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Flottenmanagement: Herr Büscher, im Gastkommentar der Ausgabe 1/2022 unseres Magazins hatten Sie bereits von einem Wandel im Mobilitätsverhalten gesprochen. Können Sie ein paar Beispiele hierfür nennen und beschreiben, wie sich diese Veränderungen auch auf die Prozesse sowie Services der akf servicelease ausgewirkt haben?

Holger Büscher: Wenn wir zunächst einmal den Bereich des klassischen Fuhrparks ansehen, dann ist das Thema Elektromobilität schlicht und ergreifend angekommen. Das sieht man nicht nur an den Zulassungszahlen, sondern es gibt auch keine Kundengespräche mehr, in denen die Elektromobilität beziehungsweise die Transformation zu einer nachhaltigeren Flotte nicht thematisiert werden. Spannend dabei ist, dass solch eine Transformation meist nicht geradlinig verläuft, sondern auf ihrem Weg aufgrund von äußeren Einflüssen angepasst werden muss: Das können Änderungen beziehungsweise das Auslaufen von Förderungen und Subventionen, modernere Technologien, Lieferengpässe et cetera sein. Dies kann man nicht zuletzt an der Diskussion zur Förderung der Plug-in-Hybride (PHEV) aktuell beobachten. Das bedeutet oftmals, dass Kunden, die längere Zeit über PHEVs nachgedacht haben, diese überspringen und gleich auf batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) umschwenken. Und just in diesem Moment kommt auch noch die Lieferproblematik für Fahrzeuge allgemein sowie bei Ladeinfrastrukturen hinzu. Sprich diejenigen, die ihren Fuhrpark umstellen wollen, stehen vor neuen Herausforderungen.

Für uns in der akf servicelease bedeutet dies natürlich, dass wir unsere Kunden nicht nur bei der Transformation unterstützen, sondern auch dafür sorgen, dass die Mitarbeitenden unserer Kunden weiterhin mobil gehalten werden. Das geschieht über klassische Mittel wie die Anpassung des Leasingvertrags, aber auch über Produkte aus den Bereichen Langzeitmiete und Auto-Abo. Spannend hierbei ist, dass die PHEVs in vielen Gesprächen keine Rolle mehr spielen: Kunden warten lieber, bis vollelektrische Fahrzeuge zur Verfügung stehen, und nutzen währenddessen andere Möglichkeiten die Belegschaft mobil zu halten. Dies beschränkt sich dann nicht nur auf das Auto, sondern umfasst andere Mobilitätsformen wie beispielsweise Fahrräder in der Gehaltsumwandlung oder auch ÖPNV-Angebote. Das sind alles Elemente, die wir anbieten können und die auch enorm nachgefragt werden. Unterm Strich heißt das für die betriebliche Mobilität, dass mehr denn je Flexibilität und Variabilität gefordert ist.

Flottenmanagement: Welche Auswirkungen auf den Mobilitätsbereich haben/hatten die COVID-19-Pandemie sowie die Auseinandersetzungen in der Ukraine? Welche Mobilitätsformen erhielten hierdurch einen Schub und worauf ist dies zurückzuführen?

