PDF DOWNLOAD

Die Stimmen werden mehr und lauter, die Alternativen zum klassischen persönlich zugeordneten Dienstwagen fordern, unter anderem, um das Erreichen der Klimaschutzziele im Verkehrssektor realistischer zu gestalten. Denn der deutsche Pkw-Markt ist geprägt von Dienstwagenzulassungen, bei denen aufgrund steuerlicher Privilegien die Wahl von emissionsintensiven Fahrzeugen nicht unbedingt ausgebremst wird. Alternativen könnten eine Verlagerung auf klimafreundliche Verkehrsmittel bewirken beziehungsweise die Zahl der großen Dienstwagen verringern, wenn das Mobilitätsbudget ein Downsizing plus ergänzende Verkehrsmittel beinhaltet. Im November 2021 hat das Bündnis aus Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, Allianz pro Schiene, Bundesverband Zukunft Fahrrad und Bundesverband CarSharing Unternehmen öffentlich dazu aufgerufen, verstärkt Mobilitätsbudgets in ihr Mobilitätsmanagement aufzunehmen. Mobilitätsbudgets bündeln die Nutzung eines Dienstfahrrads, Jobtickets für den ÖPNV, der BahnCard und ein flexibles Budget für Taxifahrten oder Car-, Fahrrad- und E-Scooter-Sharing mittlerweile häufig in einer digitalen Lösung, sodass die Mobilitätsangebote flexibel ausgewählt und kombiniert werden können. Zudem stellt das monatlich verfügbare Budget durchgängig Mobilität sicher, auch im Falle von Lieferzug bei bestellten Fahrzeugen.

Noch bieten lediglich zwei Prozent der Unternehmen ihren Mitarbeitenden ein solchen monetären Verfügungsrahmen an. Als Hemmschuh für eine weitere Verbreitung gilt der höhere personelle und finanzielle Aufwand beim Umstieg. Doch auch die Zahl an Dienstleistern vergrößert sich, die Unternehmen bei der Umstellung unterstützen können. Durch automatisierte und gut kalkulierund planbare Lösungen als Appoder Softwareanwendung reduziert sich der Verwaltungsaufwand, Belege für Fahrten müssen nicht papierhaft eingereicht werden zur Abrechnung, einscannen genügt. Wichtig bleibt vor allem die Frage nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit. Alle Firmenwagen lassen sich in der Regel nicht durch ein Mobilitätsbudget ersetzen. Aber auch hier gilt der Nachhaltigkeitsgedanke: Nur wegen eines vertraglich vereinbarten Anrechts auf einen Dienstwagen bedeutet das nicht, dass dieser auch angemessen genutzt wird. Und stehende Fahrzeuge belasten das Budget ohne Nutzen zu stiften. Darüber hinaus verleiht man den pendelnden Mitarbeitenden mehr Flexibilität und Selbstständigkeit in Bezug auf ihren Arbeitsweg, indem sie unterschiedliche Verkehrsmittel in Abhängigkeit von Wochentag und Tageszeit nutzen können.

Wenn die Voraussetzungen im Unternehmen stimmen, das Angebot von Dienstwagen durch das Angebot eines Mobilitätsbudgets zu ersetzen, sollten die Rahmenbedingungen abgesteckt werden. Sinnvoll ist, dies in der Car-Policy oder in einer Mobility-Policy festzuschreiben: Wer kann es für welche Fahrten in Anspruch nehmen und in welcher Höhe? Das steht jedem Unternehmen frei. Bei dienstwagenberechtigten Personen kann die Referenzrate des ihnen zustehenden Fahrzeugs als Anhaltspunkt genommen werden. Will das Unternehmen mit dem Mobilitätsbudget Einsparungen erreichen, lässt sich die Summe auch unterhalb der Referenzrate ansetzen. In welchen Stufen es angeboten wird, hängt davon ab, wie viele Mitarbeitende davon profitieren können sollen beziehungsweise damit motiviert werden sollen, mit alternativen Verkehrsmitteln als dem Auto zum Arbeitsplatz zu gelangen. Somit lassen sich mehr Mitarbeitende als nur die dienstwagenberechtigten erreichen und die Unternehmensmobilität beziehungsweise deren Klimabilanz steuern. Weitere Überlegungen betreffen die Verwendung von Restbeträgen, die am Ende des Monats überbleiben. Dafür gibt es ebenfalls verschiedene Szenarien, die eine Firma durchspielen sollte, um die bestmögliche Lösung zu erhalten. Eine wäre, die private Nutzung von Restbeträgen zu gestatten, um besonders sparsamen Umgang mit Mobilität zu belohnen. Eine andere, das nicht verbrauchte Budget in ausgesuchte Nachhaltigkeitsprojekte zu investieren.

Bleibt noch die Frage der Versteuerung. Hier wird es komplex, da unterschiedliche Konzeptionen des Mobilitätsbudgets oder auch je nach Verkehrsträger eine unterschiedliche Besteuerung mit sich bringen. Wird das Geld aus dem Mobilitätsbudget in ein Jobticket gesteckt, fallen keine Steuern an. Ebenfalls bei der Nutzung eines Dienstrads, wenn das Mobilitätsbudget einem Gehaltsextra und nicht einer Gehaltsumwandlung entspricht. Mobilitätsbudgets als Sachbezug, etwa in Form von Prepaidkarten, werden niedriger besteuert als eine Gehaltsauszahlung. In Bezug auf die infrage kommende Ausgestaltung eines Mobilitätsbudgets und dessen Versteuerung sollten Unternehmen und auch Arbeitgeber besser eine steuerrechtliche Beratung in Anspruch nehmen.

Fazit: Das Angebot eines Mobilitätsbudgets entspricht dem derzeitigen Zeitgeist von individuellen Gestaltungsmöglichkeiten der Mobilität, Nachhaltigkeit und Motivation. Auch der Dienstwagen wird damit nicht ausgeschlossen, dafür um Alternativen ergänzbar. Das klingt doch, als wäre es eine Überlegung wert.


 

Checkliste Voraussetzungen für die erfolgreiche Einführung eines Mobilitätsbudgets: 
• ausreichend Dienstwagen, die ersetzbar sind 
• geografische Lage des Standorts mit Mobilitätsalternativen 
• interne Kommunikation zum Projekt 
• Einbeziehung der Mitarbeitenden / des Betriebsrats, Begleitung während des Projekts 
• Sicherstellung rechtssicherer Belegerfassung und steuerrecht- lich korrekter Abrechnung 
• Abfrage zu präferierten Mobilitätsangeboten 
• Zugang zu diversen alternativen Mobilitätsangeboten