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Flottenmanagement: Herr Gebhart, zuletzt hatten wir 2020 die Gelegenheit, mit Ihnen zu sprechen. Wie hat sich das Großkundengeschäft seitdem entwickelt, insbesondere vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie und der jüngsten Lieferketten-Problematiken? Wie schaut es aktuell mit der Lieferfähigkeit bei Mazda aus?

Felix Gebhart: In Summe können wir im Gewerbeund Großkundenbereich mit den Entwicklungen sehr zufrieden sein. So konnten wir 2021, dem ersten vollen Jahr meiner Tätigkeit als Direktor Vertrieb, das Volumen im gewerblichen Bereich im Vergleich zum Vorjahr um etwa 11 Prozent steigern. Dies ist umso bemerkenswerter, wenn man sich die Umstände anschaut, wie die Einschränkungen durch die COVID-19-Pandemie, nur ein Elektrofahrzeug und noch keinen Plugin-Hybrid im Portfolio. Wenn wir nun auf das aktuelle Kalenderjahr schauen, sind wir mit dem Kaufvertragseingang sehr zufrieden: Im Großkundenbereich stieg die Zahl der Kaufverträge um knapp 180 Prozent, das entspricht fast einer Verdreifachung, und im Gewerbekundenbereich hat sich die Zahl verdoppelt. Einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat der Mazda CX-60 als Plug-in-Hybrid, der einen beeindruckenden Vorverkauf hingelegt hat. Mit Blick auf die Zulassungen konnten wir trotz der angespannten Situation bezüglich der Verfügbarkeit eine Steigerung von 20 Prozent bei den Großkunden und 6 Prozent bei den Gewerbekunden per Ende Mai erzielen. Und wir gehen davon aus, dass sich die Lage bis zum Jahresende entspannt und damit sowohl die Verfügbarkeit als auch die Zulassungszahlen weiter steigen.

Flottenmanagement: Mazda bietet eine große Bandbreite an Modellen für den gewerblichen Fuhrpark, von Kleinwagen über Kompakt- und Mittelklasse bis zu SUV. Welches sind Ihre aktuellen Topseller im Flottengeschäft und in welche Richtung wird sich der Markt Ihrer Meinung nach entwickeln?

Felix Gebhart: Der bereits angesprochene CX-60 hat sich in den letzten drei Monaten von null auf Platz eins im Gewerbekundenbereich katapultiert. Dazu tragen sicherlich nicht nur die Leistungsparameter bei, sondern auch eine Anhängelast von bis zu 2,5 Tonnen, ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis und die Verfügbarkeit in diesem Jahr. Auf den Verfolgerplätzen reihen sich CX-5 sowie CX-30 ein, gefolgt vom MX-30. Sprich unsere Top 4 besteht ausschließlich aus Crossover-Modellen und erst dann geht es weiter mit den „klassischen“ Karosserieformen mit Mazda3, Mazda2 und Mazda6. Das zeigt natürlich, dass sich der generelle Trend in Richtung Crossover und SUV auch im Gewerbeund Großkundenbereich fortsetzt.

Flottenmanagement: Sie erwähnten es bereits: Der Run auf SUV scheint ungebremst, auf Kosten der klassischen Limousinen und Kombis. Wie ist Mazda hier aufgestellt, was sind Ihre Erfahrungen in der Flotte?

Felix Gebhart: Wir stellen einen massiven Shift in Richtung Crossover-Modelle fest, und das ganz unabhängig vom Kundensegment. Bei gewerblichen Kunden hat sicherlich der Wegfall der Dieselmotorisierung im Mazda6 dazu beigetragen, dass der CX-5 mit den weiterhin verfügbaren Dieselaggregaten profitiert hat. Aber wir merken natürlich, dass gerade bei Gewerbeund Großkunden, die vom Mazda6 Kombi auf den Mazda CX-5 Diesel wechseln, die Karosserieform am Ende eine untergeordnete Rolle spielt, wenn die Rahmenbedingungen wie ein effizienter Antrieb, die Marke an sich und auch das Produktportfolio überzeugen können.

Flottenmanagement: Mit dem MX-30 haben Sie ein rein elektrisches Fahrzeug im Portfolio, das demnächst noch einen Range-Extender erhalten soll. Zudem bieten Sie Mild-Hybrid-, Hybridwie auch Plug-in-Hybrid-Varianten für verschiedene Modellreihen an. Welche Strategie verfolgt Mazda im Bereich alternativer Antriebsformen?

