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Energie sparen ist dieser Tage nicht nur aufgrund des Ukraine-Konfliktes angesagt. Die Preise für fossile Kraftstoffe und Gas stiegen in jüngerer Vergangenheit in unbekannte Höhen. Dies zeigt auf, dass die Energiewende auch mit Blick auf den Klimaschutz schneller als bisher gedacht zum Ziel führen muss, auf regenerative und lokale Energiequellen zu setzen. Den CO2-Ausstoß gen null zu reduzieren steht schon seit einiger Zeit auf der Agenda vieler Unternehmen. Nicht zuletzt auf der der Automobilhersteller, die Auflagen der EU erfüllen müssen, um nicht mit Strafzahlungen belegt zu werden. Auch Unternehmen prüfen ihre Energieverbräuche, die sich zu immer stärkeren Kostentreibern auswirken und auch vor den Stakeholdern immer öfter gerechtfertigt werden müssen. „Insgesamt ist das Interesse seitens unserer Kunden am Thema Reduzierung des CO2-Fußabdrucks groß“, stellt Frank Hägele, Mitglied der Geschäftsleitung Deutsche Leasing AG, Geschäftsfeld Mobility, fest. „Um dies für ein Gesamtunternehmen zu erreichen, ist der Fuhrpark bei vielen Unternehmen ein wichtiger Hebel. Das gilt ganz besonders für Dienstleistungsunternehmen, da hier der Fuhrpark – neben Energiekosten zum Betrieb von Gebäuden – oft der einzige CO2-relevante Faktor ist.“ Wenn Flotten ihren Fahrzeugbestand auf Elektromobilität umstellen, braucht dies alles Zeit. Spritsparmaßnahmen durch Fahrertrainings können hier übergangsweise helfen, aber für einen zügigeren Effekt auf die Klima-Bilanz gibt es auch die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß zu kompensieren und in Projekte zu investieren, die zum Beispiel die Aufforstung von Wäldern oder die Förderung klimaneutraler Energiegewinnung im Fokus haben.

Mit einem Angebot, das direkt im Leasingvertrag verankert ist, hat Porsche Ende letzten Jahres seine Nachhaltigkeitsziele auch auf die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor ausgeweitet. Der Zuffenhausener Sportwagenhersteller kompensiert 2022 in Deutschland bei jedem Neuwagen-Leasing mit Verbrennungsmotor über die Porsche Financial Services GmbH & Co. KG den bilanziellen Kohlendioxidausstoß aus der Fahrzeugnutzung. Dabei greift Porsche nur auf zertifizierte Kompensationsprojekte zurück, die mit entsprechenden Qualitätsstandards ausgezeichnet sind. Die Höhe der Kompensation wird individuell auf Basis der vereinbarten Vertragslaufzeit und Laufleistung sowie des durchschnittlichen Kraftstoffverbrauchs des Fahrzeugs gemäß WLTP berechnet. Dies geschieht automatisch und ohne Mehrkosten für die Kunden. Das Neuwagen-Leasing mit integrierter CO2-Kompensation gilt zunächst für alle Leasingverträge, die in Deutschland bis zum 31. Dezember 2022 aktiviert werden. Eine Aussage zur Nachfrage durch Kunden macht das Unternehmen nicht. Porsches Neuwagen-Leasing mit integrierter CO2-Kompensation investiert sämtliche Kompensationszahlungen in das Klimaschutzprojekt „Kariba Waldschutz“ in Simbabwe. Dieses schützt bedrohte Wälder und Tierarten und leistet einen Beitrag zur dauerhaften Verbesserung der Lebensbedingungen der lokalen Bevölkerung. Die Durchführung und Steuerung des „Kariba Waldschutz“-Projekts obliegt dem Klimaschutzpartner „South Pole“.

Weitere Direktangebote waren in der Branche aktuell nicht auszumachen. Jedoch bieten einige Leasinggesellschaften an, die mittels Reporting ausgewiesenen CO2-Ausstöße mit (kunden)eigenen Kompensationspartnern auszugleichen. Die Deutsche Leasing geht dabei folgendermaßen vor: „Wir sind aktuell gemeinsam mit einem Partner dabei, für unsere Kunden ein entsprechendes Angebot für Kompensationsprojekte zu entwickeln. Wir können diese Unternehmen bei ihrer Arbeit mit einem eigenen Kompensationspartner unterstützen. Dazu stellen wir dem Kunden beispielsweise Auswertungsmöglichkeiten für die Ermittlung von Berechnungsgrundlagen einer CO2-Kompensation zur Verfügung. Das Interesse an CO2-Reduktion nimmt bei Unternehmen quer durch alle Branchen und Größen zu. Große, kapitalmarktorientierte Unternehmen verlangen zum Beispiel von ihren Zulieferern einen Nachweis über ihre Aktivitäten hinsichtlich der CO2-Reduzierung. Deshalb sollten sich alle Unternehmen mit diesem Thema beschäftigen.“

Arval wie auch die BNP Paribas Gruppe arbeiten mit ClimateSeed zusammen. Sie empfehlen ihre Kunden an diesen Partner weiter. Dem Kunden können, sofern gewünscht, entweder die nötigen Reports an ClimateSeed zur Verfügung gestellt werden oder der Kunde kann diese Reports als Self-Service über die Onlineanwendung MyArval eigenständig nutzen. Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, dies auch für andere Kompensationspartner anzubieten. Dies muss jedoch individuell besprochen und auch vereinbart werden. Im Rahmen der Beratungsleistung von Arval zu SMaRT (Sustainable Mobility & Responsibility Targets) besprechen die Beratungsteams exakt den Bedarf, den der Kunde im Rahmen seines nachhaltigen Fuhrparks hat. Dies kann zum einen die Reduzierung der CO2-Emissionen durch eine veränderte Beschaffungsstrategie sein, zum anderen eine Vermeidung von CO2-Emissionen durch den Einsatz adäquater Mobilitätsformen. Der Rest der übrigen CO2-Emissionen kann über Arval im Rahmen der Partnerschaft mit ClimateSeed kompensiert werden. Gerade große und sehr große Unternehmen arbeiten bereits viele Jahre mit einem „Carbon Offsetting“-Programm. 

