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Nun gibt es ganz sicher keinen Zweifel daran, dass sich das weltweite Klima verändert hat und dass der Mensch maßgeblich diesen Wandel ausgelöst hat, wenngleich es die genannten Katastrophen schon immer gab. Dennoch: Maßnahmen zur Eindämmung von Schadstoffausstoß und Reduzierung schädlicher Klimagase sind grundsätzlich nicht verkehrt. Wenn hierzu finanzielle Mittel für Investitionen in entsprechende Maßnahmen via Steuern und Abgaben generiert werden müssen, dann ist auch das zunächst einmal nur logisch. Wenn allerdings die eingesammelten Gelder nicht adäquat verwendet werden, dann stimmt etwas nicht. Treue Leser konnten einem früheren Beitrag von mir über die Kfz-Steuer entnehmen, dass diese bereits für Fahrzeuge mit Erstzulassung ab dem 1. Juli 2009 auch den CO2-Ausstoß einbezieht und Pkw je nach Höhe der Emissionen mehr oder weniger belastet. Seit Jahresbeginn wird nun eine CO2-Abgabe unter anderem auf Kraftstoffe erhoben, was den Autofahrer nun doppelt belastet. Immer wieder wurde vor der Einführung betont, dass diese Abgabe aufkommensneutral sei und man den Bürger auf der Gegenseite unter anderem über die Senkung der EEG-Zulage beim Strompreis entlasten würde. Eine Entlastung ist bislang nicht erfolgt. Im Gegenteil: Die ohnehin schon hohen Strompreise sind weiter gestiegen.

Ganz nebenbei: Bereits 2020 hatte Deutschland laut Statista die höchsten Strompreise … weltweit! Gleichzeitig soll aber mit aller Gewalt die Elektromobilität vorangetrieben werden. Damit nicht genug. Leider leben wir klimatechnisch in den sogenannten gemäßigten Breiten. Die geografische Lage zwingt uns also in kälteren Jahreszeiten zum Beheizen unserer Wohnräume … Schwupps, schon schlägt die CO2-Abgabe wieder zu. Wer erst kürzlich Heizöl nachgetankt hat, wird das sicher schluchzend bestätigen. Als klimafreundliche Alternative wird zum Beispiel die Wärmepumpe stark beworben. Die Krux hierbei: Je nach Kälte kann die Wärmepumpe den Wärmebedarf nicht decken. Nun raten Sie doch mal, wie dann die fehlende Wärme produziert wird. Richtig. Mit Strom. Viele private Haushalte, die bereits ihre Wärmeversorgung über die Wärmepumpe nutzen, haben sich beim Blick auf die Stromrechnung deswegen verwundert die Augen gerieben. Dringend erforderliche Strompreissenkungen? Sind nicht abzusehen.

Kehren wir zum Automobil – schließlich ist „Flottenmanagement“ auch ein Automagazin – wieder zurück. Es gibt schon heute alternative Kraftstoffe, deren Einsatz ohne größere Umrüstaktionen möglich wäre und den CO2-Ausstoß sehr kurzfristig deutlich reduzieren würde. Beispiele gefällig? Autogas oder auch LPG: 10 bis 30 Prozent geringerer CO2-Ausstoß als bei Benzin. Nebenbei entstehen bei der Verbrennung keine Rußpartikel. Die Stickoxidemissionen sind gegenüber Benzin um 20 Prozent und gegenüber Diesel sogar um mehr als 95 Prozent niedriger. Erdgas: 35 Prozent geringerer CO2-Ausstoß als bei Benzin und insgesamt bis zu 95 Prozent weniger Luftschadstoffe. Bioethanol (auch bekannt als E85): mehrverbrauchsbereinigt bis zu 70 Prozent weniger CO2. Bioethanol kann übrigens bei FFV oder FlexFuel-Motoren ohne Umrüstung eingesetzt werden. Neben der Gemeinsamkeit, dass die genannten Beispiele zur CO2-Senkung beitragen würden, teilen alle drei ein Schicksal: die sinkende Förderung durch den Staat.

