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Die Ergebnisse der Umfrage, bei der 300 Fuhrparkverantwortliche aus Deutschland im Zeitraum von August bis Oktober 2022 befragt wurden (insgesamt waren es 8.622 Fuhrparkverantwortliche aus 30 Ländern), zeigen fünf große Trends für die berufliche Mobilität in Deutschland auf, von denen vier hier etwas genauer betrachtet werden sollen.

1. Entwicklung der Flottengröße – stabil oder wachsend
Beim Thema Flottenwachstum blickt der Großteil der Unternehmen in Deutschland und Europa optimistisch in die Zukunft und gibt an, die eigene Flotte entweder stabil zu halten oder vergrößern zu wollen (91 Prozent). Dabei sind es vor allem die kleinen Unternehmen in Deutschland mit einem bis zehn Mitarbeitern (62 Prozent), die planen, ihren Fuhrpark in den nächsten Jahren auszubauen, und damit ihr wirtschaftliches Wachstum zuversichtlich beurteilen. Mittlere Unternehmen mit 10 bis 99 Mitarbeitern und größere Unternehmen mit 100 bis 999 sowie mindestens 1.000 Mitarbeitern sind indes vorsichtiger mit ihren Wachstumsprognosen, geben aber durchweg an (100 Prozent), die Flottengröße stabil zu halten. „Angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen, denen deutsche Unternehmen aktuell begegnen, ist es interessant zu sehen, dass vor allem kleine Firmen planen, ihre Flotten weiter auszubauen“, sagt Katharina Schmidt, Head of Arval Mobility Observatory in Deutschland. „Ein wichtiger Grund dafür ist unter anderem, dass Unternehmensmobilität ein effektives Instrument zur Mitarbeitergewinnung und -bindung ist. Für Arbeitgebende, die nicht dieselben Gehälter wie große Unternehmen aufrufen können, werden solche Benefits immer wichtiger.“ So werden als Gründe für die Vergrößerung des Fuhrparks zu 35 Prozent HRrelevante Anforderungen genannt, zu 43 Prozent planen die Unternehmen, Mitarbeitern ohne Firmenwagenberechtigung Fahrzeuge anzubieten, etwa durch Gehaltsumwandlung oder -verzicht. Bei 49 Prozent der Unternehmen stehen die wirtschaftliche Expansion und die Entwicklung neuer Geschäftstätigkeiten sowie der damit einhergehende Bedarf an Fahrzeugen im Vordergrund. Das Thema Benefit spielt aber nicht nur beim Fuhrpark selbst eine Rolle: Fuhrparkentscheider, die ihre Mobilitätsrichtlinien aufgrund von Home-Office geändert haben oder beabsichtigen dies zu tun (das betrifft 17 Prozent), nennen als häufigsten Grund für die Änderung die Bereitstellung von Mobilitätslösungen für Mitarbeiter, die keinen Dienstwagenanspruch haben. Ein anderer Trend scheint sich indessen abzuschwächen. Hielten Firmen im letzten Jahr noch lange an ihren Fahrzeugen fest, ist dies in diesem Jahr zumindest bei kleineren Unternehmen nicht mehr der Fall: Die Besitzdauer sinkt von 5,6 Jahren auf 4,4 Jahre. „Demnach liegt der Fokus kleinerer Unternehmen deutlich auf der Erneuerung und dem Ausbau der Flotte“, stellt Katharina Schmidt fest. Der europäische Durchschnitt aller Unternehmensgrößen bezüglich der Fahrzeugnutzungsdauer beträgt hingegen weiterhin 5,6 Jahre, in Deutschland liegt er bei 4,9 Jahren. Der Unterschied zwischen Pkw und leichten Nutzfahrzeugen ist dabei gering.

2. Ausbau der Elektromobilität legt weiter zu
Flottenverantwortliche geben zu 21 Prozent als größte Herausforderung in den nächsten drei Jahren die Implementierung alternativer Antriebe an. Danach folgen die Anpassung an restriktive politische Maßnahmen zu Benzin- und Dieselfahrzeugen mit 15 Prozent und die Einführung anderer Mobilitätslösungen mit elf Prozent. Sieben von zehn deutschen Unternehmen haben inzwischen mindestens eine alternative Technologie hierzu zählen HEV (Hybridfahrzeuge), PHEV (PlugIn-Fahrzeuge und BEV (Batterie-elektrische Fahrzeuge) im Pkw-Bereich eingeführt, dies liegt über dem europäischen Durchschnitt mit knapp sechs von zehn Unternehmen. Beide Werte sind im Gegensatz zum letzten Jahr gestiegen, von 6 von 10 Unternehmen in Deutschland und knapp 5 von 10 Unternehmen in Europa. Die Entwicklung haben besonders kleine Unternehmen forciert, die zu 80 Prozent bereits mindestens eine der genannten Technologien im Fuhrpark eingeführt haben. Als Gründe werden besonders der Aspekt der Nachhaltigkeit und die Verbesserung des Unternehmensimages, aber auch die Reduzierung von Kraftstoffkosten und der Gesamtbetriebskosten genannt. Schaut man sich die Zusammensetzung der Fuhrparks mit Fahrzeugen mit alternativem Antrieb genauer an, so bestehen die Flotten zu 38 Prozent aus PHEV, zu 36 Prozent aus HEV und zu 29 Prozent aus BEV. Hauptgrund für die geringere Zahl bei der reinen Elektromobilität ist die fehlende Ladeinfrastruktur: 28 Prozent der Entscheider geben als Hindernis den Mangel an Ladepunkten an ihren Standorten an, für 25 Prozent ist die fehlende Lademöglichkeit bei den Mitarbeitern zu Hause ausschlaggebend. Hier sind natürlich die Unternehmen angesprochen, von denen 35 Prozent in den nächsten zwölf Monaten eine eigene Lademöglichkeit auf ihrem Betriebsgelände installieren möchten. Eine begrenzte Auswahl an Fahrzeugen und die Reichweitenangst sind als Hindernisse inzwischen in den Hintergrund getreten. Schaut man auf den erwarteten Flottenanteil je Antriebsenergie, verrät dies aber auch, dass in den nächsten drei Jahren 44 Prozent der Pkw weiterhin mit Benzin oder Diesel betrieben werden. Bei den leichten Nutzfahrzeugen sehen die Ergebnisse hingegen anders aus: 19 Prozent der Unternehmen haben bereits eine alternative Technologie eingeführt, 52 Prozent erwägen solche Antriebe in den nächsten drei Jahren zu nutzen. Der Anteil an Benzin- und Dieselfahrzeugen wird bei 61 Prozent verbleiben.

