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Okay, man muss nicht unbedingt den schrillen Lackton „Sao Paulo Lime“ bestellen, wenn man möglichst unauffällig unterwegs sein möchte. Diesen Eyecatcher bietet Genesis für seinen GV60 an, und er sieht zugegebenerweise ziemlich scharf aus. Es gibt jedoch auch gedecktes Kolorit im Programm des Mittelklässlers, und beim Anblick einer der schlichten Lackierungen würde kein Nachbar der Welt auf die Idee kommen, den Koreaner für ein wie auch immer geartetes Performance-Fahrzeug zu halten. Dafür geht der Asiate als futuristisch durch, vor allem mit den reduzierten Kamera-Außenspiegeln. Und das in die Dachlinie hineindesignte „V“ darf getrost als V für „Volt“ aufgefasst werden – also als dezenter Hinweis darauf, dass der Genesis ein vollwertiges Elektroauto ist. Eines, das spacige Züge hat, wie man nach dem Entern schnell feststellt. Aktiviert man den GV60, fährt das Kristall-Wählrad für die Getriebestufen in einer interessant anmutenden Bewegung erst einmal in eine bedienfähige Position. Dann rasch auf „D“ geschaltet, und es kann losgehen.

Das sanfte Kriechen von der Parkposition auf die Straße womöglich bis zur nächsten Ampel ist ja noch ein harmloses Unterfangen. Und die ersten Kilometer durch geschlossene Ortschaften ebenso. Aber dann kommt das Schild mit dem durchgestrichenen Ortsnamen, das hier geradewegs in die Einsamkeit des hessischen Landlebens führt. Binnen Bruchteilen von Sekunden witscht das Fahrpedal Richtung Bodenblech bei eingeschaltetem Boost. Und dschumm! Jetzt reißen kumuliert 490 PS an den beiden Achsen des 2,1 Tonnen schweren Gefährts und lehren die menschliche Fracht, dass physikalische Kräfte durchaus einen Impact auf den Körper haben kann – aber auch auf die Seele. Das Spiel mit der negativen und positiven Beschleunigung macht ungeheuren Spaß und ist ein gutes Beispiel dafür, dass Elektromobilität eben doch emotional sein kann. Fun Fact am Rande: Steht der Fahrmodusschalter nicht gerade auf „Sport“, steigt die Drehmomentkurve sanft an, so, als habe der Genesis ein Turboloch. Auf diese Weise kommt doch noch ein Hauch von Verbrennerfeeling in das batterieelektrische Vehikel.

Und die Ingenieure haben das mit der Kühlperformance so richtig drauf. Wer Bedenken äußert, der Stromer könne nach ein paar wenigen Volllast-Einlagen an Leistung einbüßen, sei beruhigt – er ist absolut „leistungsfest“. Und er gehört mit einer werksseitigen Höchstgeschwindigkeit von 235 km/h zu den aktuell schnellsten Offerten in der „bürgerlichen“ Klasse – in der Realität gönnt man dem Allradler noch zehn km/h mehr. Schnell ist der GV60 auch beim Laden und schafft es dank 240 kW Ladeleistung, die 77 kWh-Batterie binnen 18 Minuten von zehn auf 80 Prozent Ladestand zu bringen. Mit netto 59.672 Euro liegt der Genesis noch im förderfähigen Bereich und wird mit 7.500 Euro bezuschusst. Serienmäßig ist alles, was gut und teuer ist – darunter auch unzählige Assistenten, elektrische Heckklappe, LED-Scheinwerfer, Navigationssystem, schlüsselloses Schließsystem und Tempomat. Interessant ist das netto 2.882 Euro teure Technik-Paket mit Head-up-Display, adaptiver Lichtverteilung und Rückfahrkamera mit 360 Grad-Perspektive.