Holger Büscher: Die COVID-19-Pandemie mit den Lockdowns und Kontaktbeschränkungen hat zunächst einmal dazu geführt, dass allgemein weniger gefahren wurde. Sprich, die Kilometerlaufleistungen sind gesunken. Das hatte den Effekt, dass die Elektromobilität einen Schub erfahren hat, da eine vermeintliche Reichweitenproblematik nicht mehr bestand. Die Forcierung auf Elektromobilität war und ist dabei umso größer, wenn die Dienstwagenberechtigten in der Lage sind, zu Hause zu laden (Charge@Home), und das Fahrzeug sich die längste Zeit auch dort befindet. Wenn wir nun auf 2021 schauen, haben sich die Kilometerlaufleistungen wieder stabilisiert. Für 2022 deutet überraschenderweise alles darauf hin, dass die Kilometerlaufleistungen auf Vor-COVID-19-Niveau steigen. Jedoch ist alles im Moment der Lieferkettenthematik unterstellt. Das bedeutet, dass momentan eine hohe Nachfrage in allen Segmenten besteht: Seien es Elektrofahrzeuge, Gebrauchtwagen, Fahrzeuge in der Langzeitmiete oder Auto-Abos. Die hohe Nachfrage in diesen Segmenten bei gleichzeitiger Lieferkettenthematik führt aber gleichzeitig dazu, dass andere Mobilitätsformen häufiger genutzt werden. Sprich, es wird nicht mehr für jeden Weg das Auto genommen, sondern Wege werden mit dem Rad erledigt und/oder es wird häufiger das Verkehrsmittel gewechselt.

Flottenmanagement: Die gewerblichen Zulassungszahlen des vergangenen Jahres zeigen, dass Elektromobilität längst keine Randerscheinung mehr ist. Wie können Sie Flottenkunden beim Einstieg in die Elektromobilität unterstützen?

Holger Büscher: Derzeit haben wir ein relativ aufwendiges Projekt zur Elektrifizierung von Flotten mit Vorwerk in der Umsetzung. Dabei geht es einerseits darum, wie elektrische Fahrzeuge in der Car-Policy eingebunden werden müssen, dass sie auch abgerufen werden. Das heißt beispielsweise, dass die nicht vertriebsaktiven Einheiten ein elektrisches Fahrzeug nehmen müssen und gleichzeitig dafür Sorge getragen wird, dass diese Fahrzeuge auch geladen werden können. Für uns bedeutet dies gleichermaßen, dass Charge@Home so schnell wie möglich verfügbar sein soll; inklusive Arbeitgeberzuschüssen, Auswahl der Ladeinfrastruktur und Abrechnungssystemen. Charge@Work ist momentan noch mit vielen Fragezeichen behaftet, denn es geht unter anderem um Eichrechtskonformität, Haftungsfragen, Strommenge und -art. Die sehr vertriebsaffinen Mitarbeitenden sind hiervon erst einmal ausgenommen, da wir der Meinung sind, dass BEVs bei 40.000 Kilometern und mehr Jahreslaufleistung noch schwierig sind. Die Erkenntnisse, die wir aus diesem Projekt gewinnen, stellen wir natürlich auch all unseren Kunden zur Verfügung. Andererseits zeigt sich hier bereits, dass nicht nur das Fahrzeugangebot und die Integration der Elektrofahrzeuge in die Car-Policy eine Rolle spielen, sondern es geht um Ladeinfrastruktur, Abrechnungssysteme und auch die Analyse sowie die Beratung hinsichtlich des Fahrverhaltens. Und hier stehen wir als kompetenter Partner unseren Kunden zur Seite.

Gleichermaßen zeigt sich, dass man bei der Transformation zur Elektromobilität extrem flexibel reagieren muss und auch die Bereitschaft haben muss, etwas einzuführen, was möglicherweise drei Monate später durch etwas Moderneres und Effizienteres ausgetauscht werden soll. Deswegen ist auch die Vernetzung mit Digital Natives und Start-ups, wie in meinem Gastbeitrag geschrieben, von enormer Bedeutung. Denn diese bringen die Innovationen in den Bereich, was wir seitens der akf Gruppe zukünftig auch in einer eigenen Unit unterstützen werden, welche die Start-ups bei der Finanzierung begleitet. 

Flottenmanagement: Kurze Entfernungen zum Arbeitsplatz und gutes Wetter verleiten den einen oder anderen Mitarbeitenden auch dazu, den Firmenwagen stehen zu lassen und sich stattdessen auf das Fahrrad zu schwingen. Wie können Sie Unternehmen unterstützen, Diensträder in deren Mobilitätskonzepte zu integrieren?

