Beschleunigung nach langsamem Start

Im ersten Halbjahr 2021 wird es nach unseren Erwartungen herausfordernd bleiben. Die wirtschaftliche Entwicklung und das Geschäftsklima werden wohl bis in den Frühling hinein durch strenge Maßnahmen zur Kontaktreduzierung belastet. In Deutschland, Spanien und Italien laufen außerdem Konjunkturpakete aus, die 2020 die Pkw-Nachfrage gestützt haben. Gleichzeitig werden CO2-basierte Steuersysteme in fünf der sieben betrachteten Länder verschärft.

Immerhin kann der Fahrzeughandel vielerorts mittels Click & Collect auch im Falle eines Lockdowns Autos verkaufen – außerhalb Deutschlands funktioniert auch die Onlinezulassung problemlos. Daher wird sich der Komplettausfall einiger Verkaufsmonate 2021 nicht wiederholen. Auch die Wirtschaft zieht im Laufe des Jahres wieder an, was dann zu Nachholeffekten führen wird. Insgesamt erwarten wie daher in der Prognose für die Big-5 Märkte[1] plus Belgien und die Niederlande ein Wachstum von etwa 17 Prozent zu 2020. Damit erreicht der Markt rund 85 Prozent der Neuzulassungen aus 2019.

Der Flottenmarkt erholt sich schneller als der Privatmarkt

Genau wie in den Jahren nach der Eurokrise wird der Flottenmarkt das erste Marktsegment sein, in dem die Nachfrage wieder anzieht. Weil 2020 viele Leasingverträge verlängert wurden, stehen im nächsten Jahr überdurchschnittlich viele Erneuerungen an. Denn auch wenn die Fuhrparkbetreiber sparen müssen, soll das in erster Linie die Betriebskosten betreffen. Außerdem wollen viele Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck reduzieren, indem sie auf Elektroautos setzen. So fallen die groß angelegten Fördermaßnahmen für BEVs und PHEVs auf fruchtbaren Boden.

Im Gegensatz dazu können Privatkunden ihre Ersatzkäufe noch etwas länger hinauszögern. Wenn sie sparen müssen, schauen sich Kaufinteressenten darüber hinaus auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach einem fahrbaren Untersatz um. Hinzu kommt, dass viele der nun auslaufenden Konjunkturmaßnahmen besonders auf den Privatmarkt zugeschnitten waren, was die Nachfrage im Vergleich zu 2020 drückt.

Das höchste %-Wachstum liegt bei den Sondereinflüssen

Die Neuzulassungen der Autovermieter waren 2020 am stärksten von der Krise betroffen. Durch den niedrigen Startpunkt wird der Kanal daher ein höheres Wachstum verzeichnen. Viele Vermieter haben ihren Bestand 2020 sehr weitgehend heruntergefahren. Somit benötigen sie neue Fahrzeuge, um die anziehende Nachfrage zu bedienen, selbst wenn diese noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau bleibt.

Noch stärkere Basiseffekte kommen bei den Eigenzulassungen von Herstellern und Handel zum Tragen. Auch diese haben 2020 ihre Fahrzeugbestände reduziert. Im nächsten Jahr müssen sie allerdings nicht mehr befürchten, während eines Lockdowns auf unverkauften Fahrzeugen sitzenzubleiben. Außerdem wird sich der Markt im Jahresverlauf drehen. Der Engpass verschiebt sich von der Produktion zu Nachfrage. Taktische Zulassungen helfen dann, die Auslastung hoch und die Flottenemissionen auf Kurs zu halten.

 

[1] Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Vereinigtes Königreich