Auch ein Radfahrer muss grundsätzlich ausreichend Abstand halten, und zwar nicht nur zu vorausfahrenden Kraftfahrzeugen, sondern auch auf einen vorausfahrenden anderen Radfahrer. Wird bei organisierten (Sport-)Veranstaltungen im geschlossenen Verband (Pulk) gefahren, kann dies anders zu beurteilen sein. Bei der Teilnahme am „normalen“ Straßenverkehr ist die Einhaltung eines Sicherheitsabstandes zum eigenen Schutz und zum Schutz des vorausfahrenden Radfahrers unverzichtbar. Nach den eigenen Angaben des Geschädigten betrug der Abstand zu dem vorausfahrenden Radfahrer unmittelbar vor der Kollision etwa einen halben Meter bei einer gefahrenen Geschwindigkeit von ca. 30 km/h. Bei Einhaltung eines ausreichenden Abstands wäre es zu keinem Auffahren untereinander gekommen und ein Sturz des Geschädigten vermieden worden.

Das Verbot, an unübersichtlicher Stelle zu überholen (§ 5 Abs. 2 Satz 1 StVO), dient nicht nur dem Schutz des Gegenverkehrs, sondern auch des zu überholenden Verkehrsteilnehmers, der ebenfalls durch ein gegen § 5 Abs. 2 Satz 1 StVO verstoßendes Überholen gefährdet werden kann.

Saarländisches OLG Saarbrücken, Urteil vom 15.12.2022, Az.  4 U 136/21