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Mobilitätsmanagement bedeutet, die integrierten Mobilitätsanforderungen eines Unternehmens strategisch zu planen und flexibel zu steuern. Prinzipiell geht es dabei um die gesamte Unternehmensmobilität. Eingeschränkt auf den Teil der betrieblichen Mitarbeitermobilität sind neue Themen und Aspekte auf der Agenda, wie zum Beispiel Mobilitätsbudgets, neue Mobilitätskonzepte, Arbeitswege und das Travelmanagement. Es geht um jegliche durch Mitarbeiter:innen ausgelöste Mobilität – und um die private Mobilität, da Unternehmen hier gefordert sind, attraktive Lösungen bereitzustellen.

Die enge Verzahnung von Fuhrparkund Travelmanagement ist mehr und mehr erforderlich und bei einem integrierten Gesamtkonzept zu betrachten. Beide Bereiche vereinen Ziele wie Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Bedarfsgerechtigkeit, Kostentransparenz, Motivation und Sicherheit. Mittlerweile bietet sich Unternehmen im Hinblick auf das Mobilitätsmanagement der Mitarbeiter:innen eine Vielzahl von Möglichkeiten. Von Diensträdern über Jobtickets und Homeoffice bis zu Dienstwagen als Teamfahrzeug ist nahezu alles möglich.

Eine zentrale Aufgabenstellung für das Mobilitätsmanagement ist, zu klären, welcher tatsächliche Mobilitätsbedarf gegeben ist. Zwischen Bedarf und Bedürfnissen Einzelner bestehen himmelweite Unterschiede. Nicht zu vergessen: Bei der Ausrichtung der Mobilität sollte auch die Frage des Verzichts auf Mobilität kritisch eingebunden werden. Nicht alle Wege sind erforderlich. Eingesparte Kilometer haben eben auch eine sehr nachhaltige Wirkung.

Viele Dinge müssen heute auf den Prüfstand. Hierzu gehört die Dimensionierung und Art der Mobilitätsmittel genauso wie die Frage der Nutzungsdauer und -arten. Sprich: Muss ein Wechsel von Fahrzeugen wirklich im Dreijahresrhythmus erfolgen, wie in vielen Fällen gewohnt? Kann durch eine Reduzierung der Wegstrecken nicht auch die Nutzungsdauer verändert werden? Reine Elektrofahrzeuge sind länger sinnvoll nutzbar, zumal bei längerer Nutzung Nachhaltigkeitseffekte eintreten, Stichwort: Gesamt-CO2-Bilanz. Es gibt viele Fragen, die wir in der Zukunft beantworten sollten. Die Frage nach dem „Wie“ wird dabei sicher differenzierte Antworten erfordern.

Mobilitätsmanagement im Fokus 
Dass das Mobilitätsmanagement eine zentrale Rolle in Unternehmen und deren Fuhrparks einnimmt, hat der Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V. schon länger erkannt und sich schon lange um mehr als nur Fuhrparkthemen gekümmert. Der Vorstand hat intensiv an einer Neupositionierung gearbeitet, um die schon gelebten inhaltlichen Schwerpunkte und die veränderte strategische Ausrichtung auch nach außen zu tragen. Mit der Neupositionierung geht nun auch eine Umbenennung des Verbandes einher: Der Fuhrparkverband wird zum Mobilitätsverband und trägt von nun an den Namen Bundesverband Betriebliche Mobilität e. V. (BBM). Inhaltlich kümmert sich der Verband schon seit vielen Jahren um alle Themen der betrieblichen Mobilität. Die Änderung des Namens ist eine konsequente Entscheidung, die die Neupositionierung des Verbandes für die Zukunft unterstreicht. Auch wenn der Fuhrpark weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird, geht es zusätzlich um die Gestaltung einer ökonomisch und ökologisch nachhaltigen betrieblichen Mobilität in jeglicher Form. Mit der Neupositionierung werden sich die Aufgaben des Verbandes aber nicht ändern. Auch weiterhin behält der BBM alle Themen rund um den Fuhrpark im Blick und setzt sich für die Belange der Mitglieder auf allen Ebenen ein. Eine wesentliche Aufgabe besteht neben der Unterstützung mit Know-how darin, bei politischen Belangen die Stimme der Fuhrparkund Mobilitätsbranche zu bilden, um Veränderungen anzustoßen und mitzugestalten.

