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Frischzellenkur

0 2019-04-15 620

Die Alfa Romeo Giulietta ist bereits seit 2010 auf dem Markt und erhält nun eine Frischzellenkur. Innen wie außen soll die Kompaktklasse in neuem Glanz erstrahlen.

Mit dem neuen Modelljahr schaffen sämtliche Triebwerke (88 kW/120 PS bis 125 kW/170 PS) die Euro 6d-temp-Abgasnorm. Außerdem gibt es neue Außenlackierungen sowie frisch geordnete Ausstattungslinien. Bunte Akzentteile im Bereich der Stoßfänger sorgen für einen auffälligen Spot; und ein veritables Designer-Werk, bei dem Passanten kurz innehalten, war die Giulietta ja ohnehin immer schon.

Nach Testfahrten mit dem Einstiegs-Selbstzünder in Kombination mit Sechsgang-Schaltgetriebe können wir dem ausgereiften Italiener bescheinigen, dass er durchaus auf der zeitlichen Höhe weilt. An der Performance beispielsweise gibt nichts auszusetzen. Wenn man nicht gerade auf Ampelrennen aus ist, macht der 120 PS-Vierzylinder durchaus glücklich. Leise und dennoch kräftig aus dem Drehzahlkeller packend dieselt der vierzylindrige Multijet die 1,6-Tonnen schwere Karosse auf Trab, überzeugt mit seinem Elastizitätsverhalten und gibt demnach die harmonische Antriebsquelle. Tadellos auch das Schaltgetriebe mit butterweichen Übersetzungswechseln sowie guter Anbindung an das Aggregat. Lastwechsel haben keinerlei Rucke zur Folge, so soll das sein.

Kann es denn angehen, dass man an der bereits zehn Jahre gebauten Giulietta so gar nichts Negatives finden kann? Gut, die manuelle Sitzverstellung mag als etwas fummelig kritisiert werden – aber das stört nicht weiter, wenn man das Mobiliar erst einmal zurechtgerückt hat. Und beim Infotainment bieten viele Wettbewerber mehr Chichi, aber das macht nicht zwingend zufrieden. Statt Riesen-Display mit schicker Glasfläche bietet der kompakte Italiener eben ein kleineres Display ohne Glasfläche – tut es auch. Und bitte unbedingt das 1.650 Euro teure Werksnavigationssystem namens „Uconnect“ dazuwählen mit dem 6,5 Zoll großen Touchscreen, denn das präsentiert sich optisch fein in die Mittelkonsole eingepasst, während die 500 Euro günstigere Alpine-Lösung zwar ein halbes Zoll größer ist und eine Smartphone-Integration bietet, aber auch ein wenig nach Aftersales-Lösung aussieht – dieser Weg ist unwürdig für ein Design-Produkt aus dem Hause Alfa.

Man freut sich übrigens, statt synthetischem TFT-Überfluss klassische Rundinstrumente vor Augen zu haben, glasklare Anzeigen ohne Schnörkel für Geschwindigkeit und Drehzahl, wunderbar. Etwas Anzeigefläche zwischen den Skalen für Fahrinfos oder Routenführung je nach Bedarf reichen für bescheidenes Autofahrer-Glück.

Bleibt noch das Platzangebot, das nicht überbordend, aber doch ordentlich ausfällt, selbst in der zweiten Reihe. Zusammen mit dem ausgewogenen Fahrwerk – eine erfrischende Melange aus spürbarer Rest-Dynamik und wohl dosiertem Federungskomfort, der die Giulietta langstreckenfähig macht – und den straff-konturierten Sitzen, welche sich in positiver Weise von manch anderen Konzernprodukten absetzen, macht der 4,35 Meter lange Italiener einen noch immer modernen Eindruck. Und dass es statt LED-Scheinwerfern eben noch die Variante mit Bi-Xenon-Linsen ist, tut in der Praxis nun kaum einen Abbruch. Wer mit 120 Pferdchen ebenso hadert wie mit Selbstzündern, bekommt einen gleich starken Turbobenziner mit 1,4 Litern oder greift zum Topdiesel mit 125 kW/170 PS. Sechsstufige Doppelkuppler befinden sich übrigens nach wie vor im Angebot.

Wer es etwas auffälliger mag: Bitte mal den neuen Farbton „Verde Visconti“ oder „Blu Misano“ anschauen. Wenn man schon individualistisch unterwegs sein möchte, dann doch bitte nicht in Einheitsschwarz oder Universalweiß. Und vielleicht noch mit knallgelben Bremssätteln in den 18-Zöllern?

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