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Nicht zuletzt seit der Corona-Pandemie haben sich viele Arbeitsprozesse verändert, die Digitalisierung ist vorangeschritten und auch Mobilitätsbedürfnisse haben sich – zunächst zwangsweise – gewandelt. Ein Change, auch für Fuhrpark- und Mobilitätsthemen. Die Entwicklung hin zu einem veränderten Mobilitätsmanagement ist aber nicht nur aufgrund der äußeren Umstände notwendig, sondern auch wichtig und sinnvoll. Die Pandemie hat gezeigt, dass Veränderungen möglich sind. Sie zwang zu einer reduzierten Mobilität. Geschäftsreisen und Pendeln zur Arbeitsstelle waren in großen Teilen nicht mehr nötig oder sogar unmöglich. Hinzu kommen aktuelle Probleme wie etwa Lieferschwierigkeiten, die Flexibilität von Unternehmen in vielen Bereichen erfordern. Der Firmenfuhrpark wird in vielen Fällen auch weiterhin das mobile Herz bleiben, es zeigt sich jedoch, dass die Mobilität weitergedacht werden muss.

Mitarbeitermobilität in den Fokus stellen
Unternehmen beziehungsweise Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortliche müssen auf das veränderte Mobilitätsverhalten reagieren und die Mobilität entsprechend anpassen. Dieser Aspekt ist einer der wesentlichen Gründe, warum die Betrachtung der Mobilität in Betrieben unerlässlich ist. Eine immer dringender werdende Aufgabe der Fuhrpark- und Mobilitätsverantwortlichen ist die Analyse der betrieblichen Mobilität. An erster Stelle muss die Feststellung des Ist-Zustands stehen, um in einem nächsten Schritt herauszuarbeiten, wie die Mobilität verändert und an die Bedürfnisse der Mitarbeitenden angepasst werden kann. Längst ist das Instrument Dienstwagen um viele weitere Möglichkeiten ergänzt worden und nicht mehr alternativlos. Mitarbeitende entwickeln ein Nachhaltigkeitsbewusstsein oder es besteht schlichtweg nicht mehr die Notwendigkeit, Fahrten mit dem Auto zu tätigen. Wenn sich Betriebe daran anpassen, machen sie einen wichtigen Schritt in die Zukunft.

Damit eng verbunden ist ein weiterer Grund, sich besser gestern als heute mit der betrieblichen Mobilität zu befassen: die Mitarbeitenden und das Image. Im Kampf um Mitarbeitende zählt jedes Argument für ein Unternehmen. Ist das Mobilitätsmanagement optimal auf die Bedürfnisse der Angestellten angepasst, steigen die Arbeitgeberattraktivität und die Zufriedenheit mit dem Unternehmen. Das dient nicht nur der Mitarbeitergewinnung, sondern hält auch die Angestellten eher im Unternehmen. Gleichzeitig verbessert dies das Image von Unternehmen sowohl, innerbetrieblich als auch von außen gesehen. Die Umstellung der Mobilität kommt häufig einer nachhaltigeren Ausrichtung nach. Themen wie nachhaltiges Wirtschaften und ein nachhaltig ausgerichtetes Mobilitätsmanagement leisten aktiv einen Beitrag zur Mobilitätswende. Wenn sich Unternehmen demnach mit der betrieblichen Mobilität auseinandersetzen, wird das von der Außenwelt positiv wahrgenommen. Häufig spielt für Kundinnen und Kunden die Nachhaltigkeit eine tragende Rolle. Deswegen können Unternehmen mit einem angepassten Mobilitätsmanagement nicht nur im Kampf um die Mitarbeitenden gewinnen, sondern auch bei den Kundinnen und Kunden.

Ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll
Ein weiterer Grund, sich jetzt mit der betrieblichen Mobilität auseinanderzusetzen, ist demnach auch die Nachhaltigkeit. Das gilt nicht nur aus Imagegründen, sondern auch aus persönlichen Gründen. Für viele Unternehmen und Fuhrparkund Mobilitätsverantwortliche spielt nachhaltiges Wirtschaften mittlerweile eine große Rolle im Arbeitsalltag. Mit der Umstellung der betrieblichen Mobilität lassen sich massive Veränderungen in Richtung Nachhaltigkeit erzielen und somit gelingt ein großer Schritt hin zur Mobilitätswende. Konzepte wie das Mobilitätsbudget, Job-Tickets oder Poolfahrzeuge können einen wichtigen Beitrag leisten, um den Emissionsausstoß von Unternehmen zu reduzieren und die Nachhaltigkeit im Fuhrpark voranzubringen. Dies macht nicht nur aus ökologischen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen Sinn.

Aus diesem Grund spielt auch die Kostenreduzierung eine Rolle bei der Umgestaltung der betrieblichen Mobilität. Es liegt an den Fuhrparkund Mobilitätsverantwortlichen, die Mobilität in der bestehenden Form zu überprüfen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um eine Umgestaltung anzuregen. Durch den veränderten Mobilitätsbedarf sind möglicherweise mehr Dienstwagen vorhanden, als überhaupt benötigt werden. Durch eine strukturierte Veränderung lassen sich Fahrzeuge und Emissionen einsparen und gleichzeitig die Kosten enorm reduzieren. Hinzu kommt, dass sich Elektrofahrzeuge auf längere Sicht eher rechnen als Verbrenner. Handeln Unternehmen im Sinne der Mobilitätswende und gestalten den Fuhrpark nachhaltig um, ist das nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich. Damit im Zusammenhang steht ein weiterer Grund, der für die Fokussierung auf die betriebliche Mobilität spricht: die Elektroauto-Förderung. Viele Unternehmen haben bereits die Notwendigkeit einer Elektrifizierung zumindest als Ergänzung erkannt – und das nicht erst, seit das Verbrenner-Aus droht. Nach den neuesten Entwicklungen ist allerdings auch klar, dass es einen Stopp der Zuschüsse für Unternehmen geben soll, die Elektroautos anschaffen wollen.

Nach jetzigem Stand wird die Förderung für Elektroautos für Unternehmen zum September 2023 eingestellt. Ab dann sollen nur noch Privatpersonen unterstützt werden. Wenn sich Unternehmen bisher noch nicht mit dem Thema der Mobilitätswende und der Umstellung der betrieblichen Mobilität auseinandergesetzt haben, wird es höchste Zeit. Noch besteht die Chance, die Flotte zu elektrifizieren und von den staatlichen Förderungen zu profitieren. Eine Umrüstung auf Elektrofahrzeuge beziehungsweise alternative Antriebe ist angesichts des Verbrenner-Aus nahezu unumgänglich. Aus diesem Grund sind Fuhrparkund Mobilitätsverantwortliche dem Thema Mobilitätsmanagement zwangsweise verschrieben und eine Umgestaltung muss ausgearbeitet werden – besser gestern als heute.

Weitere Informationen:
www.mobilitaetsverband.de

 

AUTOR

MARC-OLIVER PRINZING gilt als einer der führenden Experten für Fuhrparkthemen. Der DiplomBetriebswirt und Leasingfachwirt hat jahrzehntelange Erfahrung in verschiedenen Führungspositionen und Aufgabenbereichen rund um das Fuhrparkmanagement. Er ist Berater, Dozent im Rahmen des berufsbegleitenden Ausbildungsgangs zum zertifizierten Fuhrparkmanager bei der DEKRA Akademie und nimmt einen Lehrauftrag für Flottenmanagement an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (Nürtingen/Geislingen) wahr. Seit Oktober 2010 ist er Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes Betriebliche Mobilität e. V. (vormals Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V.). Kernaufgabe des Verbandes ist, die fachlichen, betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Belange und Interessen der Mitglieder zu vertreten. Der Verband fördert den Erfahrungsaustausch seiner Mitglieder und bietet unterstützendes Know-how für das Mobilitäts- und Fuhrparkmanagement an.