PDF DOWNLOAD

Welches Mobilitätskonzept ist also nun das einzig wahre für Ihr Unternehmen? Da zitieren wir gerne den ein oder anderen Juristen mit: „Das kommt darauf an.“ Klar ist, dass unterschiedliche Unternehmen mit verschiedenen internen und externen Prozessen natürlich auch unterschiedliche Ansprüche an die Mobilität haben. Dennoch gibt es nunmal globale Trends, die man nicht verschlafen sollte. Wir wollen an dieser Stelle die jeweiligen Pro und Kontra-Argumente auflisten und so zu eine Entscheidungshilfe bieten.

Warum überhaupt Dienstwagen?
Zunächst einmal stellt sich ja die Frage, warum es die ganzen Dienstwagen überhaupt gibt. Oftmals ist das Fuhrparkbudget ja das zweitgrößte nach dem Personalbudget. Und hier ist auch schon die Verknüpfung: Das Dienstwagenprivileg ist im Ranking des Unternehmens tatsächlich ein meist fein austariertes Privileg, bei dem klar in der Car-Policy geregelt ist, ab welcher Funktion man welche Art Dienstwagen haben darf. Für die Personalabteilung ist die Car-Policy ein gutes bis notwendiges Instrument, qualifizierte Mitarbeiter anzuwerben. Denn wer keinen Dienstwagen zur Verfügung gestellt bekommt, müsste ansonsten deutlich mehr Bruttolohn haben, um den Vorteil des Dienstwagens zu kompensieren.

Natürlich gibt es auch Mitarbeiter im Unternehmen – beispielsweise die klassischen Außendienstoder Servicemitarbeiter – die auch aus beruflichen Gründen auf ein Fahrzeug angewiesen sind und die optionale Privatnutzung quasi nur „on top“ bekommen.

Generationenkonflikt
Immer mehr junge Mitarbeiter, ganz junge teils sogar noch ohne Führerschein, sind jedoch mit dem klassischen (Diesel-)Dienstwagen nicht mehr zu ködern. Sei es, dass sie in der Innenstadt wohnen und keinen eigenen Parkplatz haben oder dort automobile Mobilität für nicht sinnvoll halten, sei es, dass sie generell eher ökologischer eingestellt sind und Autos eher negativ sehen, zumindest den klassischen Verbrenner. Hier können batterieelektrische Fahrzeuge in der Car-Policy oder auch Mobilitätsbudgets helfen, die den Mitarbeiter berechtigen, ein gewisses Budget für verschiedene Mobilitätsformen monatlich auszugeben. Da ist dann sicher auch ein Carsharing-Fahrzeug dabei, denn ganz ohne Auto zu leben ist nicht in allen Lebenssituationen möglich. Auch die Aufnahme von Elektrofahrrädern oder Elektromotorrädern ist hier eine gute Maßnahme.

Elektromobilität
Elektrische Antriebe sind natürlich das Thema in deutschen Fuhrparks, bereits seit einigen Jahren. Die einen lieben sie und preisen sie als ultimative Maßnahme gegen den Klimawandel und umweltfreundliche Alternative, die anderen sehen niedrige Reichweiten, lange Ladezeiten und auch die Umstände, unter denen beispielsweise Lithium oder Kobalt aus der Erde gepresst werden. Die Frage ist, ob wir uns hier von der Abhängigkeit von russischem und arabischem Öl in die nächste Abhängigkeit von meist chinesischen Vorprodukten für die Batterieproduktion begeben (wollen).

Dennoch, der Umstieg auf Elektromobilität ist in der EU eine beschlossene Sache: Ab 2035 sollen in der EU keine Verbrenner mehr zugelassen werden, mit Ausnahme von solchen, die nachweislich nur – teures – synthetisches Benzin verbrennen, Liebhaberfahrzeuge quasi. Das ist bereits in 13 Jahren, also in wenigen „Leasingzyklen“ in der Flotte. Man darf erwarten, dass die Restwerte von Verbrennern spätestens ab 2030 deutlich sinken werden. Es ist also Zeit, sich mit der neuen Realität anzufreunden oder sich zumindest damit abzufinden. Ein Zurück wird es wohl nicht mehr geben.

