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Dr. Harald F., 48, Vertriebsleitung, dienstwagenberechtigt, liebt seinen stattlichen Firmenwagen. Ein SUV mit maximal möglicher Motorisierung. Mit Freude zahlt er die üppige Standardüberschreitung des Leasingvertrages und freut sich, mit seiner automobilen Leidenschaft gleichzeitig seinen beruflichen Erfolg visualisieren zu können. Auf die Dauer hilft nur Power! Als oberster Vertriebler hat er die letzten Jahre das Unternehmen unter den Marktführern platziert und Geld ist nicht alles. Sein potenter Firmenwagen bindet ihn eng an das Unternehmen, und darüber freut sich auch die Personalleitung. Den Tendenzen der Geschäftsleitung, unter dem Druck der Öffentlichkeit dem Unternehmen einen grünen Anstrich zu verpassen, steht er sehr skeptisch gegenüber. Ein Luxus-E-Auto aus amerikanischer Fertigung als Firmenwagen? Niemals! Eher sucht er sich einen neuen Job! E-Fuels oder Wasserstoff, damit könnte er wahrscheinlich leben. 

Astrid M., 22, Auszubildende im dritten Lehrjahr, schmunzelt innerlich über den Macho mit Klappenauspuff. Ihre alleinerziehende Mutter hatte nie ein Auto. Dazu war einfach kein Geld da. Sie selbst hat die nötigen oder gewollten Wege immer zu Fuß, mit dem Rad oder den „Öffentlichen“ zurückgelegt. Und sie ist nicht unglücklich darüber. Ein eigenes Auto? Nein vorerst nicht, auch kein elektrisches.

Sarah K., 34, Technischer Außendienst, dienstwagenberechtigt. Die agile Informatikerin gehört zur „Kundenfeuerwehr“ des Unternehmens. Durch regelmäßigen Bereitschaftsdienst sichert sie die Funktionen beim Kunden. Sie ist Technikerin mit Leib und Seele und ihr erster Dienstwagen war ein Elektroauto. Was sonst? Sie möchte keine Museumstechnik mehr unter der Haube, deren mechanischen Ursprünge bei der Dampfmaschine liegen. Und der Sinn des „prolligen“, technisch vollkommen sinnlosen Verbrenner-Gebrülls aus den vier Auspuffrohren des Geschäftsführer-SUVs übersteigt eh ihre Vorstellungskraft. Eventuelle Misserfolge beim Laden ihres EFirmenwagens verbucht sie je nach Tagesform als Investition in die Zukunft oder Alltagsabenteuer. „Wir fahren ja auch nicht mehr mit der Postkutsche durch die Gegend“, erwidert sie ihren kritischen Kollegen, die regelmäßig über den Mut der Kollegin, mal bei Nacht und Nebel irgendwo unterwegs hängen zu bleiben, weise den Kopf schütteln.

Burkhardt H., 56, Personal + Recruiting, dienstwagenberechtigt, nutzt aber lieber das Programm „Geld statt Auto“. Meistens läuft er ins Büro, speziell seit Beginn der Corona-Pandemie. Wenn diese Situation mal wieder vorüber sein wird, wird er sich bei schlechtem Wetter wieder „Kurzstrecke“ mit dem Bus gönnen. Seine Frau ist Lehrerin und nimmt meistens ihr altes Damen-Rad, das wird hoffentlich nicht so schnell gestohlen. Ihr Auto haben sie vor ein paar Jahren abgeschafft. Die ewige Parkplatzsucherei, Winter-/Sommerräder-Wechsel, TÜV, Reparaturen. Aus Angst, den nach unzähligen Runden durch das Wohnviertel endlich erhaschten Parkplatz wieder einzubüßen, stand das Auto zum Schluss fast nur noch herum und war nach ein paar Tagen immer voller Vogeldreck. Einfach nur noch nervig und dafür viel zu teuer. Seither leihen sie sich einmal im Monat über das Wochenende ein Auto. Die Autovermietung ist nur ein paar Querstraßen weiter. Am Samstag erledigen sie den Großeinkauf und am Sonntag fahren sie ein Stück über Land und besuchen die Schwiegermutter im Seniorenheim. Sie genießen diese neue Mobilitätsform sehr und sind froh, die Last eines eigenen Autos los zu sein. Sie haben sogar von „Geld statt Auto“ noch etwas übrig und gönnen sich davon hier und da ein feines Diner in einem französischen Restaurant in der City.

