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Von O(ktober) bis O(stern) lautet die altbekannte Faustregel, die einige mittlerweile wohl nicht mehr hören können. Doch nach wie vor kann man sich an ihr orientieren – wenn auch nur grob. Denn wer in eher schneereichen Gebieten lebt, sollte den Wechsel im Frühjahr lieber etwas länger hinauszögern. Letztlich gibt es hier keine verbindliche Regel, die Erfahrung aus vergangenen Jahren ist ebenso hilfreich wie der Vorausblick bei der Wettervorhersage. 

Das Osterfest ist dieses Jahr bekanntlich schon vorüber, der letzte Schneefall vorerst wohl auch. Wer noch nicht die Sommerpneus aufgezogen hat, sollte dies in nächster Zeit besser erledigen. Denn Winterreifen in den warmen Monaten zu nutzen, bringt einige Nachteile mit sich. Vermeintliche Vorteile, wie die eingesparten Kosten für die Sommerreifen oder für die Neukalibrierung der Reifendruckkontrollsysteme (RDKS), können hier schnell zum Bumerang werden. Winterreifen sind in ihrer Gummizusammenstellung deutlich weicher als die entsprechenden schwarzen Gummis für den Sommer. Diese weichere Gummimischung sorgt bei kalten Temperaturen für einen festeren Grip auf den Straßen. Wird es allerdings wärmer, reagiert die Gummimischung entsprechend, wird weicher und führt zu einem schwammigen Fahrgefühl.

Was spricht gegen die Nutzung von Winterreifen im Sommer? 
• ein längerer Bremsweg 
• ein höherer Spritverbrauch 
• einer höherer Reifenverschleiß

Bedeutung der Bewertungen nach EU-Reifenlabel 
Auf den ersten Blick wirken die Bewertungen der Reifen, bestehend aus Buchstaben, Zahlen und Piktogrammen, etwas abstrakt. Dahinter verbirgt sich aber ein logisches und klar definiertes System, das auf eine EU-Vorschrift zurückgeht. Diese trat erstmals im November 2012 in Kraft und beinhaltet eine europaweit einheitliche Kennzeichnungspflicht für Kraftfahrzeugreifen. Das sogenannte EU-Reifenlabel informiert anhand von drei Kriterien – Kraftstoffeffizienz, Nassbremseigenschaften und externes Rollgeräusch – über umweltund sicherheitsrelevante Eigenschaften eines Reifens. Ziel ist es, die Verkehrssicherheit zu verbessern und den Kraftstoffverbrauch nachhaltig zu senken. Seit dem 1. Mai 2021 gelten neue Vorgaben für die Reifenkennzeichnung, die vor allem den Verbrauchern mehr Informationen bieten sollen, damit diese leichter energiesparende Modelle auswählen können und gleichzeitig Aufschluss über die unterschiedliche Länge der Bremswege erhalten. Darüber hinaus können künftig weitere Informationen zu den jeweiligen Reifen über einen QR-Code am oberen rechten Rand des Reifenlabels heruntergeladen werden. Die EU-Abgeordneten stimmten dem am 14. Mai 2020 zu, wenig später wurde das Abkommen formell von den EU-Ländern im Ministerrat verabschiedet. Demnach sollen die Informationen, die mit dem EU-Reifenlabel schon gegeben sind, auf den Reifen künftig besser sichtbar und genauer werden. Optisch soll die Kennzeichnung dem geläufigen EU-Energielabel mit einer Farbabstufung von grün bis rot ähneln. Trotzdem bleibt die Frage, was die einzelnen Bewertungsklassen bedeuten und deswegen wird es nachfolgend genauer erläutert:

Rollwiderstand/Kraftstoffeffizienz 
Die Eigenschaft des Rollwiderstandes oder besser gesagt der Kraftstoffeffizienz wird seit Mai 2021 in die Klassen A bis E eingeteilt – früher: A bis G. Dies gilt für die drei Reifenklassen Pkw (C1), LLkw (C2) und Lkw (C3). Die Differenz vom Klasse-A-Reifen zum Reifen der Klasse E beträgt wie beim „alten“ EU-Reifenlabel 0,5 Liter Kraftstoffersparnis auf 100 Kilometern. Die Effizienzklassen auf dem Energielabel geben also darüber Aufschluss, wie viel weniger Sprit durch die Bereifung verbraucht wird. Weil die meisten heute angebotenen Reifen jedoch beim Rollwiderstand in die Klassen B und C fallen, ist das realistische Potenzial zur Kraftstoffersparnis aber deutlich geringer, als es die fünf Buchstaben vermuten lassen. 

Nassbremseigenschaft 
Die Nassbremseigenschaft der Reifen, die vor allem bei Vollbremsungen auf nassen Fahrbahnen direkten Einfluss auf die Sicherheit hat, wird nach dem neuen EU-Reifenlabel in die Klassen A bis E eingeteilt. Zwischen Pneus der Klassen A und E können sich Bremswegunterschiede von 30 Prozent ergeben. Bei einer Vollbremsung mit einem Pkw auf nasser Fahrbahn ausgehend von 100 km/h verlängert sich der Bremsweg um bis zu 28 Meter. Ein Fahrzeug mit Reifen der Klasse E fährt noch über 65 km/h, während das gleiche Fahrzeug mit Reifen der Klasse A bereits steht. Auch in diesem Fall haben fahrzeugspezifische Faktoren direkten Einfluss auf den realen Leistungsunterschied, der sich aus der Verwendung entsprechender Reifen ergibt. 

Außenfahrgeräusch/externes Rollgeräusch 
Wie beim alten Label wird hier das externe Rollgeräusch des Reifens in Dezibel angegeben. Doch bis Ende April 2021 wurde das Geräusch durch Zufügen oder Weglassen einer von drei Schallwellen in Relation zu den gültigen Zulassungswerten eingeordnet. Das neue EU-Label setzt jetzt auf Buchstaben: Mit A gekennzeichnete Reifen unterschreiten den Grenzwert um mehr als 3 dB(A), mit B gekennzeichnete Reifen unterschreiten den Grenzwert um bis zu 3 dB(A). Mit C werden keine Reifen gekennzeichnet, da diese den zulässigen Grenzwert überschreiten und damit nicht zulassungsfähig wären.

Die Geräuschgrenzwerte sind übrigens nicht für alle Pkw-Reifen gleich und hängen von der jeweiligen Klassifizierung (C1 bis C3), der Reifenbreite und der Reifenart ab. Deshalb können bei unterschiedlichen Reifen verschiedene Kombinationen von Buchstaben-Klassifizierungen und Geräuschwerten zustande kommen.

Zusätzliche Piktogramme 
Gänzlich neu auf dem EU-Reifenlabel sind seit Mai 2021 zwei Symbole, die vor allem bei Winterund Ganzjahresreifen auftauchen können: Die Kennzeichnung mit dem bekannten Alpine-Symbol (dreigezackter Berg mit Schneeflocke) bestätigt die Erfüllung der Mindestanforderungen an Reifen für winterliche Straßen, die entsprechend der UNECE-R 117 definiert sind. Das Alpine-Symbol muss auch auf der Reifenseitenwand eingeprägt sein oder eine entsprechende Bescheinigung des Herstellers muss vorliegen.

Ein neues Symbol mit einem stilisierten Gebirge in einem Dreieck steht für den Grip auf Eis und wird vorrangig für spezielle Winterreifen im skandinavischen Raum verwendet.