Sich mehr mit der Mobilität im Unternehmen auseinanderzusetzen ist unumgänglich. Ein gutes und durchdachtes Mobilitätsmanagement ist nicht nur zeitgemäß, sondern bringt Unternehmen viele Vorteile auf verschiedenen Ebenen. Im Hinblick auf die Mitarbeiter:innen reduzieren sich die Mobilitätskosten für den Arbeitsweg und je nach Mobilitätsmittel verbessern sich die Fitness und Gesundheit, Motivation und Zufriedenheit. Gleichzeitig kann das Unfallrisiko reduziert werden. Unternehmen können vor allem von geringeren betrieblichen Mobilitätskosten und auch von einer Verringerung des Stellplatzbedarfs profitieren. Das bedeutet gleichzeitig eine Einsparung der Kosten für Bau, Anmietung und Unterhalt von Stellplätzen. Da für viele Mitarbeiter:innen ein angemessener Mobilitätsmix und eine Auswahl von Mobilitätsmöglichkeiten bei der Arbeitsplatzsuche zum Standard gehören, erhalten Unternehmen mit einem geeigneten Mobilitätsmanagement bessere Chancen bei der Suche nach Fachkräften. Gleichzeitig verbessert sich das Firmenimage. Mit der Umstellung der Mobilität im Unternehmen kann man zusätzlich einen positiven Nebeneffekt für die Umwelt erzielen und zur Mobilitätswende beitragen. Durch eine Verringerung der Mobilität mit dem Pkw reduzieren sich beispielsweise die verkehrsbedingten Umweltund Klimaeinflüsse und der Verbrauch fossiler Energieträger.

Angemessene Planung ist das A und O 
Um ein angemessenes Mobilitätsmanagement im Unternehmen zu etablieren, ist eine genaue Planung und Analyse des Bedarfs nötig. In einem ersten Schritt sollte immer die Analyse des Ist-Zustands angesiedelt sein. Dazu gehört eine Bestandsaufnahme der jetzigen Mobilität im Unternehmen, um später entscheiden zu können, welche Maßnahmen und Mobilitätsmittel benötigt werden. Zudem sind Fragen wichtig wie „Wie viele Beschäftigte benutzen welches Verkehrsmittel auf dem Weg zur Arbeit? Wie viele Stellplätze gibt es auf dem Verkehrsgelände? Wie ist deren Auslastung? Wie ist die Erreichbarkeit des Standortes mit verschiedenen Verkehrsmitteln?“. Im Hinblick auf die ökologische Verantwortung eines Unternehmens sollte außerdem geprüft werden, ob Dienstwagen durch Pkw mit alternativen Antrieben ersetzt werden können beziehungsweise ob Dienstwagen überhaupt noch benötigt werden.

Um den genauen Mobilitätsbedarf abzudecken, ist es ratsam, mit Mitarbeiter:innen Gespräche zu führen. Es ist sowieso sinnvoll, von Anfang an offen in der Kommunikation hinsichtlich der Veränderungen im Mobilitätsmanagement zu sein, um Akzeptanz zu schaffen. Veränderungen werden häufig nur ungern angenommen. Wenn der Sinn dahinter bekannt ist, fällt es allerdings leichter. Nach der konkreten Analyse sollte sich die Konzeption des Projekts anschließen, in der Ziele formuliert und konkretisiert werden. Darauf aufbauend können Maßnahmen entwickelt werden, die nötig sind, um die Ziele zu erreichen. Ist die Planung abgeschlossen, dann geht es an die Umsetzung. Bei der Umsetzungsphase ist es wichtig, zu überprüfen, wie die Maßnahmen ankommen und ob alles so funktioniert wie geplant. Anschließend folgen Überprüfung und Verstetigung, sofern die Maßnahmen erfolgreich sind. Ansonsten muss eine Anpassung stattfinden. Es ist in jedem Fall wichtig, das Mobilitätskonzept an die Bedürfnisse des Unternehmens und der Mitarbeiter:innen anzupassen. Denn Mobilitätsmanagement kann nur funktionieren, wenn die verantwortlich handelnden Mitarbeiter:innen das wirklich wollen.

 

AUTOR

AXEL SCHÄFER ist seit 2010 Geschäftsführer des von ihm mit initiierten und mit gegründeten Bundesverbandes Betriebliche Mobilität e. V. (vormals Bundesverband Fuhrparkmanagement e. V.) und Sprecher der FMFE Fleet and Mobility Management Federation Europe. Der diplomierte Finanzierungsund Leasingwirt (VWA) ist seit 1992 als Autor, Trainer/Fachreferent in Deutschland, Österreich und der Schweiz tätig. Seine Kernkompetenz ist Mobilitäts-, Fuhrparkmanagement und Leasing. Er publiziert zu den Themen regelmäßig Beiträge in Büchern, Fachmagazinen und ist immer wieder Redner bei Vorträgen im Rahmen verschiedener Events, Seminare und Workshops.