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Flottenmanagement: Wir sind hier auf der IAA Transportation in Hannover. Welche Neuheiten präsentiert Renault in diesem Jahr

Michael Borner: Wir präsentieren den neuen Kangoo E-Tech Electric, von dem wir später im Jahr die L2 Version einführen werden. Ein echtes Highlight ist der Trafic E-Tech und natürlich unsere Neuheiten im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie, die wir über unser Joint Venture Hyvia an den Start bringen werden.

Flottenmanagement: Im Pkw-Markt schreitet die Elektrifizierung immer schneller voran. Wann nehmen batterieelektrische Nutzfahrzeuge richtig Fahrt auf?

Michael Borner: Wir haben seit 2011 den Kangoo E-Tech auf dem Markt und waren damit einer der Vorreiter im Bereich der elektrifizierten leichten Nutzfahrzeuge. Wir verkaufen in diesem Jahr rund 20.000 LCV und haben davon etwa 1.500 Renault Kangoo E-Tech eingeplant. Diese werden wir auch verkaufen – nicht zuletzt, weil wir die BAFA-Prämie für 2022 in diesem Jahr garantieren. Sie können davon ausgehen, dass wir in Deutschland weit über den europaweiten zwei Prozent elektrischer LCV liegen werden. Wir sprechen von einem Ziel von etwa sechs bis sieben Prozent E-Tech Anteil.

Flottenmanagement: Gibt es einen Stichtag, bis zu dem der Kunde das elektrische LCV bestellt haben muss, um von Ihrer BAFA-Garantie noch zu profitieren?

Alexander Albrecht: Wir arbeiten nicht mit einem starren Datum, sondern mit händlerindividuellem Volumen, für das wir noch eine Anlieferung in 2022 und somit die aktuelle BAFA-Förderung garantieren können. Dies gilt sowohl für den rein elektrischen Megane E-Tech als auch für den Kangoo E-Tech. Einige Fahrzeuge stehen bereits im Handel, andere sind in der Produktion eingeplant und noch nach Kundenwunsch konfigurierbar.

Michael Borner: Wenn die Bestellungen in den nächsten drei bis vier Wochen (Anmerkung der Redaktion: Interviewdatum 19.09.22) eingehen, dann ist die BAFA-Garantie sicher. Die Kangoo-Familie wird in Frankreich unweit der Grenze gebaut, die Fahrzeuge kommen innerhalb weniger Tage in Deutschland an.

Alexander Albrecht: Wir wünschen uns – wie viele andere Hersteller auch – ein zweistufiges Antragssystem, das unseren Kunden bereits bei der Antragstellung Sicherheit in Bezug auf die Förderung geben würde. Dass die Förderung davon abhängig ist, ob das Auto noch rechtzeitig geliefert wird oder nicht, hat den Charakter einer Lotterie, die wir unseren Kunden nicht zumuten wollen. Zudem haben wir bei der Wallbox-Förderung gesehen, dass ein zweistufiges System funktioniert. Das wäre einfach fairer und transparenter für alle Kunden.

Flottenmanagement: Nutzfahrzeuge müssen fahren. Welche Serviceangebote bietet Renault im Falle von Pannen oder Ausfällen an, insbesondere auch für die Elektrotransporter?

Michael Löhe: Wir bieten unseren Kunden natürlich eine Mobilitätsgarantie und wir verkaufen auch häufig Garantieverlängerungen und Wartungsverträge. Allerdings haben wir nicht für jeden Umbau genau das gleiche Ersatzfahrzeug. Wir halten den Kunden mobil, aber es kann schon sein, dass er ein oder zwei Tage mit einem Trafic statt mit einem Master fahren muss.

Flottenmanagement: Renault restrukturiert ja gerade das Deutschlandgeschäft in der Flotte um. Was ist hier genau geplant und warum machen Sie das?

Michael Löhe: Das ist richtig. Dabei geht es explizit um die Stärkung des Flottengeschäftes. Wir werden künftig strategische Themen sowie die Vermarktung unserer Flotten-Produkte in die Direktion Marketing integrieren. Der Vertrieb und die Kommunikation mit dem Handel werden künftig unter meiner Verantwortung laufen. Hier haben wir einen eigenen Flottenbereich unter der Leitung von Alexander Albrecht gegründet, der sich exklusiv dem Flottengeschäft inklusive LCV widmet. Diese neue Organisation wird zum 1.10. starten. Die Auflösung der alten Direktion hat nicht den Hintergrund, das Flottengeschäft abzuschaffen, ganz im Gegenteil: Durch eine Bündelung der Kräfte mit Pkw, LCV und Flottengeschäft sehen wir Synergien, die uns in diesem Bereich noch schlagkräftiger machen.

Flottenmanagement: Welche konkreten Vorteile oder Nutzen hat der Fuhrparkentscheider durch diese Restrukturierung?

Michael Löhe: Vor allem direkte Ansprechpartner, das ist ein wesentlicher Vorteil.

Alexander Albrecht: Die ganze Branche ist in der aktuellen Zeit mit Lieferschwierigkeiten konfrontiert, die uns und unseren Kunden das Leben schwer machen. Durch die Umstrukturierung wollen wir es unseren Kunden dann zumindest organisatorisch einfacher machen.

Micheal Borner: Die meisten Autos werden zum Großteil über den Handel verkauft. Nur ein kleiner Teil der Fahrzeuge wird im Direktgeschäft vermarktet. Mit dieser neuen Lösung wird alles aus einer Hand gesteuert, basierend auf einem integrativen Ansatz. Bisher waren die Themen in verschiedenen Bereichen verteilt. Jetzt ist für die gesamte Bandbreite von Retail, Small Fleet, Key Account und Autovermieter eine Direktion zuständig. Am Ende des Tages kann dann diese eine Direktion den gesamten Bereich entscheiden. Das bringt Vorteile für den Kunden und Effizienzen in der Zusammenarbeit intern und mit dem Handel.

Michael Löhe: Nicht zu vergessen ist das Thema, dass wir in den nächsten Monaten oder sogar Jahren noch Versorgungsengpässe haben könnten. Auf diese Umstände werden wir künftig einfach schneller reagieren können.

Michael Borner: Wohin die verfügbaren Autos am Ende gehen, wird zukünftig unter Abwägung aller Aspekte und Kundeninteressen in einer Direktion entschieden.