Dem Versicherungsnehmer ist der Nachweis des Kfz-Diebstahls gelungen. Beim Fahrzeugdiebstahl muss der Geschädigte den Beweis für das äußere Bild einer bedingungsgemäßen Entwendung erbringen. Dies wird in der Regel erfüllt, wenn bewiesen wird, dass das Fahrzeug vom Versicherungsnehmer an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit abgestellt dort aber nicht wieder aufgefunden worden ist. 

Soweit die beklagte Versicherung die Redlichkeit („Glaubwürdigkeit“) des Versicherungsnehmers zugleich mit dem Diebstahl als solchen in Zweifel zieht, so kann hierin die Behauptung eines nur vorgetäuschten Diebstahls gesehen werden. Nach dem Grundsatz der Redlichkeit wird zugunsten des Versicherungsnehmers vermutet, dass dieser regelmäßig keinen Versicherungsfall (hier: Diebstahl) vortäuscht, sondern wahrheitsgemäße Angaben hierzu macht. Soll die für den Versicherungsnehmer nach dem Kfz-Diebstahl streitende Redlichkeitsvermutung erschüttert werden, trägt der Versicherer die volle Beweislast. Gleiches gilt für die arglistige Verletzung der Obliegenheit zu wahrheitsgemäßer Auskunft.

OLG Dresden, Beschluss vom 27.04.2022, Az. 4 U 2658/21