Fatima K., 33, Sachbearbeiterin Recht + Steuer, demnächst dienstwagenberechtigt. Fatima K. fühlt sich eng mit dem Unternehmen verbunden. Ihr Vater arbeitet seit dreißig Jahren in der Produktion. Sie hat nach dem Abitur im Unternehmen ein duales Studium begonnen und wie es ihre Art ist, ging es mit viel Fleiß und Disziplin stetig vorwärts. Inzwischen hat sie ihren Master-Abschluss und ihr Vorgesetzter sieht sie als zukünftige Führungskraft. Sie freut sich auf ihren ersten Dienstwagen. Es wird ein nicht zu großes E-Auto sein. Das Unternehmen sieht es gerne, wenn sich die jungen Führungskräfte an den Zukunftstrends beteiligen. Ihr Bruder lacht sie aus. „Elektro-Auto, was ein Quatsch! Brennen doch nur ab, die Dinger!“ Ihre Philosophie heißt ausprobieren und dann entscheiden. Für große Strecken nimmt sie eh die Bahn, ganz selten mal das Flugzeug.

Der aufmerksame Leser hat nun durch den oben aufgeführten Personenkreis einen ersten kleinen Einblick in die Mobilitätswünsche und -erfordernisse einiger Mitarbeiter bekommen. Man erkennt schnell, dass es „die Lösung“ nicht gibt. Zu unterschiedlich sind die Wünsche und Möglichkeiten. Wo auch immer man sich zurzeit aufhält, wenn es um die Zukunft des Autos und generell um die Mobilität geht, wird sehr heftig, kontrovers und teils aggressiv diskutiert. Das in seiner einfachen Anwendung geliebte und bewährte konventionelle Automobil befindet sich seit dem Dieselskandal 2015 auf politischer und medialer Talfahrt. Die Mitglieder der Umweltschutzorganisationen sehen das allerdings mit großer Freude und es kann ihnen gar nicht schnell genug gehen, diese „Mordwerkzeuge“ von der Straße zu bekommen. Viele Menschen sehen darin den Untergang des Abendlandes und das macht ihnen Angst. Die Mehrzahl der Bürger wird allerdings noch Jahre aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen damit umgehen wollen oder müssen. Gerade auf dem „platten Land“ ist die Situation so gar nicht mit der hippen Urbanität zu vergleichen und ein Verkehrsinfarkt durch Verbotspolitik könnte für viele „Landbewohner“ existenziell werden. 

Hier kurz das Porträt eines Mitarbeiters, den dies direkt betrifft:

Gerald B., 49, Technik + Qualität, verheiratet, vier Kinder. Die Familie hat vor fünf Jahren ein altes Haus weit hinter dem Speckgürtel des Ballungsgebiets gekauft, welches seither renoviert und umgebaut wird und alle finanziellen Reserven verschlingt. Sein alter Mittelklasse-Kombi mit knapp 300.000 Kilometern ist zu einem Fahrzeug mit zahlreichen Baustellen mutiert. Geld für ein neues Auto fehlt vorn und hinten. An ein Elektroauto will er überhaupt nicht denken. Vollkommen praxisfremd für seine Verhältnisse, viel zu teuer, zu wenig Reichweite, zu kompliziert in der Handhabung für seine Frau, die das Auto öfters mal braucht. Sie hat Angst vor so einem modernen Vehikel. Sein Schwager ist trotz hoher Subvention nicht wirklich glücklich mit seinem neuen E-Auto. Das hat sich wohl auf seine Schwester übertragen.

