Frage: Bei meiner letzten Panne musste ich einen teuren Abschleppdienst bezahlen. Kann ich ein liegengebliebenes Auto auch selbst zur nächsten Werkstatt ziehen?

Antwort von Hans Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigen-Organisation KÜS: Prinzipiell kann jeder Pkw einen anderen per Seil oder Stange abschleppen – auch ein Kleinwagen darf ein SUV an den Haken nehmen. Allerdings können nicht alle Autos auf der eigenen Achse gezogen werden – bei Automatikfahrzeugen und Fahrzeugen mit permanentem Allradantrieb können beispielsweise Getriebeschäden auftreten. Es empfiehlt sich also zunächst ein Blick in die Betriebsanleitung. Und auch ein paar rechtliche Regeln sind zu beachten.

Abgeschleppt werden dürfen nur Pannenfahrzeuge, nicht aber abgemeldete Autos – etwa für die Fahrt zum Schrottplatz. Zudem sollte die Schleppstrecke möglichst kurz sein, in der Regel akzeptieren Gerichte maximal 100 Kilometer. Dabei muss die Autobahn gemieden werden, denn dort ist Abschleppen verboten. Wer sich auf der Autobahn nach einer Panne abschleppen lässt, muss die nächstmögliche Ausfahrt wählen. Ansonsten drohen 20 Euro Bußgeld.

Grundsätzlich ist beim abzuschleppenden Fahrzeug die Zündung einzuschalten, damit das Lenkradschloss nicht einrastet. Eine Höchstgeschwindigkeit für das Abschleppen gibt es nicht. Man sollte aber möglichst nicht schneller als 30 km/h fahren, damit dem Insassen des hinteren Autos im Notfall genug Zeit zum Reagieren bleibt. Denn bei dem abgeschleppten Fahrzeug sind Servolenkung und Bremskraftverstärker nicht aktiv. Einen Führerschein braucht man übrigens nicht, wenn man im hinteren Wagen sitzt. Allerdings ist Erfahrung am Steuer hilfreich.

Abgeschleppt werden kann entweder mit Seil oder Stange, wobei letztere den Vorteil hat, dass das Pannenauto nicht auf das Heck des Voranfahrenden aufprallen kann. Egal welche Verbindung man nutzt, sie darf nicht länger als fünf Meter sein und muss in der Mitte mit einem roten Fähnchen gekennzeichnet werden. Zusätzlich wird an beiden Fahrzeugen die Warnblinkanlage eingeschaltet. Nachts sind für das hintere Fahrzeug außerdem funktionierende Schlussleuchten vorgeschrieben. Ist das Einschalten von der Warnblinkanlage wegen eines Defekts der Elektrik nicht möglich ist ein Abschleppwagen zu bemühen.