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Inzwischen dürften auch die letzten Zweifler eingesehen haben, dass die Ladeinfrastruktur in Deutschland auf einem guten Weg ist. Doch wie sieht es aus, wenn man die Grenze überquert? Es kommt darauf an. Man hat in unseren Nachbarländern mit verschieden gelagerten Problemen zu kämpfen. Da wäre einerseits der Ausbaustatus des Netzes selbst – andererseits geht es um die Akzeptanz von Ladeappsoder karten.

Selbst in den Niederlanden, einem der Musterländer für Elektromobilität, kann es zu Komplikationen kommen. Und sei es nur, dass die Apps zum Auffinden von Ladesäulen keine Punkte anzeigen, die man anfahren kann – hier gibt es kein Patentrezept. Der User sollte sich in den entsprechenden AppStores verschiedene Applikationen herunterladen und vor der Reise einfach mal ein bisschen herumprobieren, damit es vor Ort nicht zu bösen Überraschungen kommt.

Grundsätzlich ist es gut, die Ladesäulen vertrauter Anbieter aufzusuchen, die man auch zu Hause nutzt – denn diese sollten sich zu den gleichen Bedingungen freischalten lassen. Fastned beispielsweise, selbst auch in Deutschland mit vereinzelten Standorten im Rennen, wäre in den Niederlanden ein guter Partner. Ionity sowieso – der vor allem von der hiesigen Autoindustrie vorangetriebene Laderiese ist in ganz Europa aktiv.

Doch die Ladesituation in Europa ist äußerst unterschiedlich. Auch beim Europa-Spitzenreiter in puncto Elektromobilität, den Niederlanden, gibt es Unterschiede zu Deutschland: So gibt es dort zwar mehr Wechselstrom-Ladesäulen, aber durchaus nicht mehr Gleichstromsäulen – Einwohner und Fläche natürlich berücksichtigt.

Teilweise muss man sogar innerhalb fremder Länder mit eklatanten regionalen Unterschieden rechnen. Der ADAC hat beispielsweise herausgefunden, dass im beliebten Urlaubsland Italien der Norden für Elektroautos besser geeignet sei als der Süden. Auf der Brennerautobahn nach Tirol finden sich beispielsweise elf Raststätten mit Gleichstrom-Ladern, während man im Süden kämpfen muss. Allerdings hat sich der italienische Ladestromanbieter Enel X auf die Fahnen geschrieben, das Angebot massiv auszuweiten.

Besser sieht es in Österreich aus, wo es zumindest entlang der Fernstraßen alle 80 Kilometer Gleichstrom-Ladesäulen gibt. Man sollte sich vor Antritt der Fahrt aber genau erkundigen und entsprechende nationale Apps herunterladen, um gut gewappnet zu sein.

In Frankreich machen vor allem ländliche Regionen noch Probleme bei der Versorgung mit Ladestrom. Wechselstrom-Ladesäulen in den Großstädten stellen allerdings kein Problem dar, zumindest hinsichtlich der Verfügbarkeit – die Möglichkeit der Freischaltung steht auf einem ganz anderen Blatt.

Die kleine Schweiz ist mit einem Angebot von 700 Schnellladesäulen ganz gut aufgestellt im Zeitalter der Elektromobilität.

Das ebenfalls kleine Dänemark bietet ein Schnellladenetz von immerhin 200 Stationen, die teilweise mit ECoder Kreditkarte aktivierbar sind.

Generell gilt Skandinavien als Vorzeigeregion für Elektroautos. Das heißt aber nicht, dass man dort als Besucher die besten Chancen hat, Strom für seinen leeren Autoakku zu ergattern. Schweden ist beispielsweise gut aufgestellt bei städtischen Wechselstrom-Ladepunkten – die helfen aber auf der Durchreise nur bedingt. Dennoch beruhigend zu wissen, dass sich in Stockholm 5.000 Ladepunkte tummeln. Nur erst einmal muss man ja auch in Schwedens Hauptstadt gelangen.

Und das Elektroautoland schlechthin – Norwe- gen – besitzt zwar auch viele Ladepunkte. Aller- dings gibt es im Land auch so viele Elektroautos wie in keiner anderen europäischen Region, da kann es an der Ladesäule mal zu Schlangen kom- men.

Tendenziell schlecht sieht es in Ost-, Südostsowie Südeuropa aus mit der elektrischen Fortbewegung. Spanien bietet als großes Flächenland gerade einmal 5.000 Ladesäulen – hierhin sollten sich nur nervenstarke Profis mit länderübergreifend gültigen Ladekarten von Maingau oder Shell Recharge auf den Weg machen. Diese beiden sind bekannt dafür, über ein besonders großes Netzwerk in ganz Europa zu verfügen.

Griechenland beispielsweise kämpft mit einer Mischung an Problemen – die besteht aus wenigen, aber dafür teuren Ladesäulen.

In Kroatien mag man eher mal eine kostenlose Ladesäule finden, dafür ist das Gleichstrom-Angebot allerdings arg begrenzt. Noch jedenfalls. Die Kroaten sind natürlich dran.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Reisen mit dem Elektroauto ins Ausland zwar möglich sind, aber eine gute Planung erforderlich machen. Aber auch das wird zukünftig nicht mehr so relevant sein, denn der massive Ausbau der elektrischen Modellpalette seitens der Autohersteller gilt ja für das europäische Ausland genauso wie für Deutschland. Also bleibt den Ländern gar nichts anderes übrig, als das Ladenetz zeitnah massiv auszubauen.

Wer aber unbeschwert und ohne großartige Planung spontan einen EuropaRoadtrip unternehmen möchte und über kein starkes Nervenkostüm verfügt, sollte in den nächsten Jahren eher zum Verbrenner greifen. Ist ja auch kein Problem, denn Verbrenner werden ja noch einige Jahre gebaut.

Ein ganz entscheidender Punkt ist auch die Bezahlart. So sollte das Laderoaming erstens für ganz Europa und zweitens auch für alle Ladesäulentypen vereinheitlicht werden. Hierzulande müssen ab Juli nächsten Jahres alle neu aufgestellten Ladesäulen immerhin mit ECund Kreditkartenleser ausgerüstet werden, so sollte spontanes Laden besser funktionieren. Wäre auch eine Idee für ein europäisches Projekt.