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Mehr als ein Auto

0 2018-09-26 591

Als im September diesen Jahres das WLTP-Verfahren eingeführt wurde hatte dies nicht nur Auswirkungen auf die Verbrauchswerte und somit die auch auf die Kfz-Steuer von Benzin- oder Dieselfahrzeugen. Auch für potentielle Käufer von Hybridfahrzeugen hat diese Änderung erhebliche Folgen. Denn die Herstellerangaben für die elektrischen Reichweiten von Hybriden sinken durch den realistischeren Messzyklus. Einige Plug-in-Hybrid-Modelle sind so von der Liste des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gestrichen worden und fallen nicht mehr unter die staatliche Förderung für den Kauf von Elektrofahrzeugen. Anders sieht dies bei dem Mitsubishi Outlander Plug-in-Hybrid aus...

... der Japaner ist nach dem umfangreichen Facelift weiterhin auf der Liste des Bundesamtes. Hinzu kommt noch eine Finanzspritze des Herstellers, sodass der Mittelklasse SUV im Modelljahr 2019 tatsächlich für 29.990 Euro angeboten werden kann (eigentlicher Basispreis 37.990 Euro). In dieser Basisausstattung wird einem dann schon allerhand geboten: Klimaautomatik, 18-Zoll-Leichtmetallfelgen, DAB-Empfang, Licht und Regensensor, Rückfahrkamera und einiges mehr. Nur beim Navi setzt Mitsubishi auf das Smartphone der Besitzer. Dieses gibt es nur in der höchsten Stufe für 600 Euro mehr.

Der günstige Preis ist jedoch nicht das einzige Argument, das für den Hybrid-SUV spricht. Schon vor dem Facelift war der Outlander in der Plug-in-Version ein echter Erfolg, über 130.000 Einheiten hat Mitsubishi weltweit schon verkauft. Damit sei der PHV laut Mitsubishi sowohl europa- wie auch weltweit das meistverkaufte SUV mit einem solchen Antrieb. Für das neue Modelljahr haben die Japaner das SUV technisch grundlegend überarbeitet und auch den Innenraum deutlich verfeinert. Außerdem bietet die neue Akkutechnik eine zukunftweisende Nutzung an.

Energiespeicher

Aber der Reihe nach. Die Plug-in-Variante des Outlander ist bereits seit fünf Jahren im Handel und eine erste große Modellpflege somit nötig geworden. Das Facelift hat es in sich, so ist der Benzinmotor neu, der Hubraum beträgt nun 2,4 statt 2,0 Liter, Leistung (+14 PS) und Drehmoment (+21 Nm) wurden angehoben. Zusammen mit den beiden Elektromotoren vorn (60 kW/82 PS) und hinten (70 kW/95 PS, +13 PS) ergibt sich ein elektrischer Allradantrieb und eine Systemleistung von 161 kW/220 PS. Das System an sich ist ausgereift. Der 2-Tonnen schwere SUV kann immerhin nach NEFZ-Verbrauchszyklus 54 und nach der neuen WLTP-Messung 45 Kilometer bewegt werden, was auch der Grund für die weitere staatliche Kaufprämie ist. Dazu musste allerdings die Batteriekapazität auf 13,8 kWh angehoben werden. Zum Vergleich: Die Kapazität des Akkus bei dem aktuellen Toyota Prius Plug-in-Hybrid beträgt lediglich 8,8 kWh. Der große Akku ist dann auch eine der interessantesten Neuerungen, denn dieser lässt sich Bidrektional nutzen und wird so zu einem mobilen Akkuspeicher, dessen Energie sich auch Unterwegs jederzeit abrufen lässt. Über die zwei im Fahrzeug befindlichen 230 Volt Steckdosen und dem Akkuspeicher von 10 KW Leistung können Elektro-Endgeräte bis zu 1.500 Watt betrieben werden. Einsatzbereiche wären hier beispielsweise Förster, Jäger oder andere Gewerbe die in unwegsamen Gelände unterwegs sind und dort beispielsweise eine zusätzliche Lichtquelle oder Elektrowerkzeug betreiben müssen. Natürlich ließe sich auch einfach immer und überall einen Kaffee kochen, vorausgesetzt man führt das entsprechende Equipment mit.

Neben diesem interessanten Gimmick bietet die Bidirektionalität des Akkus allerdings noch eine weitere Einsatzmöglichkeit. Durch eine bidirektionale Ladesäule kann der Outlander Plug-in-Hybrid an die Energieversorgung des Wohnhauses oder der Firma angebunden werden. Vor allem für Photovoltaikanlagen Besitzer dürfte diese Funktion ein interessantes Thema sein. Solarzellen, Haus und Fahrzeug stellen gemeinsam die Energieversorgung des Haushalts sicher in dem der Akku des Outlander über die Solarzellen tagsüber geladen wird. Nachts könnte dieser Akku die Stromversorgung im Haushalt übernehmen. Dies eröffnet auch neue Einsatzmöglichkeiten das Fahrzeug in die bestehende Energieversorgung des Unternehmens einzubinden. Mehrere Outlander zusammen könnten so einen großen Zwischenspeicher stellen. An einer Schellladesäule ist der Akku des Plug-in-Hybrids übrigens schon nach 25 Minuten geladen, an einer Haushaltssteckdose dauert es 5,5 Stunden. Mitsubishi gewährt auf die Lithium-Ionen-Batterie eine Garantie von acht Jahren (bis 160.000 Kilometer).

Fahrleistung

Ach ja ein Auto ist der rollende Energiespeicher natürlich auch und das mit ansprechenden Leistungen. So macht der Mitteklasse SUV im Gelände dank Allradantrieb eine mehr als ordentliche Figur. Auch auf der Landstraße fährt sich der Fünfsitzer sehr solide. Über ein Getriebe verfügt der Outlander PHV nicht, der Benziner wird per Kupplung zugeschaltet und ist dann über eine große Übersetzung an die Räder gebunden. Bei geringen Geschwindigkeiten fährt der Japaner immer elektrisch und das mit einer V-Max von 135 km/h. Mit dem Verbrenner erreicht der Outlander immerhin 170 km/h. Dies sind zwar wahrlich keine berauschenden Zahlen aber hohes Tempo oder lange Fahrten über die Autobahn sind auch nicht das eigentliche Einsatzfeld des Mitsubishis. Wie bei allen Plug-in-Hybriden gilt auch hier: Ist die Batterie einmal leer, steigt der Verbrauch durch das hohe Fahrzeuggewicht ins Zweistellige. Auch der über die Lenkrad-Paddles einstellbare Rekuperationsmodus (Stufen von 0-5) kann durch die Energierückgewinnung mit entsprechender Verzögerung nur geringfügig den Akku wieder aufladen.

Über die Gestaltung des äußeren Blechkleides und den inneren Instrumenten ließe sich streiten. Denn bestenfalls könnte man das Design des aktuellen Outlanders als konservativ bezeichnen. Einzig die Front mit dem typischen Markengesicht (Dynamic Shield) wirkt etwas frischer. Doch dank der ausgefeilten Technik und des günstigen Einstiegspreises sind die von Marketing-Chef Christian Andersen in Deutschland anvisierten 3.000 Einheiten, ein durchaus machbares Ziel.

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