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Sichtlich erfreut begrüßten Georg Thoma, Direktor Flotte, und Guido Grewe, Key Account Manager Region West, die fast 80 Teilnehmer des ATU Fuhrpark-Treffs, die insgesamt circa 100.000 Flottenfahrzeuge verantworteten. Mehr als zwei Jahre sind ins Land gegangen, seit wir über den Startschuss für die „Fleet Innovation Tour“ – so hieß die Veranstaltungsreihe des ATU Fuhrpark-Treffs im Jahr 2020 – aus Weiden in der Oberpfalz berichtet haben. Sicherlich ist damals noch niemand davon ausgegangen, dass SARS-CoV-2 (das Coronavirus) derartige Auswirkungen auf unser Leben haben könnte. Jedoch waren im Februar 2020 bereits erste Auswirkungen der Pandemie auf die Automobilindustrie zu spüren und dienten somit unweit der ATU-Zentrale als Diskussionsgrundlage.

Auch wenn sicherlich jeder der Teilnehmer von Lieferschwierigkeiten und langen Wartezeiten bei der Auslieferung von Fahrzeugen berichten konnte, waren dies nicht die Hauptthemen des diesjährigen ATU Fuhrpark-Treffs. Dieser drehte sich vor allem um Elektromobilität und eine sich verändernde Unternehmensmobilität. Noch bevor die eigentliche Veranstaltung begann, gab es passend zur Location die Möglichkeit, an einem Schnupper-Fahrsicherheitstraining (eine vorherige Anmeldung war erforderlich) teilzunehmen. Die hohe Resonanz führte dazu, dass sich die Teilnehmer in den 22 zur Verfügung stehenden Fahrzeugen teilweise abwechseln mussten.

Den ersten Programmpunkt der Präsentationen auf dem ATU Fuhrpark-Treff bildete ein Vortrag von Georg Thoma, der zunächst einen Einblick in die Welt von ATU gab: Seit Ende 2016 ist ATU offiziell Teil des französischen Familienunternehmens Mobivia und entwickelte sich seither gemeinsam mit den französischen Partnern zur Nummer eins im Kfz-Service in Europa. Zur Mobivia-Familie gehören insgesamt 9 Marken und 25 Start-ups in 18 Ländern, darunter Norauto, Auto 5, Midas und Carter-Cash. Darüber hinaus unterstützt Mobivia unter der Marke Via ID Start-ups, die neue wie auch innovative Lösungen im Bereich urbane und geteilte Mobilität entwickeln.

Der Bereich Elektromobilität ist für ATU längst kein Neuland mehr, wie Georg Thoma erklärte: So verfügen alle ATU-Werkstätten über Hochvoltspezialisten und können damit Servicearbeiten an Hybridund E-Autos durchführen. Dabei liegt der Fokus der Ausund Weiterbildung in der Werkstattkette momentan auf der Qualifizierungsstufe 2 Hochvolt (Anmerkung der Redaktion: elektrotechnische Arbeiten im spannungsfreien Zustand). Die dritte Qualifizierungsstufe nach DGUV 200-005, sprich Arbeiten unter Spannung an Hochvoltsystemen, findet indes noch selten Anwendung, da die Batterie von der Gewährleistung des Herstellers abgesichert ist. Jedoch wird auch dies durch ATU abgedeckt. Nicht umsonst ist die Werkstattkette seit 2020 offizieller Servicepartner des E-Auto-Herstellers Aiways und übernimmt neben Wartungen auch Garantiearbeiten an den E-Fahrzeugen der Marke. Ein nicht unwesentlicher Teil der ATU-E-Mobilitätsstrategie betrifft auch das Thema Ladeinfrastruktur: Bereits seit Juli 2017 besteht eine Kooperation zwischen der Werkstattkette und Allego, Teil der Meridiam-Gruppe und Spezialist für Infrastrukturprojekte sowie einer der führenden Betreiber von Ladeinfrastrukturen in Europa mit mehr als 28.000 Ladepunkten in den Benelux-Staaten und Deutschland. Aktuell gibt es bereits 42 Schnellladesäulen an ATU-Filialen und der Ausbau wird stetig vorangetrieben.