Zeithorizont
In nur 13 Jahren sollen keine Verbrennerfahrzeuge in der Europäischen Union mehr neu zugelassen werden. Für traditionell wirtschaftende Fuhrparks, die ihre Fahrzeuge alle drei bis vier Jahre austauschen, sind das noch drei bis vier Ersatzzyklen, zumindest im Bereich Pkw. Nutzfahrzeuge werden oft auch sieben oder acht Jahre gefahren – da sprechen wir schon nur noch von zwei Ersatzzyklen. Da wie oben beschrieben zu erwarten ist, dass die Restwerte von Verbrennern in Richtung 2035 massiv sinken werden, sollte in diesem Jahrzehnt der wesentliche Umstieg zur Elektromobilität durchgeführt werden.

Das bedingt natürlich auch viel Kommunikationsarbeit mit den Mitarbeitern, bei denen oft noch Ängste bezüglich der Reichweite und der potenziellen Ladezeiten der batterieelektrischen Fahrzeuge zu nehmen sein werden. Ein guter Ansatz ist, Elektrofahrzeuge in den Pool aufzunehmen, damit die Mitarbeiter diese neue Antriebsart selbst testen und erfahren können. Dazu sollte dann auch kommuniziert werden, wie man mit batterieelektrischen Fahrzeugen am besten „tankt“: Das klassische Volltanken ist hier nicht zielführend, da die Ladeleistung um so schlechter wird, je voller die Batterie ist. Mutiges „Leerfahren“ auf 10 bis 20 Prozent und schnelles Nachladen auf 60 bis 80 Prozent ist hier die sinnvollere Vorgehensweise. Dazu muss aber das Mindset des Mitarbeiters sich ändern.

Alternativen zur Elektromobilität
Natürlich gibt es auch noch den Wasserstoff als Energieträger, der entweder direkt verbrannt werden kann oder eben in einer Brennstoffzelle zu Energie plus Wasser umgewandelt werden kann. Wasserstoffautos haben den großen Vorteil, dass die Tankvorgänge mit denen eines traditionellen Verbrenners vergleichbar sind: Es geht schnell und es wird ein „Brennstoff“ getankt. Traditionelles Volltanken ist kein Problem und frisst keine zusätzliche Zeit. Dafür ist Wasserstoff noch teuer und vor allem derzeit noch an wenigen Ladepunkten verfügbar. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Infrastruktur entwickelt. Wer jedoch ein Wasserstofffahrzeug lokal einsetzen kann und eine gut gelegene Tankstelle vor Ort hat, kann und sollte auch die wasserstoffbetriebene Mobilität ausprobieren.

Kaufen oder Leasen?
Ob Kauf oder Leasing ist ohnehin fast schon eine Glaubensfrage. In stürmischen Zeiten wie diesen, in denen die grundlegende Technologie sich schnell ändert, stellt sich aber auch für traditionelle Kauffuhrparks die Frage, ob Leasing mit einem festen Restwert nicht die bessere, weil risikoärmere Alternative ist. Denn während einer dreijährigen Nutzungsdauer kann sich technologisch derzeit sehr viel sehr schnell ändern, was die Restwerte massiv beeinflussen könnte.

Intelligente Wiedervermarktung
Wer dennoch lieber kaufen möchte, der sollte für die Wiedervermarktung noch mehr als früher auf multinationale Versteigerungsplattformen setzen, da die traditionellen deutschen Dienstfahrzeuge in anderen Ländern oft höhere Restwerte erzielen. Auch können künftig die „letzten“ Verbrenner außerhalb der Europäischen Union deutlich gefragter sein als innerhalb. Aber auch hier gilt: Ökologischer und ökonomischer ist oft eine längere Nutzung des Kauffahrzeugs.

Fazit
Generell sollten sich die Unternehmer und Unternehmen mit der Frage beschäftigen, welche Art der Mobilität sie den Mitarbeitern für berufliche oder auch private Zwecke zur Verfügung stellen wollen. Denn eins ist klar: Ohne Mobilität kein Business und ab einer gewissen Hierarchiestufe auch keine Mitarbeiter. Eine gut durchdachte Car-Policy, die Umweltgedanken, Antriebsart, Alternativen zum Dienstwagen, Kosten, der Motivationsfaktor bei der Mitarbeitergewinnung und auch das Reisezeitbudget im Blick behält, ist der erste Schritt in die richtige Richtung.