Holger Büscher: Die akf servicelease möchte noch viel stärker den Gesamtbereich Mobilität abdecken, zu dem auch das Fahrrad gehört. Für uns ist das Fahrrad aus verschiedenen Gründen eine ideale Produktergänzung: Zum einen ist es für uns schwierig, ab 2023 für Verbrenner nach drei oder vier Jahren noch einen Restwert zu übernehmen. Zum anderen gibt es unter dem Gesichtspunkt der Environment Social Governance (ESG) kaum eine nachhaltigere Mobilitätsform als das Fahrrad – abgesehen vom Laufen. Und nicht zuletzt steht das Thema Nachhaltigkeit auch beim Vorwerk Konzern an oberster Stelle. Dabei ist das Modell Fahrrad in der Gehaltsumwandlung für uns besonders spannend: Denn jeder Kilometer, den ich auf dem Rad zurücklege, wirkt sich positiv auf die CO2-Bilanz des Unternehmens aus. Bei der Gehaltsumwandlung gibt es auch kein entweder Dienstwagen oder Dienstrad, sondern wenn 20 oder 30 Prozent der Fahrten der Belegschaft mit dem Fahrrad absolviert werden, ist das ein Äquivalent von 20 bis 30 Fahrzeugen, die nicht mehr fahren. Hinzu kommt, dass ein Fahrrad – wie zuvor erwähnt – ein ideales Mittel der Mitarbeitendenbindung sowie des -recruitings ist und zugleich – belegt durch Studien – auch die Gesundheit fördert. Für den Mitarbeitenden hat es natürlich auch Vorteile: So bekommt er ein Fahrrad im Schnitt 30 bis 40 Prozent günstiger als normal und es steht ein leistungsstarkes Versicherungsprodukt dahinter, welches Vollkaskoversicherung und Mobilitätsgarantie beinhaltet. Daher haben wir just in diesen Tagen gemeinsam mit einem Kooperationspartner ein entsprechendes Angebot geschaffen. Und wir gehen in unseren Planungen davon aus, dass Fahrräder 2024 oder 2025 mehr als 50 Prozent unseres Portfolios ausmachen. Das verändert die Gesellschaft einmal ganz und ich finde in eine gute und nachhaltige Richtung.

Flottenmanagement: Insbesondere durch die COVID-19-Pandemie hat die Digitalisierung in allen Facetten des Lebens eine Beschleunigung erfahren. Welche Herausforderungen ergaben sich hierdurch für die akf servicelease und wie sind Sie damit umgegangen? 

Holger Büscher: Wir sind bereits im März 2020 in eine Art Probelauf gegangen und haben alle Mitarbeitenden nach Hause geschickt, um zu überlegen, was die Digitalisierung mit uns als Gruppe macht. Das heißt, wir haben sehr früh damit angefangen, auch Videokonferenzen durchzuführen, zunächst zwischen den Geschäftsführern, später ausgerollt auf alle Mitarbeitenden. Das hat alles erstaunlich gut funktioniert und natürlich den Digitalisierungsprozess massiv vorangebracht. Jedoch hört die Digitalisierung bei uns jetzt nicht auf, sondern wir überprüfen jeden Prozess dahin gehend, ob sich dieser digitalisieren lässt und in welcher Weise. Da, wo wir nicht sofort eine API (Application Programming Interface) zur Verfügung stellen können, arbeiten wir mit Robotern. Die Roboter stellen dabei eine Art Übergangsdigitalisierung dar und sollen die Mitarbeitenden vor allem bei Routinearbeiten entlasten. Das heißt, diese kommen beispielsweise im Bereich der KfzSteuerabwicklung, dem Fahrradleasing oder der Vertragsverarbeitung zum Einsatz. Dadurch ist es uns zum Beispiel möglich, bis zu 300 Verträge am Tag zu bearbeiten, und das auch am Wochenende.