Ein Aiways U5 mit einer ATU-Folierung konnte nicht nur ganztägig besichtigt werden, sondern diente als Demonstrationsmaterial für den nächsten Programmpunkt: eine UVV-Prüfung gemäß DGUV Vorschrift 70 an einem Elektrofahrzeug. Dipl.-Ing. (FH) Pierluca Corona, Sachverständiger der DEKRA, erklärte den interessierten Flottenverantwortlichen die Grundlagen der UVV-Prüfung und welche Besonderheiten es bei einem Elektrofahrzeug zu beachten gilt: Welche gesundheitlichen und fachlichen Voraussetzungen Beschäftigte für Arbeiten an Hochvoltsystemen mitbringen müssen, welche Schutzausrüstungen notwendig sind und vieles mehr. Geklärt werden sollten zudem die Besonderheiten beim Umgang mit Pannen, Ladetechnik und Akkus. Zum regelkonformen Umgang zählt nicht zuletzt auch die Überprüfung von Ladekabeln sowie der elektrischen Anlagen, die zum Laden der Dienstfahrzeuge am Unternehmensstandort im Einsatz sind.

Die nachfolgende Pause bot dann den Teilnehmern die Gelegenheit, sich über das zuvor Gehörte auszutauschen, aber sich ebenso am Buffet zu stärken. Natürlich ergaben sich hier auch Möglichkeiten, mit den Vortragenden sowie den ausstellenden Firmen – Aiways, DEKRA, DRIVERAMA, FINN und Fleet-Hub – näher ins Gespräch zu kommen und über mögliche Anwendungsfälle in den Fuhrparks zu sprechen. Zudem gab es über den Tag verteilt die Möglichkeit, eine Probefahrt mit einem Aiways U5 zu unternehmen.

Der letzte Programmpunkt des ATU Fuhrpark-Treffs war ein Vortrag zum Thema „Der Weg zur Elektromobilität in Ihrem Unternehmen“ von Marcus Federhoff, Head of Operations bei Fleet-Hub. Dabei ging er insbesondere auf die Notwendigkeit der Überarbeitung der Car-Policy ein, da elektrifizierte Fahrzeuge aufgrund der verbauten Batterietechnik preislich meist deutlich oberhalb eines Firmenfahrzeugs desselben Segments zu finden sind. Hinzu kommt, dass derzeit nur in seltenen Fällen sonst übliche Flottenrabatte gewährt werden, da die Auftragsbücher der etablierten Autohersteller gut gefüllt sind und die Lieferkettenproblematik die Auslieferung von bereits georderten Fahrzeugen verzögert. Daher empfahl Marcus Federhoff, sich auch einmal mit neuen Fahrzeugherstellern auseinanderzusetzen und diese als Ergänzung in der Car-Policy zu integrieren. Denn gerade viele neue Elektrofahrzeughersteller wie Aiways, BYD, GWM, ORA, Polestar oder WEY sind oftmals lieferfähig. Diese Lieferfähigkeit ist zugleich von entscheidender Bedeutung, da nach den aktuellen Plänen der Bundesregierung, der Umweltbonus für vollelektrische Fahrzeuge im September 2023 zumindest für Firmenkunden ausläuft. Für die Beanspruchung der Förderung ist dabei der Zulassungszeitpunkt entscheidend und nicht der Zeitpunkt der Bestellung.

Nachdem die Teilnehmer mit reichlich Informationen versorgt waren, ließ sich der eine oder andere nicht die Chance entgehen, das Fahrsicherheitszentrum in Grevenbroich genauer anzuschauen. Wenn Sie auch einmal den ATU Fuhrpark-Treff besuchen wollen, haben Sie im nächsten Jahr die Chance dazu. Die Termine und alle Informationen finden Sie rechtzeitig auf www.flotte.de sowie in einer der folgenden Flottenmanagement-Ausgaben.