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Verkehrswende, was ist das eigentlich? Wenn es nach bestimmten politischen Gruppierungen geht, müssen es Fahrrad und Lastenfahrrad plus öffentliche Verkehrsmittel richten. Doch sich bei Wind und Wetter ohne Heizung und Überdachung steile Berge hinaufarbeiten, das ist definitiv nicht für jede Person die richtige Aufgabenstellung, wie unsere Online-Umfrage eindeutig zeigt. 

Mit einer Erhebung zum Mobilitätsverhalten der Mitarbeitenden in den Unternehmen betritt Flottenmanagement neues Terrain bei den Umfragen. Doch das Thema brennt den Menschen unter den Nägeln, daher wurde es höchste Zeit für diese Umfrage. Anders als bei vielen anderen Themenfeldern, betrifft dieses wirklich Unternehmen jeder Größe. Denn die Mitarbeitenden müssen ja irgendwie zum Arbeitsplatz gelangen, zumindest wenn nicht gerade Homeoffice angesagt ist. Und nur Homeoffice ist aus sozialen Aspekten auch keine gute Lösung.

Interessant ist, dass die meisten Unternehmen beim Thema Mobilität eher konservativ ticken – vielleicht liegt das auch einfach daran, dass die Mobilität im Grundsatz immer nach den gleichen Mustern funktioniert: Man möchte trockenen Hauptes möglichst ohne körperliche Überanstrengung längere Distanzen überwinden. Klar ist, dass auch der Verkehrssektor seinen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten muss – nur wie kann das geschehen? Durch eine radikale Kollektivierung wohl kaum, wie nahezu alle Umfrage-Ergebnisse belegen. Die meisten Menschen möchten offenbar im Zweifel zumindest Zugriff auf ihren Personenwagen haben, was ja auch kein Wunder ist angesichts der Vorzüge: Auf welche andere Weise kann man schon abgeschottet von der Umwelt mit Musik nach Wahl oder telefonierend und klimatisiert zu jeder gewünschten Zeit jedes Ziel individuell erreichen?

Immerhin gibt es Hoffnung, dass sich mit den durchaus beliebten Plug-in-Hybriden doch noch CO2 einsparen lässt, denn die meisten Unternehmen unterstützen ihre Mitarbeitenden, indem sie Ladestrom zur Verfügung stellen. Auch zu sparsameren Dienstwagen bekennen sich die Unternehmen – ein Trend, der durch die Autohersteller allerdings unterstützt wird. Schließlich gibt es immer mehr sparsame Modelle, sei es durch Downsizing oder Hybridisierung. Doch auch Diesel liegen nach wie vor im Trend, zumindest in der Flotte – das zeigen die Statistiken.

Im Pendelverkehr dürfte wohl das Geheimnis liegen, warum morgens und abends so viele Straßen verstopft sind. Doch es ist nun einmal so, dass viele Arbeitnehmer nicht nah bei ihrer Arbeitsstätte wohnen können oder wollen – insbesondere dann, wenn der Arbeitsplatz in der Stadt liegt. Immerhin geben insgesamt fast 57 Prozent der befragten Unternehmen an, dass mindestens 40 Prozent ihrer Belegschaft pendelt. Gar 32 Prozent rechnet mit einem Pendler-Anteil zwischen 61 und 100 Prozent. Nur knapp 21 Prozent der Befragten sehen ihre pendelnden Mitarbeiter bei einer Marke von maximal 20 Prozent.

Ziemlich eindeutig fällt das Statement zu den Mobilitätslösungen aus: Über 96 Prozent der Befragten geben an, dass ihre Mitarbeiter mit dem eigenen Fahrzeug zur Firma fahren. Mit 66 Prozent spielt aber auch der öffentliche Personennahverkehr eine durchaus bedeutende Rolle – und der gilt immerhin als vorbildlich umweltfreundlich. Knapp 36 Prozent der Interviewten sehen ihre Belegschaft mit dem Dienstfahrrad anradeln. Dass das Flugzeug eher ungeeignet ist für die Anreise zur Arbeit (9,4 Prozent), liegt nahe. Aber es scheint häufiger eingesetzt zu werden als „Ridesharing“ mit 3,8 Prozent oder Auto-Abos, die überhaupt nicht genutzt werden.

