Herr Mitsch, wie wird das Thema Elektromobilität in den Fuhrparks besprochen?

Das Interesse an E-Mobilität ist groß – auch getrieben durch Geschäftsführer, die ein modernes Image von sich und der Firma transportieren wollen und von Mitarbeitern, die mit einem Dienstwagen günstig in die E-Mobilität einsteigen wollen.

Besonders in mittelständischen Unternehmen, in denen das Fuhrparkmanagement nebenbei erledigt wird, herrscht allerdings noch ein ausgeprägtes Halbwissen, wie praktikabel E-Fahrzeuge im Einzelfall wirklich sind. Ich habe schon von Unternehmen gehört, die Elektroautos bestellt, sich aber nicht um Lademöglichkeiten gekümmert haben. Bei anderen Firmen steht ganz vorne auf dem Parkplatz das Elektroauto aber die Mitarbeiter fahren lieber mit dem Diesel. Das sind zwei extreme Beispiele aber so sollte es natürlich nicht laufen. Damit ist niemandem geholfen.

Elektromobilität ist also nicht für jedes Unternehmen eine sinnvolle Option?

Es gibt inzwischen fantastische Elektroautos aber wir sind noch in einer relativ frühen Phase des Mobilitätswandels. Wer jetzt umsteigt, muss planvoll vorgehen, weil die Fahrzeugtechnik und auch die nötige Infrastruktur noch nicht den Reifegrad erreicht haben, wie es nach mehr als 100 Jahren beim Verbrennungsmotor der Fall ist. Das ist ganz normal. Und das bedeutet auch, dass es noch nicht für jedes Anforderungsprofil ein adäquates Elektrofahrzeug gibt.

Für manche Branchen wird Elektromobilität womöglich nie eine Ideallösung sein. Ich denke an den Schwerlastverkehr. Viele Mobilitätsexperten sehen in diesem Bereich eher den Wasserstoff als Zukunftslösung an.

Zurück zum Elektroauto mit Batterie. Für wen eignet sich das denn nun?

Ob ein Unternehmen zumindest teilweise auf Elektrofahrzeuge umsteigen kann, hängt von vielen Faktoren ab. Zunächst einmal sollte die Ladeinfrastruktur geklärt sein. Um die Betriebsbereitschaft der Flotte sicherzustellen, brauchen Sie ausreichend Ladepunkte am Unternehmen und, wenn die Fahrzeuge zur privaten Nutzung überlassen werden, ggf. auch bei den Mitarbeitern zu Hause.

Für einige Anforderungsprofile reicht es bei den aktuellen Reichweiten aber nicht, einmal über Nacht zu laden. Dann muss tagsüber unterwegs nachgeladen werden. Dafür müssen die Fuhrparkmanager sich die täglichen Strecken angucken. Gibt es ausreichend öffentliche Schnelllader in der Region? Fahren die Mitarbeiter immer wieder dieselben Routen ab, so, dass sich Laderoutinen etablieren lassen? Ein Pflegedienst in München z.B. ist für die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte eher prädestiniert, als das Unternehmen mit Außendienst in der Uckermark.

Wer den Dienstwagen nur als Motivationsfaktor bekommt, um den Weg von zu Hause zur Arbeit zu bestreiten, eine Lademöglichkeit hat und zwischen 10 und 20 Tausend Kilometern jährlich fährt, für den ist Elektromobilität heute eine echte Alternative. Rein von den Fahrleistungen her könnte heute bereits jedes Dritte Flottenfahrzeug in Deutschland ein Elektroauto sein.

Die staatlichen Förderungen für elektrische Flottenfahrzeuge laufen im September 2023 aus. Gilt es jetzt, möglichst schnell zu sein?

Fuhrparkmanager, die jetzt in die Beschaffung für Elektrofahrzeuge gehen, müssen ganz genau hinschauen. Viele Fahrzeuge haben eine Lieferzeit von über einem Jahr – und werden demnach nicht mehr rechtzeitig ausgeliefert, um noch von der Förderung zu profitieren. Denn entscheidend für die Bewilligung der Fördermittel ist ja nicht das Datum der Bestellung, sondern das Datum der Zulassung.

Leider findet sich diese Information noch nicht transparent in allen Leasingangeboten. Im Kleingedruckten versteckt sich dann der Hinweis, dass die Raten angepasst werden, wenn die Förderung nicht abgezogen werden kann. Rechnen Sie deswegen immer auch eine konservative Annahme durch – oder lassen Sie sich eine Garantie vom Händler geben. Einige Hersteller haben bereits angekündigt, dass sie das Risiko übernehmen und für eine Übergangsfrist die Förderung aus eigener Tasche bezahlen werden.

Dass die staatlichen Förderungen in 2023 auslaufen ist einerseits ärgerlich. Andererseits versachlicht sich die Debatte – statt über den Rabatt, wird wieder mehr über Leistungsfähigkeit und Praktikabilität gesprochen. Und auch die Autoindustrie erhält einen neuen Impuls: Mit dem Wegfall der Förderung steigt der Druck, auch technologische Lösungen zu finden, wie E-Autos in Zukunft günstiger hergestellt werden können. Wir können da einige Innovationen erwarten.

Was würden Sie den Fuhrparkmanagern mit auf den Weg geben?

Elektromobilität liegt im Trend, davon kann man sich leicht treiben lassen. Aber der Fuhrparkmanager ist immer gut beraten, alles sorgfältig abzuwägen. Das betrifft, wie gesagt, Ladeinfrastruktur, Nutzungsprofile, aber natürlich auch den Vergleich der Total Costs of Ownership, Fragen des Images und die Meinung der Nutzer.

Denn längst nicht alle sind von den verfügbaren Elektrofahrzeugen bereits überzeugt. Selbst, wenn nüchtern betrachtet vieles für einen Umstieg sprechen kann: Für viele Berufsgruppen ist das Fahrzeug nicht einfach nur ein Gebrauchsgegenstand, sondern ein Arbeitsplatz. Da geht es um Funktionalität, aber auch um Bequemlichkeit und nicht zuletzt Vertrauen. Es bringt nichts, die Rechnung ohne den Wirt zu machen. Verschaffen Sie sich ein Bild über den Fahrzeugmarkt, über die nötige Infrastruktur und sprechen Sie mit den Mitarbeitern. Für manche Unternehmen lohnt es sich einfach, jetzt noch zwei Jahre zu warten.

Die wichtigsten Tipps zum Start in die Elektrifizierung der Fuhrparks kurz zusammengefasst:

  • Klären Sie, ob die verfügbaren Elektrofahrzeuge mit ihrer Zuladung, ihrer Reichweite und den Ladezeiten eine praktikable Alternative zum Verbrenner darstellen. Ansonsten lohnt es sich, zu warten.
  • Prüfen Sie, ob ausreichend Ladeinfrastruktur am Firmenstandort und ggf. bei den Fahrern zu Hause geschaffen werden kann.
  • Recherchieren Sie, ob es ausreichend öffentliche Schnellladepunkte an den typischen Fahrtrouten gibt.
  • Sprechen Sie im Unternehmen auch über die Akzeptanz von Elektrofahrzeugen. Bauen Sie falsche Vorstellungen und Vorurteile ab.
  • Legen Sie für ihren Kostenvergleich immer auch Varianten ohne Fördermittel zu Grunde.
  • Fragen Sie Händler, ob diese eine Garantie für die Preise übernehmen und eine ausbleibende staatliche Förderung ggf. mit eigenen Mitteln kompensieren können.
  • Lassen Sie sich beraten und arbeiten Sie mit leistungsstarken Partnern zusammen.