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Fuhrparkleiter Hans G. hat noch Spaß an der Einund Aussteuerung der 80 Fahrzeuge seiner Dienstwagenflotte. So gefallen ihm das Feilschen beim Einkaufen um das letzte halbe Prozent und auch die Optimierung der Verkaufspreise durch Smart Repair sowie die Nutzung der großen Endkundenplattformen wie mobile.de oder autoscout24.de. Und manchmal tut er auch einem Mitarbeiter oder dessen Familie einen Gefallen und überlässt ihnen ein auszusteuerndes Fahrzeug zum Sonderpreis. Die Verkaufspreise denkt er sich selbst aus, denn schließlich hat er jahrzehntelange Erfahrung im Anund Verkauf von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Er ist sich sicher, immer nah am Optimum zu liegen. Was Hans G. noch nicht weiß: Er wird vielleicht schon bald richtige Probleme bekommen.

Auch Matthias P. hängt noch an den schönen Zeiten von früher: Er konnte Leasingfahrzeuge mit hohen Raten leasen und dann preisgünstig privat übernehmen oder die abgeschriebenen Kauffahrzeuge nach einigen Jahren preisgünstig selbst erwerben oder als kleinen Bonus zu guten Konditionen an Mitarbeiter abgeben. Denn schließlich war der Verkäufer der Fahrzeuge ja nicht sein Unternehmen, sondern die Leasinggesellschaft. Klar, die Preise für Leasing und spätere Übernahme wurden natürlich vorab vereinbart.

Die Finanzämter haben diese gelebte Praxis schon länger auf dem Zettel und große Unternehmen, die ohnehin revisionssicher arbeiten (müssen), werden wohl auch kaum Scherereien haben. Kleinere und mittlere Unternehmen, die insbesondere den Aussteuerungspreis noch selbst definieren oder die Ermittlung dem zuständigen Fuhrparkleiter überlassen, aber schon. Denn das Finanzamt hat eine neue Waffe.

Über zehn Jahre rückwirkend haben die Betriebsprüfer nun Zugriff auf die Restwerte der Fahrzeuge zum Zeitpunkt der Veräußerung, sofern natürlich der Kilometerstand zum Veräußerungszeitpunkt vorliegt. Wer also seine auszusteuernden Fahrzeuge „frei Schnauze“ verkauft oder verkauft hat, kann nun Probleme bekommen. Zukünftig sollte insbesondere die einvernehmliche Preisfindung von Gebrauchtfahrzeugen vermieden werden.

Werden die auszusteuernden Firmenfahrzeuge verkauft – und dabei ist es zunächst einmal egal, ob an den Händler vor Ort, einen Mitarbeiter im Unternehmen oder einen Angehörigen, ob an Freunde oder Familie – sollte tunlichst eine neutrale, geprüfte Fahrzeugbewertung her. Am sichersten ist dies mit einem Gutachten eines zertifizierten Gutachters, der den Wert des Fahrzeugs feststellt. Da ist dann in der Regel ja der Händlereinkaufspreis genannt und zu genau diesem Kurs dürfen die Fahrzeuge denn auch verkauft werden, nun auch an jedermann. Auch die Nutzung einer Versteigerungsplattform bietet eine recht hohe Sicherheit, wenn die Fahrzeuge bundesoder gar europaweit eingestellt werden und der Bieter mit dem höchsten Gebot das Fahrzeug erwirbt.

Problematisch ist ab sofort – und wenn es dumm läuft auch rückwirkend – jedweder „freihändige“ Verkauf ohne Gutachten oder sonstige vorherige revisionssichere Bewertung des Restwertes. Auch ein zum Verkaufszeitraum dokumentierter Schwacke-Preis sollte noch funktionieren, denn auch das Finanzamt selbst arbeitet ja nicht mit Gutachten, sondern mit Restwertkalkulationen. Apropos dokumentiert: Finanzämter prüfen bis zu zehn Jahre rückwirkend. Also sollten Gutachten, Screenshots von Online-Plattformen oder sonstige relevante Unterlagen zur Wertermittlung auch mindestens über diesen Zeitraum aufbewahrt werden.

Ganz die Finger lassen sollte man von Anbietern aus dem Ausland, die über private Plattformen anfragen und dann eine „anders ausgestellte“ Rechnung benötigen. Hier ist der Ärger vorprogrammiert, auch wenn der bar ausgezahlte Aufschlag zur Rechnung zunächst verlockend klingen mag.

Denn wenn es Ärger bei der Betriebsprüfung hinsichtlich der Erlöse aus Fahrzeugverkäufen gibt, wird sicher zunächst einmal der Fuhrparkleiter zur Geschäftsleitung zitiert und unter Umständen auch in die Haftung genommen, wenn er die Regeln der ordentlichen kaufmännischen Betriebsführung grob oder gar vorsätzlich missachtet hat.