Kia oder Hyundai vor fünfzehn bis zwanzig Jahren? Waren damals Underdogs, mit durchaus interessanten Modellen in der Palette, aber andererseits auch noch weit entfernt von den Qualitätsstandards hiesiger Autobauer – allerdings auch zu moderaten Kursen, um das Bild stimmig zu halten.

Längst ist der koreanische Konzern indes über sich hinausgewachsen, bietet heute bestens verarbeitete Ingenieur-Produkte und darüber hinaus auch noch eine erstaunliche Vielfalt.

Wer die selbst entwickelten Diesel zwar zu schätzen weiß, aber ein bisschen mehr Emotionalität möchte, findet mit dem ProCeed sicherlich den richtigen Einstieg. Der Viertürer mit dem sanft abfallenden Fließheck mag als Coupé oder sportliche Limousine empfunden werden – er ist aber definitiv unkonventionell und ästhetisch in seiner Erscheinung. Ein ganz witziger Aspekt: Wer sich auf der Kia-Website nach dem Modell erkundigt, erfährt, dass 51 Einkaufstaschen, acht Wasserkästen und 203 Handtaschen in den ProCeed passen – gut zu wissen, dass Autos auch jenseits der Kombiwelt praktischen Nutzwert bieten können.

Steigen wir ein und erleben einen – na ja, das ist ja bei Kia schon länger keine Neuigkeit mehr, aber eben immer wieder faszinierend zu sehen – akribisch fein verarbeiteten Innenraum mit wertigen Materialien, wo nun wirklich gar nichts knarzt oder wackelt. Da tut sich ein Ensemble aus Klavierlacken, Aludekor und Leder auf, was einen Hauch Noblesse in den Kompakten bringt, der am oberen Rande der unteren Mittelklasse rangiert. Und auch die Infotainment-Fraktion kommt inzwischen auf ihre Kosten, denn es gibt viel Displayfläche inklusive einem Kombiinstrument, das inzwischen nur noch aus Anzeige besteht.

Was die Performance angeht – der Topmotor ist hier ein 204 PS starker Benziner mit Direkteinspritzung, Turboaufladung und 1,6 Litern Hubraum, also ein echtes Downsizing-Aggregat. Zusammen mit der siebenstufigen Automatik (Doppelkupplung) kostet das ausschließlich in der „GT“-Line anrollende Gefährt netto 28.310 Euro, was ein durchaus wohlfeiler Kurs ist. Schließlich erkauft man sich eine ordentliche Ausstattung inklusive dem vollen Assistenten-Arsenal, wozu auch ein adaptiver Tempomat mit Stop-and-Go-Funktion gehört. Und auch der Spaßfaktor kommt nicht zu kurz, denn der im Klang fein abgestimmte Vierzylinder sorgt für moderaten Druck im Kreuz bei voller Beschleunigung, schafft den Sprint auf 100 km/h in sportiven 7,5 Sekunden und rennt bis zu 225 km/h.

Das schafft der mit netto 28.823 Euro fast exakt gleich teure Hyundai i30N natürlich hurtiger, aber hier steht der mit 275 PS deutlich kraftvollere Antriebsstrang auch im Vordergrund. Ihm genügen 6,1 Sekunden bis 100 km/h, und die Topspeed liegt bei 250 Sachen. Schon die Optik mit dem markanten Diffusor hinten zeigt, wohin der Hase läuft. Man muss indes sagen, dass der i30N keineswegs zu dick aufträgt, sondern im Gesamtauftritt dezent daherkommt. Eher identifiziert man ihn akustisch am extrovertierten Sound der serienmäßigen Klappen-Abgasanlage.

Schon unmittelbar nach dem Einstieg merkt man, dass dieser Hyundai komplett auf drahtige Gangart geeicht ist. Üppige Sportsessel empfangen die Fahrgäste, in denen sie auch bei mächtig Querbeschleunigung die Mittelbahn nicht verlassen. Die Übersetzungen wechselt man ganz klassisch per gut in der Hand liegendem Schalthebel – manuell freilich. Die Box lässt sich übrigens knackig bedienen, und die automatische Zwischengas-Funktion erzeugt ein bisschen Rennflair. Der Zweiliter-Vierzylinder schiebt in jeder Lebenslage bissig, schnaubt wütend, wenn man ihn ausdreht und lässt es beim Lupfen des Gaspedals sprotzeln. Hier und da platziert der i30 N eine gekonnt gesetzte Fehlzündung.

Bei Assistenz und allgemeiner Ausstattung ist der rasante Kompaktklasse-Bruder des Ceed ebenfalls gut aufgestellt, setzt allerdings andere Schwerpunkte. Eine Stop-and-Go-Funktion gibt es hier wegen der fehlenden Automatik schon nicht, allerdings einen konventionellen Tempomaten. LED-Scheinwerfer sind auch hier serienmäßig an Bord, und für die Navigation muss der Kunde 504 Euro netto extra bezahlen – beim Kia ProCeed sind es 1.084 Euro. Bei den Instrumenten geht der i30N im wahren Sinne des Wortes den klassischen Weg, bietet Rundskalen mit analogem Inhalt – passt aber zum sportlichen Konzept.

Die kann der Stinger auch vorweisen, und hier machen sie sich ebenso gut, aus ästhetischen wie traditionellen Gründen. Mit einer feinen Gran Turismo-Limousine samt viel Power aus sechs Zylindern harmoniert klassisches Messwerk einfach wunderbar. Ansonsten ist dieser übrigens außergewöhnlich nobel anmutende und penibelst verarbeitete Kia eine für die Marke immer noch besondere Offerte. Nicht nur, dass der Koreaner mit 3,3 Litern Hubraum aus der Reihe tanzt, auch die restlichen Werte beeindrucken: So schickt der mit zwei Turboladern bestückte Sechsender 366 PS an alle vier Räder – geschmeidig aufbereitet von einer Achtgang-Wandlerautomatik –, um jegliche Traktionsprobleme im Keim zu ersticken. Entsprechend nachdrücklich presst der stilvoll gezeichnete 4,83-Meter-Viertürer seine Passagiere in die frei Haus gelieferten Nappaleder-Fauteuils und erklimmt in Windeseile Tempo. Und ausnahmsweise lässt Kia sein edelstes Pferd sogar 270 km/h rennen, was den GT zu einem Expressgleiter macht. Einer, der es übrigens versteht, Komfortbelange und sportliche Allüren in ausgewogener Balance miteinander zu verknüpfen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Konzern-Offerten ist das Navigationssystem hier serienmäßig. Und noch ein paar andere Ausstattungsbrocken wie beispielsweise adaptives Fahrwerk und Head-up-Display. Allerdings spielt der starke Stinger mit einem Nettopreis von 46.974 Euro auch in einer anderen Liga. Bandbreite und Modellvielfalt können die Koreaner jedenfalls, gute Ingenieur-Produkte auch. Mal abwarten, was da noch kommt – an Spannung mangelt es jedenfalls nicht.