Felix Gebhart: Unser erstes vollelektrisches Fahrzeug, der Mazda MX-30, ist mittlerweile bereits im dritten Jahr und erfreut sich in allen Kundensegmenten einer hohen Nachfrage. Die zweite Säule, wenn es um die Elektrifizierung geht, stellen die Plug-in-Hybride dar: Unser erstes Plug-in-Hybrid-Modell, der CX-60 Plug-in Hybrid, schlägt sich mit einem Gewerbekundenanteil von mehr als 50 Prozent extrem gut. Dabei eint natürlich alle hochelektrifizierten und rein elektrischen Fahrzeuge, dass sie von den Anreizen in Form von staatlichen Förderungen und auch den entsprechenden Vorteilen bei der Versteuerung profitieren. Jedoch muss man deutlich herausstellen, dass ein gewisser Elektrifizierungsgrad in all unsere Fahrzeuge Einzug hält, sei es in Form von Mild-Hybridoder VollhybridVarianten. Wenn wir in Richtung Anfang 2023 schauen, erwartet uns der Vorverkauf für den MX-30 mit Elektroantrieb mit zusätzlichem Kreiskolbenmotor und Generator. Er erweitert unser Portfolio an elektrifizierten Modellen nochmals. Kommend von der Perspektive der staatlichen Förderung, handelt es sich dabei um einen Plug-in-Hybrid: die Verknüpfung eines hocheffizienten Wankelmotors mit einem Elektroantriebskonzept. Damit trägt er den Bedarfen, die wir seitens unserer Kunden wahrnehmen, gleich in zweierlei Hinsicht Rechnung: Zum einen ist das Thema Reichweitenangst endgültig Geschichte, da er sich sehr schnell nachtanken lässt, und zum anderen werden weitere mögliche Einsatzszenarien, auch im gewerblichen Bereich, erschlossen. Bevor wir 2025 die „Skyactiv EV Scalable Architecture“, sprich unsere erste reine Elektrofahrzeug-Plattform, ausrollen, werden auf Basis der bisherigen „Skyactiv Multi-Solution Scalable Architecture“ weitere elektrifizierte Modelle und Varianten nach Deutschland und Europa kommen.

Für Mazda steht auch bei der Entwicklung neuer Antriebskonzepte im Vordergrund, Antriebstechnik, Fahrspaß und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang zu bringen. Das bedeutet, dass im Multi-Solution-Ansatz neben reinen Elektroantrieben auch hocheffiziente, mehr und mehr elektrifizierte Verbrennungsmotoren sowie Kreiskolbenmotoren berücksichtigt werden, denn nur so können wir auch zukünftig unterschiedlichen Anforderungen verantwortungsbewusst gerecht werden. So macht sich Mazda beispielsweise auch für das Thema E-Fuels und alternative Kraftstoffe stark, denn es geht nicht nur darum, wie man nach 2035 klimaneutral unterwegs sein kann, sondern auch darum, wie der Fahrzeugbestand sehr schnell klimaneutral betrieben werden kann.

Flottenmanagement: Auch einen Reihensechszylinder-Dieselmotor gibt es bald wieder bei Mazda, im Mazda CX-60. Welche Erwartungen haben Sie für diese Modelle der „Large Architecture“-Plattform in der Flotte?

Felix Gebhart: Ausgehend von dem Einsatzzweck und der bereits bestehenden hohen Nachfrage haben wir natürlich sehr hohe Erwartungen. Denn wir merken, dass einige Flotten dem Plug-in-Hybrid-Konzept den Rücken kehren, da die Realverbräuche – insbesondere bei langen Strecken – nicht annähernd die WLTP-Werte erreichen. Dies ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass ein solches Konzept seine Effizienz nur dann entfaltet, wenn das Fahrzeug regelmäßig geladen wird. Ein hocheffizienter Reihensechszylinder-Dieselmotor in der Kombination mit einer Karosserie, die wie geschaffen ist, um lange Strecken zu absolvieren, ist daher aus unserer Sicht die passende Lösung für alle, die ein effizientes, geräumiges Fahrzeug für lange Strecken mit großer Anhängelast wünschen.

Beim sogenannten e-Skyactiv D handelt es sich um einen komplett neu entwickelten 3,3-Liter-Reihensechszylinder-Dieselmotor, der unter anderem mit einem neuen Brennverfahren namens DCPCI (DistributionControlled Partially Premixed Compression Ignition) ausgestattet ist. Dadurch lässt sich neben Verbesserungen im Bereich Effizienz und Emissionen auch der thermische Wirkungsgrad auf über 40 Prozent steigern. Ergänzend unterstützt ein neues „48-Volt Mazda M Hybrid Boost“-System den Verbrennungsmotor und trägt zur exzellenten Fahrbarkeit und zu niedrigem Kraftstoffverbrauch bei. Dadurch erzielen wir in der 200-PS-Variante einen sensationell niedrigen WLTP-Verbrauch von 4,9 Litern und bei der 254 PS starken Variante von 5,3 Litern Diesel pro 100 Kilometer. Und da reden wir über ein Auto mit über 4,7 Metern Länge, Allradantrieb, Automatikgetriebe und einer Anhängelast von 2,5 Tonnen.

Flottenmanagement: Genauso wichtig wie die Modelle selbst ist für den Flottenkunden der Service drumherum, von Leasing oder Finanzierung über Wartungsund Rundumsorglos-Pakete bis hin zu Garantien und Ersatzmobilität. Wie ist Mazda hier aufgestellt? Was bieten Sie dem Fuhrparkkunden?

