PDF DOWNLOAD

Wie auch in den letzten Jahren zeigt sich in der Auswertung des Arval Mobility Observatory Fuhrpark-Barometers 2022, dass sich der Einsatz von vernetzten Diensten im Vergleich zum europäischen Durchschnitt auf einem niedrigen Niveau befindet. Lediglich neun Prozent der befragten deutschen Unternehmen setzen in ihren Fuhrparks Telematiklösungen ein. Damit liegt Deutschland weit unter dem europäischen Durchschnitt von 33 Prozent. Und das obwohl viele gute Gründe für die Nutzung vernetzter Fahrzeuge sprechen: die Ortung von Fahrzeugen, die Verbesserung der Fahrzeugsicherheit, die Optimierung der betrieblichen Effizienz, die Verbesserung der Fahrersicherheit und die Senkung der Flottenkosten.

Doch worauf ist dies zurückzuführen? Ein Grund findet sich bereits in der umfangreichen Bedeutung des Begriffs „Telematik“. Grundsätzlich beschreibt Telematik die Verknüpfung von mindestens zwei Systemen mithilfe von Telekommunikationstechnik. Welche Daten wie und in welchem Umfang zwischen den Systemen ausgetauscht werden, ist damit allerdings noch nicht beschrieben. Darin mag auch der Argwohn vieler Betriebsräte und anderer Skeptiker der Telematik liegen. Letztlich ist es also nur eine Frage der Aufklärung. Die Vorteile solcher Systeme für Flotten sind unbestritten, weiß Klaus Böckers, Vice President Nordics, Central and Eastern Europe bei Geotab: „Ein Telematiksystem hilft Ihnen, einen ganzheitlichen Überblick über Ihren Fuhrpark in Echtzeit zu erhalten. Durch die Erfassung der dynamischen Fahrzeugund Fahrerdaten sind Sie zu jeder Zeit in der Lage, schnellere und bessere Entscheidungen zu treffen und somit die Effizienz Ihrer Flotte zu optimieren. Gerade in der aktuellen Zeit bietet ein Telematiksystem viele Möglichkeiten, die Betriebsabläufe zu optimieren. Sei es durch eine optimierte Routenführung, um somit die eigene Produktivität zu steigern, oder um Einsparpotenziale, wie zum Beispiel beim Kraftstoffverbrauch, zu identifizieren.“ Dabei birgt Fahrzeugtelematik nicht nur Vorteile für Fuhrparkverantwortliche: „Ein klarer Vorteil von Telematik sind Echtzeitdaten des Fuhrparks. Diese helfen dem Fuhrparkverantwortlichen genauso wie dem Nutzer. Der Nutzer kann damit sein revisionssicheres Fahrtenbuch führen. Das Fahrtenbuch ist auch das meistangefragte Modul, wenn es um Telematik geht“, berichtet Clemens Herzig, Junior Sales Manager Mobility bei KEMAS. Handschriftlich geführte Fahrtenbücher vergangener Tage sind deutlich fehleranfälliger als digitale Systeme, was mittlerweile auch eine Vielzahl von Finanzämtern erkannt hat. Die Angst vor einer Manipulation des elektronischen Systems ist in der Praxis unbegründet. „Mit der Vimcar Fahrtenbuch App können Fahrer die getätigten Fahrten direkt nach Abstellen des Motors mit wenigen Klicks kategorisieren. Die finanzamtkonforme Fahrtenbuchführung ist somit im Handumdrehen erledigt“, erklärt Andreas Schneider, Geschäftsführer bei Vimcar. 

