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Zuerst einmal: Saisonale Reifen haben ihre Berechtigung, das sei unbestritten. Ihre Profile und ihre Gummimischungen sind auf die jeweiligen Witterungen ausgerichtet. Das bedeutet verkürzt: Sommerreifen verfügen über steife Profilblöcke und mehrere breite Längsrillen, um bei Nässe viel Wasser aufnehmen zu können. Bei Winterpneus sorgen feine Lamellen für Grip auf Schnee und Eis, weicheres Gummi gewährleistet Fahrstabilität und kurze Bremswege bei niedrigen Temperaturen. Ganzjahresreifen wollen beide Ausrichtungen vereinen sowohl mit feinen Lamellen als auch mit breiten Längsrillen sowie einer Gummimischung, die Temperaturen von minus 30 bis plus 40 Grad abdeckt. Zudem punkten sie mit geringem Rollwiderstand und niedriger Geräuschentwicklung. Dass dies selbstverständlich nur auf einen Kompromiss hinauslaufen kann und dass für die jeweiligen Bereiche jenseits der goldenen Mitte die saisonale Bereifung die sicherere Lösung ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Niemand kann die Bestleistungen der jeweiligen saisonalen Pneus vereint in Ganzjahresreifen erwarten. Allerdings gilt solch ein Allrounder als Winterreifen, der verglichen mit Letzterem eine bessere Performance im Sommer leistet. Somit spricht schon einiges für den Einsatz von Allwetterreifen, die ja seit ihrer Einführung vor rund 40 Jahren beständig verbessert und an aktuelle klimatische und umweltschutztechnische Anforderungen angepasst werden. Gemäß vielen Preislisten der Fahrzeughersteller können übrigens Neuwagen direkt mit Ganzjahresreifen bestellt und ausgeliefert werden.

Ganzjahresreifen empfehlen sich vor allem für Städte und Ballungsräume mit gemäßigtem Klima, dort ebenfalls für Fahrzeuge im Lieferverkehr. „Jeder vierte verkaufte Reifen für Pkw und Transporter ist mittlerweile ein Ganzjahresreifen. Besonders bei gewerblich genutzten Leicht-Lkw wie zum Beispiel Handwerkerfahrzeugen und Lieferfahrzeugen ist die Nachfrage hoch“, kommentiert Michael Schwämmlein, Geschäftsführer Technik beim Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e. V. (BRV), auf dem Portal Gummibereifung. Auch bei Klein- und Kompaktwagen mit geringer Motorisierung und niedriger Kilometerlaufleistung befürwortet der BRV den Einsatz von Allwetterbereifung. Der Verband bestätigt, dass hinsichtlich der Performance Ganzjahresreifen „zwar unter der von Winterreifen liegen, allerdings zum Teil nur geringfügig, sodass Ganzjahresreifen damit eigentlich fast recht passable Winterreifen sind“. Voraussetzung dafür ist die M+S-Kennzeichnung beziehungsweise das Schneeflockensymbol im dreigezackten Berg, das alle Produkte in der Übersicht (siehe Tabelle Seite 78) aufweisen. Der ADAC weist auf seiner Website darauf hin, dass der Geschwindigkeitsindex von Ganzjahresreifen deshalb unter dem Wert für die Fahrzeughöchstgeschwindigkeit liegen darf. In solch einem Fall muss ein Aufkleber im Fahrsichtfeld an die geringere Höchstgeschwindigkeit erinnern. Alternativ kann auch ein Geschwindigkeitsbegrenzer mit entsprechender Displayanzeige eingestellt werden. Einschlägige Testzeitschriften halten zudem aktuelle Ergebnisse von Praxistests vor. Interessant sind hier vor allem solche in Bezug auf Bremsverhalten bei Nässe oder Trockenheit. Hierüber lassen sich die Ganzjahresreifen finden, die am besten zum Fahrprofil passen.

Im Vergleich zu reinen Sommerreifen liegt die Performance von Ganzjahresreifen – und hier insbesondere bezogen auf das Bremsverhalten auf trockener Straße – allerdings zum Teil deutlich unter der reinen Sommerware. Was die Wirtschaftlichkeit angeht, entfällt bei den Allwetterprodukten auf jeden Fall der halbjährliche Aufwand des Wechsels inklusive Einlagerung. Nach Angaben des BRV müssen in Bezug auf Anschaffungskosten und Laufleistungen bei Ganzjahresreifen höhere Kosten und niedrigere Kilometerlaufleistungen jeweils im Bereich von 30 Prozent im Vergleich zur Kombination von Sommer- und Winterbereifung einkalkuliert werden. Das Einsparungspotenziale ist somit geringer als angenommen.

Fazit: Noch fällt der Ganzjahresreifen leider nicht in die Kategorie Alleskönner. Wer jedoch die Voraussetzungen für den Einsatz von Allwetterpneus beachtet, geht einen guten Kompromiss ein, auch wenn er weniger kostensparend als komfortabel ist durch den geringeren Aufwand. In der Auswahl der Premium- und Qualitätsreifenhersteller findet sich mittlerweile eine passable Auswahl an Produkten mit unzähligen Größenkombinationen für unterschiedliche Ansprüche und sämtliche Fahrzeugmodelle. Experten raten in jedem Fall dazu, die Räder mindestens einmal jährlich prüfen zu lassen, um in Bezug auf Profil, Schäden und Sensoren alle Sicherheitsaspekte verantwortungsvoll überwacht zu haben. Aufgrund schnellerer Abnutzung bei höheren Temperaturen sollte unbedingt die Profiltiefe im Blick behalten werden: Denn ein schwindendes Profil erhöht die Gefahr von Aquaplaning und vermindert den Grip auf Schnee und Eis. Doch nicht zuletzt steht über allem die den Witterungsbedingungen angepasste Fahrweise, um stets sicher anzukommen.