ALD und die Tochterfirma Car Professional Management arbeiten mit einem in Europa führenden Anbieter für die CO2-Kompensation zusammen. „Durch die Bündelung aller bei uns betreuten Fuhrparks profitieren unsere Kunden dabei von Großabnehmerkonditionen, zudem sind die geförderten Projekte nach höchsten Maßstäben zertifiziert“, so Stephan Maleszka, Geschäftsführer der Car Professional Management GmbH. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, CO2-Emissionen über Tankkarten unkompliziert zu kompensieren. Dafür berechnet der Partner die CO2-Emissionen auf Basis des getankten Treibstoffs und kauft anschließend die erforderliche Anzahl an CO2-Credits ein. Der Kompensationsbeitrag wird auf der gewohnten Rechnung ausgewiesen und jährlich wird ein Zertifikat für die CO2-Kompensation ausgestellt.

Die langfristige Reduktion von CO2-Ausstoß scheint in vielen Fuhrparkstrategien wichtiger zu sein als die reine Kompensation. Unternehmen fokussieren sich nach der Beobachtung von Christopher Schmidt, Commercial Director, LeasePlan Deutschland GmbH, darauf, Emissionen aktiv zu vermeiden. „Dadurch erleben wir ein sehr hohes Interesse unserer Kunden an reiner Elektromobilität. Je größer der Fuhrpark, desto eher befasst sich ein Unternehmen mit Elektrofahrzeugen, denn deren Einsatz unterstreicht umweltbewusstes Verhalten. Auch die Fahrer befassen sich intensiver mit E-Automodellen, deren Lademöglichkeiten und Reichweiten. Förderung und steuerliche Anreize geben hier gerade noch mal einen Anschub.“ Ähnlich sieht dies auch Clemens Spiegelhalder, General Manager Free2move Lease: „Unsere Kunden fragen bisher keine CO2-Kompensation nach. Stattdessen ist die Nachfrage nach emissionsarmen Fahrzeugen sehr groß und stetig wachsend, sprich nach Plug-in-Hybriden und rein batterieelektrischen Fahrzeugen.Bei uns stehen sogar alle Transporter-Baureihen mit einem rein elektrischen Antrieb zur Verfügung. Zudem erleben wir, dass Kunden von Free2move Lease bei der Ersatzbeschaffung gezielt einen Teil oder die gesamte Flotte auf Plug-in-Hybride und/oder rein batterieelektrische Fahrzeuge umstellen. 2021 ist der Anteil von Auslieferungen emissionsarmer Fahrzeuge aus Leasingverträgen mit längerer Laufzeit von 6 Prozent im Vorjahr auf 28 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass die Bereitschaft unserer Kunden, klimaneutrale Prozesse zu implementieren, stark gewachsen ist. Inwieweit sich dies über den Fuhrpark hinaus im jeweiligen Unternehmen auswirkt, entzieht sich in den meisten Fällen unserer Kenntnis. Wir sehen jedoch die aktive Nachfrage nach Elektrofahrzeugen als Gradmesser für ein Umdenken, das sich sicherlich nicht nur auf den Fuhrpark auswirkt.“

Andere Ansätze betreffen die Freigabe von CO2-ausstoßarmen Motoren respektive die Fokussierung auf solche, die auch Freigaben für regenerative Kraftstoffe erhalten. Volkswagen erweitert beständig die Liste um Modelle mit den neuesten Vierzylinder-Dieselmotoren, die offiziell für die Nutzung mit Paraffinischen Kraftstoffen, zum Beispiel HVO (Hydrotreated Vegetable Oil = Hydrierte Pflanzenöle) freigegeben werden. Diese neu entwickelten Dieselkraftstoffe mit Anteilen aus Bio-Komponenten ermöglichen deutliche CO2-Einsparungen von 70 bis 95 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Diesel. Auch bei Audi dürfen mittlerweile viele der aktuellen Sechszylinder-Diesel den regenerativen Kraftstoff HVO tanken.

Fazit: Sparsamkeit im Fuhrpark zu erreichen ist immer ein Königsweg. Es ist ein Balanceakt, die Zufriedenheit der Nutzer zu erhalten und gleichzeitig Budgetund Klimaschutzvorgaben einzuhalten. Verbrauchsarme Verbrenner helfen, die Budgetziele zu erreichen, bis eine (Teil-)Umstellung auf Elektromobilität erfolgen kann. CO2-Kompensation zur Neutralstellung des Fuhrparks bieten mittlerweile etliche Dienstleister an, die Leasinggesellschaften kooperieren gerne und können dafür entscheidende Daten zur Verfügung stellen.