3. Alternative Mobilitätslösungen: kein Ersatz für Dienstwagen
Alternative Mobilitätslösungen sind durchaus auf dem Vormarsch: Acht von zehn Unternehmen haben bereits mindestens eine Form dieser Mobilität eingeführt (Vorreiter sind hier die kleinen Firmen mit 92 Prozent). Damit liegt Deutschland über dem Durchschnitt der europäischen Länder mit sieben von zehn Unternehmen. Bei der Wahl der alternativen Mobilitätslösungen zeigt sich folgendes Bild: 30 Prozent nutzen die kurz-/ mittelfristige Fahrzeugvermietung, 26 Prozent das Ridesharing, 25 Prozent die Angebote des ÖPNV und 23 Prozent das Bikesharing/-leasing. Interessant ist dabei der Unterschied zwischen den kleinen und mittleren Unternehmen und den größeren: Während Erstere vermehrt auf Corporate Car- oder Ridesharing sowie ein Mobilitätsbudget setzen, nutzen große Unternehmen eher die Option von Mietfahrzeugen. Hauptgrund für die Einführung verschiedener Mobilitätslösungen ist auch hier die Verbesserung der Attraktivität als Arbeitgeber, um die Mitarbeitergewinnung und -bindung zu gewährleisten. Dennoch bleibt zu betonen, dass diese Formen nur als ergänzende Mobilität oder Zusatz zur Flotte angesehen werden. Unternehmen, die mindestens eine Mobilitätslösung nutzen oder in Erwägung ziehen, geben daher an, dass die Wahrscheinlichkeit, ihren Fuhrpark ganz oder teilweise aufzugeben, eher gering ist.

4. Nutzung und Akzeptanz vernetzter Dienste
Auch wenn der Nutzungsgrad in Deutschland immer noch unter dem europäischen Durchschnitt liegt, nimmt der Einsatz von Telematikdiensten bei Pkws und leichten Nutzfahrzeugen zu. „Im Vergleich zum letzten Jahr sehen wir bei der Nutzung von Telematikdiensten eine deutliche Steigerung: 37 Prozent der Befragten geben an, für ihre Flotte beziehungsweise für einen Teil der Flotte Telematiklösungen zu nutzen. 2022 standen viele Unternehmen diesen eher skeptisch gegenüber. Aktuell ändert sich das aber und die Akzeptanz und das Bewusstsein, welche Vorteile die Technologie mit sich bringt, werden größer“, kommentiert Schmidt die Ergebnisse. Gründe, die für Telematiklösungen sprechen, sind die Ortung des Fahrzeugs, die Verbesserung der Fahrzeugsicherheit, die Optimierung der betrieblichen Effizienz, die Verbesserung der Fahrersicherheit sowie die Senkung der Flottenkosten. Schaut man auch hier etwas genauer auf die Verteilung, sind es diesmal eher die größeren Unternehmen, die auf Telematik setzen und diese für ihre leichten Nutzfahrzeuge verwenden als für Pkw.

Fazit
„Das Fuhrpark- und Mobilitätsbarometer 2023 zeigt deutlich, dass die Umstellung auf alternative Antriebe voranschreitet und das Angebot an zusätzlichen Mobilitätslösungen weiter zunimmt. Die befragten deutschen Unternehmen blicken trotz zahlreicher Herausforderungen optimistisch in die Zukunft und haben erkannt, dass Mobilität auch ein wichtiges Thema ist, um neue Talente anzuwerben und Mitarbeitende zu binden. Und auch das Bewusstsein für die Vorteile einer vernetzten Flotte wird immer größer – ein wichtiger Schritt zu einem digitalen und nachhaltigen Fuhrpark“, erklärt Katharina Schmidt, Head of Arval Mobility Observatory in Deutschland.