Ein Auffahrunfall ist für den Fahrer des vorausfahrenden Fahrzeugs im Einzelfall vermeidbar, wenn ein „Idealfahrer“ bei gehaltener Rückschau das zu schnell herannahende und später auffahrende Fahrzeug erkannt und dessen Fahrer durch konsequentes Halten der Fahrspur ein Ausweichen ermöglicht hätte. Er hätte dann statt nach links zu ziehen am rechten Rand der linken Fahrspur bleiben können, wodurch die Kollision zu vermeiden gewesen wäre. Die Zeit zum Erkennen und richtigen Einordnen der Situation wäre nach den Feststellungen des Sachverständigen gegeben gewesen. Dies hat der Sachverständige auch bei seinen ergänzenden Erläuterungen im Senatstermin nachvollziehbar und überzeugend bestätigt. Dass auch ein besonders aufmerksamer und geschickter "Idealfahrer" die Gefahrsituation nicht hätte erkennen und unfallfrei bewältigen können, ist damit nicht bewiesen, was zu Lasten der insoweit beweisbelasteten Geschädigten geht.

OLG Hamm, Urteil vom 22.02.2022, Az. 7 U 39/20