An der grundsätzlichen Erstattungsfähigkeit der Mietwagenkosten bestehen keine Zweifel. Erstattungsfähig sind jedoch nur die erforderlichen Mietwagenkosten. Zwar ist grundsätzlich zu beachten, dass bei geringerem Fahrbedarf in der Regel kein Anspruch auf Ersatz der Mietwagenkosten besteht, wobei die Rechtsprechung hierbei eine Grenze im Bereich von ca. 20 km annimmt, jedoch sind hierbei die Umstände des Einzelfalles zu berücksichtigen.

Aufgrund der gegebenen Umstände der Corona-Pandemie ist jedoch die erfolgte Verweisung auf Nutzung der ÖPNV bzw. auf Nutzung eines Taxis nicht zumutbar, insbesondere unter Berücksichtigung der Schwangerschaft der Partnerin des Geschädigten. … Zwar gehört die Corona-Pandemie mittlerweile zum allgemeinen Lebensrisiko, gleichwohl kann das Ausmaß des Risikos durch verschiedene Maßnahmen reduziert werden. Ganz maßgeblich sind insofern die Kontaktbeschränkungen. Der Geschädigte hatte sich entschieden, die Kontakte zum Schutz seiner schwangeren Frau auch insofern einzuschränken, als er mit dem eigenen Fahrzeug zur Arbeit fuhr. Dies kann dem Geschädigten aufgrund der möglichen erheblichen Auswirkungen einer Coronainfektion nicht verwehrt werden. Das Ansteckungsrisiko ist bei einer Taxifahrt wie auch bei Nutzung der ÖPNV ungleich höher. Dem steht auch die sog. Maskenpflicht in der ÖPNV nicht entgegen. Der Geschädigte hat insofern keine eigene Möglichkeit, auf die ordnungsgemäße Einhaltung der Maskenpflicht der anderen Nutzer der ÖPNV selbst hinreichend einzuwirken. Auch im Taxi besteht eine wesentlich höhere Ansteckungsgefahr als im eigenen Fahrzeug. Es handelt sich um einen engen Raum. Auch hier hat der Geschädigte keine Einwirkungsmöglichkeiten darauf, wie der Taxifahrer seine Maskenpflicht umsetzt. Insbesondere weiß er nicht, wie der Taxifahrer, bevor er den Geschädigten aufnimmt, mit der Maskenpflicht umgegangen ist und wie sich auch entsprechende Mitfahrer vor ihm verhalten habe. Die Aerosole verbleiben jedoch im Taxi. … Sinn und Zweck der Anmietung des Ersatzfahrzeuges ist es v.a. Kontakte soweit wie möglich zu beschränken. Eine Beschränkung am Arbeitsplatz ist jedoch nicht möglich, da die Kontakte in diesem Bereich als notwendig zu erachten sind und nicht durch ein aktives Tun des Geschädigten verringert werden können. Die Möglichkeit nicht zur Arbeit zu gehen, um mögliche Kontakte weiter zu beschränken, sieht das Gericht nicht als Alternative an.

AG Nürnberg, Urteil vom 15.10.2021, Az. 23 C 4061/21