Und machen wir uns nichts vor: So mancher umweltbewusste Zeitgenosse mag den Reiz des Autos schwinden sehen. Allein – es stimmt nicht. So finden 70 Prozent (größte Zustimmung) der durch Flottenmanagement befragten Unternehmen, dass man mit einem Dienstwagen gut Mitarbeiter anwerben kann. Immerhin sehen 56 Prozent das Jobticket als gute Maßnahme, um Mitarbeiter zu gewinnen. Und 42 Prozent finden, dass das auch mit einem Dienstfahrrad gut gelingt. Weniger (14 Prozent) sehen hierfür ein Mobilitätsbudget oder (16 Prozent) Poolfahrzeuge geeignet.

Dienstreisen planen bei den meisten Unternehmen die Mitarbeiter übrigens in eigener Regie – das geben 67,3 Prozent der Befragten an. Eine Minderheit (21,2 Prozent) nutzt interne Buchungsplattformen. Nur 11,5 der befragten Unternehmen besitzen ein internes Travelmanagement.

Eine große Mehrheit der Unternehmen beteiligt sich an den Bemühungen, CO2 über den Themenkomplex Mobilität einzusparen. Keiner Firma ist die Umwelt egal, das steht fest. Mit jeweils 77,4 und 75,5 Prozent ist ein großer Anteil der Befragten für sparsame Antriebstechnik, seien es genügsame Verbrenner oder eben alternative Antriebe. Hoch im Kurs (67,9 Prozent) steht auch die Vermeidung von Mobilität. In der Corona-Krise wurde schließlich deutlich, dass es auch mit Videokonferenzen geht. Eco-Trainings für Dienstwagenberechtigte und eine Verkehrsmittel-Auswahl nach CO2-Bilanz spielen für rund 20 Prozent der Befragten eine Rolle. Der Ankauf von Umweltzertifikaten gehört tendenziell zu den unbeliebten Methoden, die CO2-Bilanz in Ordnung zu halten (5,7 Prozent).

Unternehmen, die Plug-in-Hybride im Pool haben, unterstützen ihre Nutzer darin, sich umweltfreundlich zu verhalten. So sagen 93,6 Prozent der Befragten, dass sie Ladestrom zur Verfügung stellen. Über 53 Prozent der Umfrageteilnehmer bekennen sich zur Firmen-Ladekarte. Etwas mehr als 40 Prozent der Unternehmen unterstützen bei der Anschaffung einer häuslichen Wallbox. Auch die Beteiligung der Unternehmen an den Ladekosten bestätigen knapp die Hälfte der Befragten, knapp 32 Prozent übernehmen diese sogar komplett oder stellen eine (53,2 Prozent) oder sogar mehrere Ladekarten (21,3 Prozent) zur Verfügung.

Ein Mobilitätsbudget stellen die meisten Unternehmen (75,5 Prozent) nicht zur Verfügung, während 7,5 Prozent der befragten Firmen sehr wohl ein Budget einräumen, dann kann der Mitarbeiter selbst entscheiden, wie er reist. Immerhin 17 Prozent der Firmen planen eine solche Vorgehensweise für die Zukunft.

Pilotprojekte zum Test neuer Mobilitätsformen sehen rund 68 Prozent der rund 300 befragten Unternehmen nicht vor. Immerhin zeigen sich etwa 19 Prozent der Umfrageteilnehmer offen für solche Versuche, zu denen beispielsweise Fahrgemeinschaftsbörsen oder Dienstfahrräder zählen. Rund 13 Prozent planen solche Maßnahmen.

Dass sich die aktuell teuren Spritpreise bemerkbar machen, belegt die Umfrage: So geben 67,3 Prozent an, dass die Mobilitätskosten gestiegen sind. Rund 19 Prozent geben allerdings an, dass die Kosten gleich geblieben sind, was für eine veränderte Handhabe der Mobilität spricht. Gleiches gilt auch für diejenigen Unternehmen (13,5 Prozent), deren Kosten für Mobilität sogar sanken.

Auch zur Prognose der Kosten legen sich knapp die Hälfte der Befragten (45,3 Prozent) fest: Sie werden steigen. Immerhin 24,5 Prozent der Umfrage- Teilnehmer prognostizieren eine Senkung der Kosten, was nur mit einem Umdenken zu schaffen ist. Gleiches gilt dafür, wenn man die finanzielle Belastung für Mobilität konstant halten will, wovon gut 20 Prozent der Interviewpartner ausgehen.

Die meisten Umfrage-Teilnehmer gehen übrigens davon aus, dass es künftig weniger fest zugeordnete Dienstwagen geben wird, während rund ein Drittel der Befragten vermutet, dass sich überhaupt nichts ändern wird. Eine Minderheit (9,4 Prozent) vermutet, dass es sogar mehr fest zugeordnete Dienstwagen geben wird.