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Transporter sind in erster Linie zum Geld verdienen gedacht – und zwar sowohl auf Kunden- als auf Herstellerseite. Und wegen eben dieser Wirtschaftlichkeit dauert ein Modellzyklus hier ein bisschen länger. Die Modellzyklen dauern zwar augenscheinlich länger, wie die Bauzeit des letzten Kangoo von 13 Jahren zeigt, aber um die Attraktivität von Transportern, insbesondere als Hochdachkombi, ist es mittlerweile gut bestellt, das zeigt wiederum die Neuauflage des Franzosen. Das geht schon los, wie der taufrische Renault Kangoo seinen Fahrer begrüßt: nämlich mit modernen, frisch erscheinenden LED-Tagfahrlichtern. Sie erhöhen qua besserer Wahrnehmbarkeit am Tage nicht nur die Sicherheit, sondern signalisieren, dass der Kangoo trotz seiner Nutzfahrzeug-Rolle auch einen Anspruch auf ästhetisch-technisches Know-how erhebt, das ihm Designer und Techniker verleihen. Da wären unzählige Dinge von der nicht vorhandenen B-Säule zwecks besserer Beladbarkeit von der Seite über eine gestochen scharfe Kamera als Innenspiegel-Ersatz bis hin zu den Vordertüren, die im rechten Winkel stehen bei vollständiger Öffnung.

Doch bevor all diese kleinen Annehmlichkeiten zur praktischen Anwendung kommen, gilt es, sich den Diesel zu Gemüte zu führen. Das Triebwerk ist inzwischen angekommen in der Perfektion. Vibrationsarmer Lauf, zurückhaltender Spritverbrauch und gutes Durchzugsvermögen – was möchte man mehr. Flottenmanagement hat sich für den Blue dCi95 entschieden mit exakt so vielen Pferdestärken, wie die Modellbezeichnung verrät. Mehr Motor braucht man nicht, zumal die Ingenieure dem Vierzylinder das gut abgestufte Sechsgang-Getriebe mit auf den Weg geben, um im großen Gang mit niedrigen Drehzahlen dahinzuschippern. Um es auf abwechslungsreichen Straßenkombinationen dennoch fleißig zu bemühen, bedarf es dank leichtgängiger Bedienung sowie präziser Führung keiner großen Anstrengung. Und keine Sorge – die 1,5 Liter große Maschine zieht den Kangoo Rapid beflissen selbst steile Hänge hinauf ohne den Anflug von Müdigkeit. Auch auf der Autobahn zieht er souverän seine Touren. 

Ist man länger mit dem traditionsreichen Renault Kangoo unterwegs – immerhin seit fast einem viertel Jahrhundert auf dem Markt –, machen sich die kleinen Innovationen im Alltag bemerkbar. Nicht dass es neu wäre, den „analogen“ Rückspiegel (geht hier nicht wegen verblechter Rückseite) durch Kamera plus Bildschirm zu ersetzen. Allerdings sticht dieser durch seine ungewöhnlich brillante Qualität hervor. Die Spreu vom Weizen trennt sich indes erst bei Dunkelheit, da der Bildschirm noch immer eine außerordentlich hohe Bildgüte liefert – hiermit kann man arbeiten. Viele Ablagen im Innenraum unterstützen die Besatzung außerdem dabei, ständig anfallenden Kleinkram abzulegen. In dem Fach über dem Tacho gibt es nicht nur Platz für Kuli und Schreibzeug, sondern auch USB-Ports, um digital im Bilde zu bleiben. Immer wieder praktisch die typischerweise bei Renault zum Einsatz kommende Schubausführung des Handschuhfachs, in dem man A4-Dokumente so verstauen kann, dass sie nicht knicken. Mittelkonsole und Armaturen halten darüber hinaus weitere Ablagen bereit.

Weit fortgeschritten sind die kleinen Transporter mittlerweile auch beim Thema Infotainment. Klar werkelt hier ein zentraler Touchscreen, auf dem viele Fahrzeugfunktionen abgehandelt werden, und das Navigationssystem ist natürlich am Start. Allerdings setzt Renault auf einen gemischten Bediener-Style. Will heißen: Der Touchscreen ist Teil der Bedienung, aber kommt nur ergänzend zum Einsatz. Die mitfahrenden Personen müssen also nicht ins Menü einsteigen, um Luftstrom oder Temperatur zu verändern. Physische Tasten besitzt der Kangoo, um die Armada an Assistenzsystemen auszuschalten. Lautstärke oder den Tempomat kann der Fahrer bequem am Lenkrad regeln, ohne die Konzentration von der Straße richten zu müssen – ein Beitrag für die aktive Sicherheit. Für Sicherheit garantiert darüber hinaus die Smartphone-Integration mit der Möglichkeit, seine eigene Telefon-Oberfläche auf den Touchscreen zu spiegeln, damit man hinter dem Steuer die Finger vom Handy lässt. Klassisch bleibt der Kangoo bei den wichtigsten Anzeigen – Tempo und Drehzahl werden analog und mechanisch wiedergegeben.

Insgesamt ist der Kangoo ein angenehmer und praktischer Begleiter, der eine Europalette auch mal durch die seitliche Schiebetür schnupft. Durch die fehlende B-Säule ergibt sich nämlich eine Laderaumöffnung von 1,45 Metern. Features wie der komplett umklappbare Beifahrersitz oder die drehbare Trennwand machen den Franzosen noch ein Stück nützlicher. Unter Ausnutzung des kompletten Raums schluckt der mit 4,49 Metern Länge recht kompakt ausfallende Kombi 3.900 Liter Gepäck. Übrigens bietet er auch für Fahrer und Beifahrer ein bequemes Plätzchen, federt gut (beladen noch besser als leer) und ist rückenschonend dank optionaler Lendenwirbelstütze. Schön an diesem Fahrzeugsegment ist, dass sie den Kunden mehr Individualisierung erlauben – denn Dinge, die das Marketing im Pkw-Bereich quasi vorschreibt, sind hier wählbar. Wer der Meinung ist, er komme auch mit Stühlen ohne Rückenstütze aus, kann das so erhalten. Denn Geld ist im Transporterwesen ein sensibles Thema.

Mindestens 18.950 Euro netto kostet der Kangoo Rapid mit dem 95 PS starken Selbstzünder – hier sind Airbag, ein höhenverstellbarer Fahrersitz und Regensensor serienmäßig. Netto 2.500 Euro Mehrpreis muss man einkalkulieren, wenn der Innenraum klimatisiert werden und die Geschwindigkeit per Tempomat gehalten werden soll. In diesem Preis ist außerdem das praktische Feature der fehlenden B-Säule enthalten sowie ein Radio. Nicht jeder Kunde im gewerblichen Segment möchte über das verpflichtende elektronische Stabilitätsprogramm hinaus erweiterte Assistenzsysteme – kann sie aber bekommen. Gegen 1.490 Euro (netto) Aufpreis wandern autonome Notbremsung, Spurhalte-Warner, Totwinkelassistenz und Verkehrszeichen-Erkennung an Bord. Das komplette Infotainment-Paket gibt es je nach Line ab 750 Euro netto und enthält nicht nur den Elektroniklotsen, sondern auch die unabdingbare Bluetooth-Freisprechanlage. Modern und luxuriös wird der Kangoo Rapid mit Klimatisierungsautomatik (500 Euro netto) und LED-Scheinwerfern zu 450 Euro netto.