An der Stelle sei kurz die äußerst dramatische Flutkatastrophe vor ein paar Monaten in Erinnerung gerufen. Wie hätten Rettungsdienste, Feuerwehren, das THW und der Katastrophenschutz mit schwerem Gerät die Herausforderungen dieser außerordentlichen Notsituation mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen und Baumaschinen meistern sollen, wo es weit und breit keine Stromversorgung mehr gab?

Zurück zur gewerblichen Mobilität in Fuhrparks und Mietflotten. Wo geht der Weg hin? Wann soll man umstellen auf E-Technik? Soll man es überhaupt tun? Kommen die E-Fuels noch? Und werden sie bezahlbar sein? Hat Wasserstoff eine Chance? Oder ist die E-Lobby inzwischen zu stark geworden? Den Außendienst auf das Lastenfahrrad setzen? Gute Mitarbeiter verlieren, die sich in dem „Bio-Laden“ nicht mehr wiederfinden und von der Konkurrenz mit offenen Armen und adäquatem Dienstwagen empfangen werden? Jobticket? Warum nicht? Aber auf dem Land nutzt das nichts. Zu dünn gesät sind gute Verbindungen aus der Region hinter dem Speckgürtel in die City und zurück. Die Corona-Pandemie wird noch längere Zeit für Nutzungsängste im ÖPNV sorgen und der private Pkw, sei er angeblich noch so unmodern, wird möglicherweise eine unerwartete Renaissance erleben. Und das Fahrrad inklusive seiner ganzen seltsamen Abarten wird vorerst weiterhin boomen, das ist sicher. Schwere Unfälle auf den Fahrrad-Schnellwegen und den überfüllten innerstädtischen Radpisten werden kommen. Immer einen Helm tragen!! 

An dieser Stelle ein Blick auf die Lebenssituation einer weiteren Mitarbeiterin am Mittagstisch:

Lisa M., 28, Sekretariat Facility Management. Sie ist seit ihrer Lehrzeit im Unternehmen tätig und sowohl mit den Aufgaben als auch mit den Kollegen rundum glücklich. In ein paar Wochen werden sie und ihr Mann Eltern. Wie das Leben so spielt, haben sich Zwillinge angemeldet und sie wird sich mit ihrem verbeamteten Ehemann den Erziehungsurlaub teilen. Im Freundes- und Kollegenkreis gelten sie als „Ökos“ und das Lastenfahrrad war als Familienkutsche und Kindertransporter die letzten Monate permanent ein Gesprächsthema. Nach der Ansage des Frauenarztes bezüglich der Anzahl der zu erwartenden Nachkommen beruhigte sich das Thema aber schnell, zumal das freudige Ereignis auch in die Wintermonate fällt. Ein Firmenwagen wäre jetzt schön! Aber davon ist sie in ihrer Funktion Lichtjahre entfernt. Bisher haben beide ihr Jobticket, ihre Hightech-Fahrräder und Carsharing genutzt. Aber nun mit einem Zwillingskinderwagen und dem ganzen Equipment für die süßen Kleinen sieht die Weltanschauung plötzlich anders aus. Die Finanzierung der zwecks Nestbau angeschafften, eigentlich viel zu teuren Eigentumswohnung lässt ihnen allerdings trotz äußerst günstiger Zinsen keine finanzielle Reserve für die Anschaffung einer „Familienkutsche“. War da nicht mal was mit „Mitarbeiter- Leasing“ oder so im Intranet? Da soll man irgendwie Steuern sparen können. Und außerdem gibt es doch für E-Autos Herstellerprämien plus fette staatliche Subventionen. Aus Steuergeldern von Mitbürgern, die nicht genug Finanzkraft haben, um selbst jemals in den Genuss solcher von ihnen mitfinanzierten Subventionen zu kommen. Die Überlegung, dass E-Autos subventioniert werden müssen, weil sie aktuell „mehr kosten und weniger bringen“ als die konventionellen Verbrenner und der Verkauf vor der Subvention nur sehr schleppend lief, liegen dem jungen Paar aber eher fern. Die Zukunft ist grün, schon ihren Kindern zuliebe, und Geld ist sowieso nur bedrucktes Papier. Nächste Woche hat sie auf jeden Fall einen Termin mit dem Fuhrparkleiter ausgemacht.

