen aufwartet. Dazu gehören seitliche Fächer mit herausnehmbaren Zwischenwänden, eine Fernentriegelung der Rückbanklehne oder eine von Aluschienen getragene Gepäckhängematte für Kleinkram. Unterm Kofferraumboden ist noch zusätzlicher Stauraum für Werkzeug und Ersatzrad. Wer den Octavia als schnellere und sparsamere Limousine kauft, dürfte angesichts des Kofferraums kaum Sehnsucht nach dem Combi verspüren.Gestartet wird per Knopfdruck. Das 150-PS-Aggregat meldet sich zunächst leicht kernig zu Wort, bleibt ansonsten auch bei Zylinderabschaltung im Teillastbereich unauffällig. Auf Wunsch entwickelt der Vierzylinder auch Temperament, sofern man die Gänge kräftig ausdreht. Der Sprint aus dem Stand auf 100 km/h lässt sich in knapp über acht Sekunden abhaken, ziemlich fix fällt auch die 200er-Marke. Danach wird es zäher, doch problemlos lässt sich die virtuelle Tachonadel deutlich über 230 km/h treiben. Entspanntes und niedertouriges Dahingleiten geht ebenfalls gut, denn bereits bei knapp über 1.000 Touren ist der Motor ruckelfrei fahrbar. Entsprechend mahnt der aufs Spritsparen fokussierte Bordcomputer immer wieder zum Hochschalten. Wer dabei eifrig ist und dann noch den Gasfuß sinnig einsetzt, wird praktisch mit Verbrauchswerten um 5 Liter hinkommen. Bei uns waren es bei einem Mix aus Landstraße, Stadtverkehr und einigen flotter gefahrenen Autobahnabschnitten 5,5 Liter – ein Wert, wie man ihn eigentlich von einem Diesel erwarten würde.

Nicht nur effizient, sondern außerdem noch geschmeidig bringt der Octavia seine Gäste von A nach B. Das Fahrwerk bietet trotz der hinteren Verbund-Lenkerachse genügend Nehmerqualitäten und der Wagen insgesamt ausgewogene Fahreigenschaften. Fahrwerk wie auch Lenkung geben ausreichend Rückmeldung, vermitteln allerdings kein sonderlich dynamisches Fahrgefühl. Die Innengeräusche bleiben selbst bei forciertem Reisetempo moderat. Außerdem sind viele Helferlein an Bord, die bei unpräzisen Manövern schon Mal korrigierend eingreifen und bei zu viel Tempo in Kurven den Wagen konservativ auf Kurs halten. Sehr nützlich ist der Abtandstempomat, der den Fahrer auf langen Strecken entlastet. Letzteres gilt auch für das optionale Head-up-Display.

Der neue Octavia bietet also viel, wofür der Kunde allerdings auch viel investieren muss. Soll es der erfreulich effiziente und zugleich druckvolle 1.5 TSI sein, werden bereits rund 27.000 Euro fällig, denn diesen Benziner – alternativ steht ein 1.0 TSI zur Wahl – gibt es nicht mit Basisausstattung, sondern erst ab dem nächsthöheren Niveau „Ambition“. Dieses bietet Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Multifunktionslenkrad, 16-Zoll-Alufelgen und das "Virtual Cockpit". Mit dem Columbus-Infotainment, Abstandstempomat und Adaptiv-Fahrwerk hat man bereits die 30.000-Euro-Marke überschritten.