Eine gewisse allgemeine Gefährlichkeit des Dienstes, wie sie zum Beispiel mit der Teilnahme am Straßenverkehr einhergeht, genügt nicht. Mit der Diensthandlung muss eine für den Beamten typischerweise besondere, über das übliche Maß der Lebens- oder nur Gesundheitsgefährdung hinausgehende Gefahr verbunden sein. Diese besteht nur dann, wenn bei der Vornahme der Diensthandlung der Verlust des Lebens wahrscheinlich oder doch sehr naheliegend ist. Dies kann auch dann erfüllt sein, wenn die Diensthandlung ihrer Art nach nicht generell besonders gefährlich ist, jedoch im Einzelfall durch eine unvermutete Veränderung der Verhältnisse eine erhöhte Lebensgefahr eintreten kann bzw. durch das Hinzutreten besonderer Umstände oder besonderer Bedingungen mit einer erhöhten Lebensgefahr verbunden sein kann. Dies erfordert eine wertende Betrachtung der Umstände des konkreten Einzelfalls (im vorliegenden Fall bejaht).

Nach Maßgabe dieser Grundsätze war das Absichern einer Unfallstelle auf der Autobahn als Diensthandlung für den Polizisten mit einer besonderen Lebensgefahr im Sinne des § 37 Abs. 1 Satz 1 BeamtVG a. F. verbunden, da es sich insgesamt um eine besonders unfallträchtige Autobahn handelte. Der Dienstunfall ereignete sich in einer langgezogenen Rechtskurve, wobei die Unfallstelle überdurchschnittlich gefährlich ist. Im dortigen Streckenabschnitt gab es keinen befestigten Seitenstreifen, sondern lediglich einen an die rechte der beiden Fahrspuren angrenzenden und ganz überwiegend unbefestigten Randstreifen, an dessen rechten Rand eine an keiner Stelle unterbrochene Leitplanke grenzte. Dieser Randstreifen war auch an der Unfallstelle, an der das Dienstfahrzeug abgestellt war, nicht so breit wie ein Seitenstreifen im Sinne der StVO. Das polizeiliche Dienstfahrzeug musste ganz rechts an der Leitplanke abgestellt werden, um nicht in den rechten Fahrstreifen hineinzureichen. 

OVG Lüneburg, Urteil vom 09.06.2020, Az. 5 LB 282/10