Der Autofahrer ist seit einigen Monaten durch einen Teil der medialen Berichterstattung, aber auch durch die aktuellen politischen Trends im urbanen Umfeld zum Buhmann und Sündenbock geworden. Sein natürlicher Lebensraum wird immer weiter durch symbolisch rot leuchtende Radfahrbahnen eingeschränkt. Exorbitante Parkgebühren vermiesen zusätzlich die Lust auf einen Stadtbummel, Kino-, Restaurant- oder Museumsbesuch. Die ersten solventen Kunden entziehen den Innenstädten nicht nur die Sympathie, sondern auch ihre Kaufkraft. Anstatt in die Kassen des lokalen Fachhandels fließt so noch mehr Geld zu Jeff Bezos. Weiterhin ist zu befürchten, dass die Zeit kommen wird, in der man mit laufendem Motor an der Ampel stehend möglicherweise tätlichen Angriffen durch Aktivisten ausgesetzt sein wird. 

In dieses Szenario passt nun ein anderer interessanter Teilnehmer unserer fiktiven Mittagsrunde:

Daniel D., 56, Leiter Zukunftsentwicklung, dienstwagenberechtigt, nutzt aber „Geld statt Auto“. Er gilt im Kreis der Geschäftsleitung und der Kollegen als „Paradiesvogel“. Autos!? Ach je! Ein einziger technischer Kompromiss! Nichts ist perfekt, zu schwer, um nur überwiegend eine Person zu transportieren. Zu kompliziert. Zu stark motorisiert. Steht meistens nur herum und blockiert Flächen, die vielmehr der Nutzung durch die Allgemeinheit dienen sollten. Giftige und schädliche Abgase und Stäube. Im Falle einer massiven Kollision unter Umständen für die beteiligten Personen tödlich. Der Preis der Nutzung deckt auf keinen Fall die gesamtgesellschaftlich entstehenden Kosten. Teufelswerk! Vielleicht wird er zukünftig ab und zu mal die autonom fahrenden Cabs nutzen, die findet er interessant. Wenn man bereit ist, in der abgedunkelten Kabine die ständig laufenden Werbespots anzuschauen oder sogar voller Begeisterung direkt von dem Cab aus online die Zutaten zum Abendessen zu bestellen, übernimmt der Lieferant die Fahrtkosten. Ein praktischer Ersatz für die inzwischen unverschämt teuren Taxis. Witzig findet er die Idee, dass diese autonomen Cabs keinen Parkplatz mehr brauchen. Sie fahren auf konzentrischen Ringstrecken rund um die City immer gemütlich im Kreis herum und warten auf den nächsten App-Auftrag. Die innerstädtischen Parkhäuser sind bereits im Stadtentwicklungsplan als neue „Wohnmaschinen“ dargestellt. Die autonomen Cabs kann man ähnlich wie Aktien kaufen beziehungsweise leasen. Von einer Service-Gesellschaft unterhalten lässt sich je nach Anzahl damit ein schönes Zubrot verdienen. Nach ein paar Jahren teilt das Fahrzeug dann mithilfe künstlicher Intelligenz seinen verschleißbedingten Suizid mit und begibt sich zur Demontage in die Recyclingstation. Bis dahin nutzt Daniel D. weiter sein Liegerad oder joggt durch die Felder in die Firma. Strom, das ist die Kraft der Zukunft! Umweltverträglich erneuerbar, verlustarm verteilt und gespeichert. Das „ewige Feuer“. Jules Verne beschrieb es schon als Antrieb des U-Bootes Nautilus in seinem Roman „20.000 Meilen unter dem Meer“ und griff damit der nuklearen Stromerzeugung voraus. Noch längst nicht perfekt aufgrund der sehr lang strahlenden Abfälle und, wie man an den Katastrophen der letzten Jahre sehen kann, letztlich ein unkalkulierbares Risiko. Vielleicht bringt die Kernfusion den Durchbruch? Daniel D. kann mitreißend über die Zukunft parlieren, spekulieren, diskutieren. Aber wir leben hier und jetzt! 