Neben dem Fahrtenbuch gibt es unzählige weitere mögliche Telematikbausteine, seien es nun die Fahrzeugdisposition, Fahrverhaltensanalysen, Fahrerkommunikation oder die Auftragsverwaltung. Laut Wolfgang Schmid, Director Central Region (DACH) bei Webfleet Solutions, muss das Thema Telematik allerdings weitergedacht werden: „Rationale Entscheidungen in Unternehmen und Fuhrparks basieren im besten Falle auf Daten. Der ‚Blick ins Fahrzeug‘ kann bei der Entscheidungsfindung weiterhelfen. Bereits heute erzeugen Fahrzeuge vermeintlich eine Unmenge an Daten. Sie bleiben jedoch meist ungenutzt. WEBFLEET bündelt diese Daten zu relevanten Informationen, auf deren Basis die Unternehmen ein klares Bild vom Status quo und von der Aktivität ihrer Flotte erhalten. Entscheidungen für die zukünftige Ausrichtung und die Planung der Digitalisierung bekommen eine fundierte Grundlage. Alle Maßnahmen lassen sich konsequent am Mehrwert ausrichten. Jedes Transportunternehmen kann die aufbereiteten Informationen nutzen, um drängende Fragen zu klären. Zum Beispiel zur Effizienzsteigerung, zum Fahrermangel, zur Elektrifizierung der Flotte oder zur Anpassung des ‚Fahrzeugmix‘. Aus der fundierten Datenlage ergeben sich zielgerichtete Antworten.“ Für Christoph Wiemuth, Leiter Business Development & Vertrieb bei der S-Tec GmbH, ist der Einsatz von Telematiksystemen für eine optimale Fahrzeugauslastung unerlässlich: „Nur mit den tatsächlichen Ist-Daten kann eine sinnvolle und zutreffende Planung beispielsweise der Fahrzeugvergabe stattfinden. Hierbei werden zum Beispiel Parameter wie die ‚estimated time of arrival‘ errechnet, um gegebenenfalls eine automatische Umbuchung bei Verspätung einzuleiten. Auch die Verfügbarkeit der Fahrzeuge kann somit gesichert werden (zum Beispiel: Ist das Fahrzeug ausreichend betankt?). Besonders häufig nachgefragt sind Module zur Poolwagenverwaltung (Corporate Carsharing) in Verbindung mit einer digitalen Führerscheinkontrolle und einem digitalen Fahrtenbuch. Erst ein ganzheitliches System bietet den vollen Effekt. Ein Prozess ist nur so stark wie die schwächste Stelle.“ 

Dabei spielt das Smartphone als Kommunikationsmittel eine immer wichtigere Rolle. Viele der Anbieter in unserer Übersicht haben angegeben, bereits eine Smartphone-Lösung im Angebot zu haben. So beschreibt Ulric E. J. Rechtsteiner, Geschäftsführer bei der AREALCONTROL GmbH: „Das Smartphone oder Tablet ist das ‚Fenster zu den Telematikdaten‘ und für moderne Telematiklösungen unabdingbar. Ob als Flottenmanager oder Fahrer, per App ist einfach vieles schnell ‚zwischendurch‘ erledigt.“ Doch das Smartphone bietet weitere Möglichkeiten, wie Dragan Milutinović, Product Manager mobilityONE SaaS bei Make IT Easy d.o.o., zu berichten weiß: „Das Smartphone kann als Ersatz für vorhandene Fahrzeugortungsgeräte verwendet werden. Daneben bietet es zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten durch die im Smartphone verbauten Sensoren, beispielsweise in Bezug auf Kosten und Verkehrssicherheit.“ Ohnehin ist ein Leben ohne Smartphone heutzutage kaum vorstellbar. Das gilt auch für den Telematikbereich. „Das Smartphone ist für den Flottenmanager oft der schnellste Weg, um seinen Fahrer zu erreichen. Das muss aber nicht immer über einen Anruf erfolgen. Neue Aufträge können einfach per Knopfdruck an die Fahrer-App gesendet werden, sodass nach Beendigung des aktuellen der nächste Auftrag direkt angenommen werden kann. Allerdings muss gleichzeitig auch die Verkehrssicherheit beachtet und gefördert werden“, erläutert Klaus Böckers von Geotab.

