Die Kosten für den Infektionsschutz im Zusammenhang mit dem SARS-CoV-2-Virus beruhen kausal auf dem Unfallereignis und sind nach der Rechtsprechung des BGH zum Werkstattrisiko auch erforderlich. Für das erkennende Gericht ist nicht nachvollziehbar, warum der Geschädigte, dessen Fahrzeug unverschuldet zur Zeit der Coronapandemie beschädigt worden ist, schlechter gestellt werden soll als derjenige, dessen Fahrzeug vor diesem Zeitpunkt beschädigt worden ist. … Das Gericht schließt sich der Auffassung an, dass Infektionsschutzkosten nach dem Grundsatz des Werkstattrisikos nach § 249 Abs. 2 S. 1 BGB zu ersetzen seien. … 

Vor dem Hintergrund, dass in allen Ländern der Bundesrepublik Deutschland aufgrund des SARS-CoV-2-Virus in fast allen Bereichen des täglichen Lebens Infektionsschutzmaßnahmen vom Gesetz- bzw. Verordnungsgeber vorgeschrieben worden sind, kann der verständig und wirtschaftlich denkende Geschädigter im Rahmen der vorzunehmenden Plausibilitätskontrolle nicht davon ausgehen, dass vor, bei und nach einer Autoreparatur keine Infektionsschutzmaßnahmen zu treffen bzw. diese von der Werkstatt alleine zu tragen sind. Das Werkstattrisiko dem Geschädigten nur für Positionen aufzuerlegen, die unmittelbarer Bestandteil der Reparatur sind, würde zu keiner sachgerechten Lösung führen. Dem durchschnittlichen Geschädigten sind weder die unmittelbaren noch die mittelbaren Arbeitsabläufe einer Fahrzeugreparatur bekannt. Er weiß schlicht nicht, welche Maßnahmen und welche Materialien im Einzelnen erforderlich sind, um eine Reparatur durchzuführen. Die dafür womöglich überhöhten Ansätze von Material oder Arbeitszeit hat der Schädiger bzw. sein Haftpflichtversicherer zu tragen. Nicht anderes gilt, wenn aufgrund einer epidemischen Lage bei einer Fahrzeugreparatur weitere Maßnahmen von dem Werkunternehmer durchgeführt werden, und zwar auch dann, wenn diese nur ein mittelbarer Bestandteil der Reparatur sind.

AG Eutin, Urteil vom 23.05.2022, Az. 25 C 515/21