So, nun weg von der Schwarzmalerei! Das Leben geht weiter und das Leben ist schön!

Was könnte denn das Fazit aus den oben stehenden Betrachtungen sein? Eins steht fest! Es gibt kein Allheilmittel! Zu unterschiedlich sind die Nutzungs- und Einsatzbedingungen der verschiedenen Fahrzeuggattungen. Mangels zukunftsweisender Bahninfrastruktur, speziell leistungsfähiger Magistralen für den Güterverkehr werden Lkws mit herkömmlichem Antrieb noch lange zum Straßenbild gehören, da sonst die grundsätzliche Versorgung mit lebenswichtigen Konsumprodukten zusammenbricht. Wie bereits oben erwähnt werden auch die Bewohner ländlicher Gebiete mangels brauchbarer ÖPNV-Verbindungen weiterhin am Individualverkehr mit konventionell angetriebenen Fahrzeugen festhalten (müssen). In vielen Fällen auch aus finanziellen Gründen.

Aber die Welt dreht sich weiter! Und es gibt zum Glück Regionen, wo „viel Geld ist“. In den Banken-Citys zum Beispiel, dort, wo industriell produziert wird und die Unternehmen solide Tarifverträge haben, um ihre gute Mannschaft zu binden, und auch im gehobenen Dienstleistungsgewerbe. Hier gibt es ganz andere Bewegungsprofile. Wohnung und Arbeitsstätte liegen in erreichbaren Entfernungen, das ÖPNV-Netz ist gut ausgebaut und bis spät abends getaktet, Taxis, Rikschas, Radwege, Carsharing, Hauptbahnhof, Flughafen, alles da. Dienstreisen erfolgen mit der Bahn, Web-Konferenzen werden manche Flugreise zukünftig unnötig machen. Kundenbesuche können fußläufig oder mit dem ÖPNV gemacht werden. Von hier aus muss der Aufbruch kommen! 

Diese Situation passt gut zu dieser Kollegin:

Sabrina P., 28, Vertrieb-Südeuropa. Eine clevere junge Frau. Diplom-Übersetzerin und eine taffe Organisatorin. Sie wohnt mit ihrem Freund bewusst mitten in der Stadt und genießt es. Ein eigenes Auto? Vielleicht mal irgendwann. Die Arbeitgeber stellen beiden ein Jobticket für den ÖPNV. Die Fahrplan-Apps für die City und den Speckgürtel funktionieren gut und die Züge und Busse verkehren meistens recht zuverlässig. Wenn nicht gerade mal wieder gestreikt wird oder eine „Verkehrsstörung“ durch eine verirrte Seele im Gleisbett der UBahn eine längere Sperrung der Hauptstrecke erfordert. Bei Bedarf nutzt das Paar ab und zu ein Share-Mobil und in letzter Zeit hat es die E-Scooter für sich entdeckt.

Der Aufbruch darf nicht mit der politischen und ideologischen Brechstange initiiert werden! Man muss die Menschen, Kunden und letztlich auch in ein paar Jahren wieder die Wähler mitnehmen. Die Mobilität muss funktionieren und bezahlbar sein. Man wird nur bereit sein, (viel) Geld auszugeben, wenn es Spaß macht, wenn man sich auf das E-Auto freut, es unbedingt haben will. Der Nutzen der neuen, teureren Technologie muss einen Mehrwert bieten und keinen Rückschritt bezüglich Reichweite, Nachladen, Handling darstellen! Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes eigenes Auto? Mit dem Kauf der aufgehübschten Klapperkiste beim Fähnchenhändler war eigentlich das Gesparte aufgebraucht. Geld alle, aber irgendwie wurden doch noch ein paar „Kröten“ für die zwingend nötige Stereo-Anlage und vier Lautsprecher zusammengekratzt. Man war pleite, aber glücklich! An der Stelle ein herzliches Dankeschön an Eltern und Großeltern, die in der Lebensphase oft als Hauptsponsoren wirkten.