Dabei könnte man auch hier Anreize liefern und einen Teil der eingenommenen CO2-Abgaben für die weitere Förderung verwenden. Stattdessen steigen auch die Abgabepreise an den Zapfsäulen immer weiter, wobei in Deutschland E85 ohnehin nur noch eine Nebenrolle spielt. Bei unseren französischen Nachbarn ist E85 teilweise sogar an Supermarkttankstellen erhältlich. Aktueller Literpreis (Stand 04.09.21): 0,669 Euro. Was dabei technisch möglich ist, hat die (leider verblichene Marke) Saab schon Anfang der 2000er gezeigt. Ein Saab 9-3 oder 9-5 mit 1.8t-Biopower- Motor und 150 PS konnte E85 ab 2003 problemlos tanken. Durch die geringere spezifische Energiedichte erhöhte sich zwar der Verbrauch um 20 Prozent, aber der CO2-Ausstoß sank gegenüber Benzin dennoch um 70 Prozent und die Leistung stieg sogar auf 175 PS. Ähnliches galt für die später eingesetzten 2.0t-Biopower-Motoren mit 175 PS, die dann auf stramme 200 PS kamen. Beispiele, die zeigen, dass man schon heute mit alternativen Kraftstoffen ohne größere technische Veränderungen CO2 sparen könnte.

Stattdessen fokussiert man sich auf die Elektromobilität, die sicher die Lokalemissionen senkt, in der Gesamt-Ökobilanz aber alles andere als rosig dasteht. Verschwiegen werden die Schadstoffentstehung bei der Produktion und die umwelttechnisch fragwürdige Herstellung der Akkus mit den hierfür kritischen und umweltbelastenden Komponenten (siehe Lithium) und der ungeklärten Entsorgung der Batterien an deren Lebensende. Wird hierfür am Ende vielleicht auch die CO2-Abgabe zur teilweisen Deckung der Entsorgungskosten verwendet? Fakt ist: Die CO2-Abgabe hat Energie bislang drastisch verteuert, weil eben nicht nur der reine CO2-Preis aufgeschlagen wurde. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Benzin kostet im Vergleich zum Vorjahr etwa 30 Prozent oder etwas über 30 Cent mehr pro Liter. Unverblümt wurde der deutlich höhere Preis an der Zapfsäule mit der erfolgten Erhöhung der Mehrwertsteuer begründet, obwohl die vorher erfolgte Senkung übrigens nicht weitergegeben wurde (oder haben Sie davon etwas gemerkt?).

Auch der gestiegene Ölpreis musste wieder herhalten, wenngleich der Euro gegenüber dem US-Dollar stärker geworden ist. Autogas, das weiß ich aus eigener Erfahrung, hat um 20 bis 25 Prozent zugelegt. Hier waren neben der CO2-Abgabe und der Absenkung der Subvention ebenfalls die Mehrwertsteuererhöhung und der Ölpreis die Übeltäter. Und darf man den Nachrichten ausnahmsweise mal glauben, ist das erst der Anfang. Man darf gespannt sein, welche steuerlichen Auswirkungen der Klimawandel nach der Bundestagswahl haben wird. In diesem Zusammenhang, liebe Politikerinnen und Politiker: Hört doch bitte mit der Verdummdeubelei der Bevölkerung auf! Wenn Steuern und Abgaben aufkommensneutral sein sollen und der Verbraucher hier nicht mehr belastet wird, weil ja an anderer Seite in gleichem Maße eine Entlastung erfolgen soll, warum führt man sie dann überhaupt ein?

 

AUTOR

Peter Insam ist seit rund 30 Jahren im Einkauf für Betriebsmittel und Investitionsgüter unterwegs, von denen er seit mehr als 25 Jahren die Geschicke verschiedener nationaler und internationaler Fuhrparks gelenkt hat. Heute ist er als Head of Corporate Procurement und zwischenzeitlich auch als Prokurist unter anderem für die knapp 700 Firmenfahrzeuge der Hays AG verantwortlich. Zuvor war er rund zehn Jahre für den Einkauf von Betriebsmitteln und Investitionsgütern für den Medizintechnik-Hersteller Maquet GmbH in Rastatt tätig. Hierzu gehörte auch die Leitung des Fuhrparks mit 350 Fahrzeugen am Standort Rastatt. Darüber hinaus sammelte er zahlreiche Erfahrungen im Rahmen von Auslandsaufenthalten in Frankreich und Australien.