Felix Gebhart: Drehund Angelpunkt in der VorOrt-Betreuung auch von Flottenkunden ist unser Handelsnetz: Mit rund 420 Standorten sowie weiteren Service-Standorten stellen wir hier eine flächendeckende Betreuung sicher. Um den Belangen der Großkunden nachkommen zu können und diese bestens zu betreuen, wird das Handelsnetz durch drei Kollegen im Flotten-Außendienst unterstützt. Im Bereich der Leistungspakete bieten wir das klassische Full-Service-Leasing an, was gerade im gewerblichen Bereich weiterhin an Bedeutung gewinnt, und decken damit bereits einen Großteil der gefragten Leistungen ab. Falls Full-Service-Leasing nicht in Betracht kommt, können die Mazda-Produkte mit Mazda Care und Mazda Care Plus, sprich mit einer Wartungskostenabdeckung für bis zu fünf Jahre beziehungsweise bei Mazda Care Plus zusätzlich auch dem Ersatz von Verschleißteilen, kombiniert werden. All diese Services und Leistungen geben unseren Gewerbeund Großkunden Planungssicherheit, was gerade zurzeit eine enorm hohe Bedeutung hat. Daneben haben wir zum 1. April 2022 die 6-Jahres-Garantie gelauncht: Zunächst scheint dies vielleicht nicht für jeden Gewerbeund Großkunden aufgrund der Leasinglaufzeiten relevant zu sein. Jedoch hat diese verlängerte Garantie auch einen positiven Einfluss auf die Restwerte, was sich wiederum positiv auf die Total Cost of Ownership auswirkt.

Nicht zuletzt bieten wir in Kooperation mit E.ON Drive flexible Ladelösungen, die dafür sorgen, dass unsere Mazda-Modelle immer genug Energie haben, und das unabhängig davon, ob sie sich zu Hause befinden oder unterwegs sind. Die Ladelösungen umfassen neben Wallboxen fürs Elektroauto zu Hause und dem Zugang zu den E.ON-Ladestationen im öffentlichen Raum auch einen speziellen Ladetarif für Mazda-Fahrer.

Flottenmanagement: Die Lieferzeiten für Neuwagen sind ein großes Thema. Was bietet Mazda dem Flottenkunden, der auf seinen Neuwagen wartet, an Ersatzmobilität an?

Felix Gebhart: Zunächst muss ich vorwegnehmen, dass wir bei der Lieferfähigkeit gut aufgestellt sind. Das heißt, bezogen auf unsere aktuelle Modellpalette bewegen wir uns im Bereich von fünf bis acht Monaten Lieferzeit und dies konnten wir auch in den letzten anderthalb Jahren einhalten. Dennoch können wir gemeinsam mit der Mazda Finance im Falle eines Falles erst einmal eine stillschweigende Laufzeitverlängerung anbieten und darüber hinaus Vertragsverlängerungen von bis zu zwölf Monaten. Damit profitieren unsere Kunden weiterhin von der Planungssicherheit. Speziell für die Kunden beziehungsweise Interessenten des Mazda CX-60 Plug-In Hybrid haben wir aktuell eine Umweltbonusgarantie in der Kommunikation, auch bei Lieferung im Jahr 2023, sodass hier den Kunden unabhängig von etwaigen Lieferverzögerungen oder Lieferzeiten maximale Planungssicherheit gegeben ist.

Eine Auto-Abo Lösung, zur Überbrückung von Lieferzeiten, haben wir aktuell nicht im Angebot. Ob und wie wir uns im Bereich Auto-Abo aufstellen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar: Wir beobachten sehr genau den Markt und stellen uns natürlich auch die Frage, wie sich ein Angebot im Auto-Abo-Bereich auf die Verfügbarkeit von Kundenfahrzeugen auswirkt.

Flottenmanagement: Welches sind Ihre mittelund langfristigen Ziele im Flottenmarkt?

Felix Gebhart: Der gewerbliche Bereich, seien es nun Gewerbeoder Großkunden, wird auch zukünftig eine wichtige Säule für Mazda sein, auch in Bezug auf unsere Wachstumsambitionen. Welche Bedeutung dieser Bereich für uns hat, zeigt sich nicht nur durch das klare Bekenntnis zum Diesel, der auch weiterhin im CX-5 angeboten wird und gleichzeitig im CX-60 eine Reihe von Innovationen erfährt, sondern auch dadurch, dass wir sehr genau die Belange unserer gewerblichen Kunden berücksichtigen. Ein Beispiel hierfür ist die Plug-in-Hybrid-Variante des CX-60, welche mit ihrer Karosserievariante und den Leistungsdaten den Nerv der Zeit treffen, was uns auch die über 4.500 Einheiten im Vorverkauf bestätigen. Über die Hälfte entfällt dabei auf Gewerbeund Großkunden.