Das ungeheure Potenzial von Telematik wird auch dadurch verdeutlicht, dass immer mehr moderne Fahrzeuge ab Werk solche Systeme eingebaut haben. Dies liegt zum einen an der Zunahme automatisierter Fahrzeugtechnik, zum anderen aber auch an dem Wert der gesammelten Daten. Dennoch dürfte der Markt für unabhängige Anbieter in Deutschland nicht kleiner werden, wie Ulric E. J. Rechtsteiner von AREALCONTROL mitteilt: „Wir begrüßen die Herstellertelematik, da sie primär nicht den Wettbewerb verschärft, sondern Ergänzung und Erleichterung bietet. Deswegen sind wir zum Beispiel seit 2021 ein ‚Trusted Enabler‘ der Mercedes-Benz Connectivity Services GmbH (MBCS). Dies erspart allen Beteiligten Hardwareund Installationsaufwand und kann über Schnittstellen zuverlässig integriert werden. Für die End-User ist wichtig, dass die eigenen betrieblichen Anforderungen – marken-/herstellerübergreifend – in der Digitalisierung umgesetzt werden. Denken Sie an völlig gemischte Flotten wie in den Branchen Bau, Handwerk, Service und Transport/Logistik. Dort kommen häufig noch Sonderfahrzeuge hinzu, die ebenfalls in einer Plattform abgebildet werden müssen. Ergänzend wird oft Werkzeugund EquipmentTracking mit BLE-Tags (Bluetooth Low Energy) gefordert, um hochwertige Betriebsausrüstung zu tracken und automatische, permamente Inventuren durchzuführen.“

Die Einheitlichkeit der Daten ist einer der wichtigsten Gründe für eine externe (Dongle-)Lösung, erörtert Maximilian Drentschew, Head of Product Management – Connected Solutions: Value Streams bei der Continental Automotive GmbH: „Welche Daten eine integrierte Lösung liefert, unterscheidet sich von Fahrzeugmarke zu Fahrzeugmarke. Daher kann sich die Verfügbarkeit der Daten-Parameter vor allem bei einem Fuhrpark aus Fahrzeugen unterschiedlicher Fahrzeugmarken stark unterscheiden. Dabei geht es oft um Informationen zum Treibstoffstand oder Informationen zum nächsten Serviceintervall, die für Flotten von großer Bedeutung sind. Ohne diese einheitliche Datenbasis ist es sehr schwierig, für alle Fahrzeuge eine gleichermaßen professionelle Servicierung oder einen effizienten Betrieb zu ermöglichen. Hinzu kommt, dass für jede Fahrzeugmarke eine eigene Schnittstelle programmiert und gewartet werden muss, was weiteren Aufwand beziehungsweise höhere Kosten bedeutet. Darüber hinaus liefern die wenigsten Fahrzeuge mit Telematikausstattung ab Werk eine textuelle Beschreibung zu Fahrzeugfehlercodes, was eine Fehlerbildanalyse erschwert. Ein externer Dongle, wie der RVD-Dongle von Continental, liefert Fahrzeugdaten in standardisierter Form und vielfältige Fehlerbeschreibungen. Das bedeutet demnach für Flottenbetreiber nicht nur mehr Möglichkeiten und Vergleichbarkeit, sondern vor allem auch (Planungs-) Sicherheit.“ Das heißt natürlich nicht, dass Herstellertelematik schlechter sei als die Angebote von Spezialisten. Zumal viele Telematikanbieter beispielsweise auch als Zulieferer für die Automobilbranche in diesem Bereich tätig sind und somit die gleiche Technologie zum Einsatz kommt. Der Aftermarket von Telematiklösungen spricht im Vergleich zur Herstellertelematik einfach eine andere Zielgruppe an. Mehrmarken-Flotten mit vielen unterschiedlichen Fahrzeugen und ständig wechselnden Fahrern werden nicht umhinkommen, externe Lösungen, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, zu suchen.