Für die „Fuhrparkleute“ heißt das, dass unsere Flotten die nächsten Jahre eine Mischung aus verschiedenen Antriebskonzepten sein werden. Benzin, Diesel, Elektro, eventuell Wasserstoff und E-Fuels werden eine Zeit lang parallel genutzt werden müssen, um die unterschiedlichsten Nutzungsprofile im Unternehmen darstellen zu können. 

Dazu noch ein kurzer Blick in die Poststelle der Hauptverwaltung der Futura AG:

Hassan Ö., 52, Poststelle, Elektro-Abteilungsfahrzeug für Kurierfahrten, weiterhin ein E-Lastenfahrrad. Hassan ist ein feiner Kollege. Immer höflich und korrekt mit erfrischendem Humor. Ein E-Auto? Ja klar! Unser Postauto ist doch Klasse! Tagesfahrleistung maximal 80 Kilometer, der letzte Postler kontrolliert zum Feierabend, dass das Ladekabel für die Nacht angeschlossen ist. Das Lastenfahrrad erweist auf dem weitläufigen Werksgelände gute Dienste. Funktioniert schon seit Jahren problemlos. Privat fährt Hassan einen Familien-Van mit Dieselmotor und der soll möglichst noch lange halten. E-Fuel? Wenn der nicht teurer als Diesel ist, gerne.

Sicher gibt es sinnvolle Anwendungen für Lastenfahrräder im urbanen Kurier- und Verteilerverkehr. Es wird sich herausstellen, welche persönliche Schutzausrüstung in Form von aufblasbaren Fahrradanzügen — das Bibendum von Michelin könnte als Model fungieren —, Feinstaub-Atemluftfiltern und UV-Schutz zur Hautkrebsprophylaxe die Berufsgenossenschaften verlangen werden. Auch der E-Kleinwagen des Zahnlabors mit einer geringen Tagesfahrleistung hat schon längst seine Berechtigung. Überhaupt werden der Aktionsradius und die Verfügbarkeit von Schnellladesäulen vorerst die Akzeptanz eines E-Firmenwagens ganz massiv beeinflussen.

Die technologische Entwicklung wird sicher eine allmähliche Vergrößerung der Reichweiten mit sich bringen. Auch besteht die Hoffnung, dass sich das Bezahlen des Ladestroms mit Handy, EC- oder Kreditkarte flächendeckend durchsetzt. Die jetzige Situation ist untragbar. Sonst stimmen die Verbraucher mit den Füßen ab und gehen zu dem Anbieter, der das bequemste Bezahlsystem anbietet. Und über allem steht dann noch die Frage, ob wir denn zukünftig in Deutschland und Europa überhaupt genug Strom und Leitungen für eine flächendeckende E-Mobilität haben (werden). An der Stelle hat die Kristallkugel momentan eine Eintrübung und verweigert den Blick in die Zukunft.

Allen Dienstwagennutzern, die „richtig viel und weit“ fahren müssen, bleibt für den nächsten und vermutlich übernächsten Firmenwagen nur ein sparsamer Hightech-Diesel. „Es muss nicht immer Kaviar sein!“ Mit 150 PS und den riesigen Drehmomenten der aktuellen Motoren ist man in der Mittelklasse im Dienst des Unternehmens ausreichend und sicher motorisiert. Verbräuche von 5,0 l/100 km sind keine graue Theorie mehr, sondern mit entsprechendem Fahrstil umsetzbar. Auf jeden Fall ein erster Ansatz zur Schonung der Umwelt, der Kostenstelle und, entsprechend aufbereitet, zur Verbesserung der Außenwirkung des Unternehmens. Schon erhebt sich das Raunen der leistungsverwöhnten Dienstwagennutzer ... „Ach je! Was soll das bringen?“ 

Ganz einfach! Am Nachmittag auf dem Nachhauseweg vom letzten Kundentermin keine funktionierende Ladesäule mehr suchen zu müssen, sondern mit dem vorhandenen Sprit im Tank stressfrei und pünktlich zum Abendessen zu Hause zu sein.

In diesem Sinne ... weiterhin gute Fahrt! 

Und bleiben Sie neugierig!