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Gregale – ein potenter Mittelmeerwind. Was könnte es treffenderes als Namensvorlage für ein neues Maserati-SUV geben? Immerhin statten die Italiener ihren Einsteiger-Alleskönner mit bis zu 530 Pferdestärken aus, und der pustet dann schon richtig durch. Ganz so stürmisch dürfte es für die meisten Dienstwagenfahrer nicht werden, denen das Glück eines Grecale vergönnt ist. Die ab netto 60.100 Euro teure Basisversion muss mit 300 PS auskommen, was aber auch keine ganz schlechten Aussichten sind. Werfen wir zunächst einen Blick auf die Optik: Der Grecale baggert mit vielen verführerischen Elementen. Ausdrucksstarke Scheinwerfer, markante Lüftungsdüsen und die feine Sicke in der Flanke wirken äußerst appetitanregend. Doch die am meisten charakteristische Stelle ist die C-Säule, deren Knick Markenfans bereits bei der aus der Feder Pietro Fruas stammenden Limousine Quattroporte I bewundern durften. Der Grecale ist also ein echter Maserati – das kann man aus der Design-Perspektive schonmal mit Fug und Recht sagen.

Doch Maserati steht für mehr, insbesondere für Sportlichkeit und Tradition. Und wer jetzt denkt, ein Vierzylinder gehe gar nicht, sollte dem Grecale eine Chance geben. Die Ingenieure haben ganze Arbeit geleistet. Der Zweiliter klingt so gar nicht schnöde, wie man vielleicht denken würde. Von sanft bis kernig hat der Zweiliter alles drauf – doch dazu später mehr. Der ist übrigens ein ziemliches Hightech-Aggregat. Um eine etwaige Anfahrschwäche zu eliminieren, gibt es neben dem konventionellen Abgasturbolader auch noch einen elektrischen Verdichter – dank 48 Volt-System besteht nämlich kein Problem bei der Energieversorgung. Und da wäre ja auch noch der Startergenerator. Im Boost wirken noch ein paar Zusatz-Newtonmeterchen auf die Kurbelwelle, um den Verbrenner zu unterstützen. Dafür wird im Schiebebetrieb rekuperiert, um den Stromspeicher wieder aufzuladen. Doch bisher ist das alles graue Theorie, der Praxistest steht ja erst noch aus. Also, einsteigen und den Starttaster auf dem Lenkrad antippen.

Dann verfällt der Vierzylinder zunächst in einen kultivierten Leerlauf, allerdings grummelt es schon leicht, wenn der rechte Fuß das ebenfalls rechte Pedal zur Einstimmung ein paar Millimeter Richtung Bodenblech zucken lässt. Das Aktivieren des Vorwärtstriebes gelingt per Tastendruck – statt Wählhebel gibt es hierfür eine säuberlich in die Mittelkonsole eingepasste Schalterleiste. Behutsam kriecht der 4,85 Meter-Liner los, böse wird er nur auf expliziten Befehl. Bitte den Schub nach vorn nur auf wirklich freien Abschnitten ausprobieren, denn die Einsteiger-Maschine schmettert den mit weniger als 1,9 Tonnen gar nicht so schweren Grecale ganz schön in die Horizontale. Bis 100 km/h gibt ihm das Werk nur 5,6 Sekunden, das waren vor nicht allzu langer Zeit veritable Supersportler-Werte. Und der Sound? Er unterhalt das längsdynamische Geschehen mal dezent-zurückhaltend, mal zornig schnaubend – aber nie vierzylindermäßig-langweilig. Hier haben die Klangarchitekten echt gut rangeklotzt. Generell ist die Grecale-Abstimmung ganz gut gelungen und lässt auch mal Kompromisse zu.

Und zwar geht es in erster Linie um den Kompromiss zwischen Komfort und sportlichen Gepflogenheiten. Der Grecale GT ist kein Haudegen, sondern in der Tendenz sanftmütig. Insofern macht es Sinn, dass der Maserati auf 19-Zolloder maximal (wie beim Testwagen) 20-Zoll-Alurädern anrollt. Die sehen schick aus und stellen einen ansehnlichen Restkomfort auf frostgeplagten Asphaltpisten sicher. Autobahnpassagen absolviert der Italiener sogar mit elegantem Nachschwung, während man sich an warmen Tagen optional kühle Luft auf den Allerwertesten pusten lassen kann. Wer in puncto Fahrwerkabstimmung möglichst keine Kompromisse eingehen möchte, sollte das 1.500 Euro teure Handling-Komfort-Paket ordern. Es enthält beispielsweise aktive Dämpfer sowie ein Sperrdifferenzial, um auf der kurven Landstraße auch mal angasen zu können. Mit straffem Chassis und präziser Lenkung umrundet das SUV Kehren durchaus flott – hierzu trägt auch der verhältnismäßig niedrige Aufbau (1,67 Meter) seinen Teil bei. Weitere 1.250 Euro (netto) bescheren dem Grecale sogar eine variable Luftfederung – empfehlenswert für Kunden, die auch öfter mal beladen unterwegs sind.

Und sonst? Eine weitere Überraschung hält der Italiener dann noch bereit – und zwar bezüglich Infotainment und Materialverarbeitung. Tatsächlich macht er große Digitalnerds glücklich mit schier nicht enden wollender Display-Oberfläche. Vor allem frappiert der 12,3 Zoll große Touchscreen mit seiner ultraschnellen Reaktion. Auch sind die Menüs intuitiv aufgebaut, so dass die komplexen Funktionalitäten des Grecale schnell durchdrungen sind. Schön auch, dass die Architekten den zentralen Monitor zweigeteilt ausgeführt haben – so bleibt immer beispielsweise ein Teil der Anzeige für die Kartendarstellung reserviert und ein anderer Teil eben für alltägliche Features wie die Steuerung der Klimatisierung. Auch das Kombiinstrument besteht natürlich aus reiner Anzeigefläche mit einer hohen Anzahl an Konfigurationsmöglichkeiten. Selbst die obligatorische Uhr im Bereich der Lüftungsdüsen funktioniert nicht mehr mechanisch, sondern arbeitet mit einer variablen Anzeige und informiert nicht zuletzt über die Himmelsrichtung oder die gerade auf die Passagiere einwirkenden G-Kräfte.

Apropos. Dass die menschliche Fracht im Grecale ganz wunderbar unterkommt, darf angesichts der Abmessungen kaum bezweifelt werden. Und einen nützlichen Touch hat er auch angesichts von über 1.600 Litern Kofferraumvolumen. Unbedingt an Bord sollte der aktive Tempomat – für Langstrecken-Nutzer kaum wegzudenken. Zumal die Maserati-Ingenieure sich ins Zeug gelegt und das Feature der assistierten Längsführung wirklich gut abgestimmt haben. Das SUV bremst so behutsam, wie es selbst geübte Fahrer kaum besser könnten. Bestellt man das netto 4.960 Euro Fahrassistenz-Paket Plus, gibt es nicht nur den adaptiven Tempomat, sondern automatisch abblendbare Außenspiegel, diverse automatisierte Bremszenarien, adaptive LED-Matrix-Scheinwerfer, Navigationssystem sowie Totwinkel-Assistent gleich dazu. Im regulären Assistenz-Paket zu 2.200 Euro netto verbergen sich Head-up-Display und der Elektroniklotse. Schön, wenn das Budget einen Grecale hergibt.