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Flottenmanagement: Ihr Führerscheinkontrollsystem DriversCheck gibt es nun seit rund acht Jahren. Welche Situation auf dem Flottenmarkt hat Sie zur Entwicklung des Systems damals gebracht? 

Richard Gandlau: Aus unserer Erfahrung in der Flottenbranche wissen wir, dass der Fuhrparkentscheider bestimmt, welche Dienstleistungen genutzt werden. Aber gerade im Zuge der Digitalisierung fällt dem Dienstwagenfahrer ein größerer Einfluss zu, weil aus der individuellen Nutzererfahrung heraus entschieden wird, wie anwenderfreundlich ein Service tatsächlich ist. Mit der Erkenntnis, dass Dienstleistungen im Bereich Führerscheinkontrolle 2013 ein enormes digitales Optimierungspotenzial besaßen, haben wir uns zur Entwicklung von DriversCheck entschlossen. 

Claus Wollnik: Wir waren damals die Ersten, die auf ein volldigitales System zur Führerscheinkontrolle gesetzt haben. Nicht ohne belächelt zu werden: Häufig hörten wir, der Markt sei noch nicht reif für eine rein App-basierte Lösung. Unserer Überzeugung nach eigneten sich Smartphones bestens. Mit unserem Ansatz hatten wir von Beginn an einen akzeptablen Erfolg und in den Jahren danach ein extremes Wachstum. Denn der Markt entwickelte sich genau wie von uns erwartet, Kunden fragten digitale Lösungen immer stärker nach. Letztlich sind wir auch dadurch bestärkt worden, dass unsere Wettbewerber versuchten nachzuziehen. Vor acht Jahren haben wir die Vorreiterrolle eingenommen, den Markt maßgeblich beeinflusst und unser Mut wurde schließlich belohnt. 

Richard Gandlau: Unsere Idee, die Lücke im Markt innovationsträchtig zu besetzen, um den Prozess der Führerscheinkontrolle orts- und zeitunabhängig möglich zu machen, ging auf. Rund sechs Jahre nach Einführung des ersten iPhones hatten sich Nutzer daran gewöhnt Alltagsaufgaben mit dem Smartphone zu erledigen – viel mehr noch: Es wurde erwartet, dass es einen smarten Weg gibt. Die Zeit war reif für eine disruptive Innovation durch DriversCheck. Allerdings hatten wir auch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten, insbesondere in Bezug auf juristische Fragen. Wir mussten die Brücke bauen zwischen dem, was juristisch notwendig ist, und dem Technischen: dass es da ein optisches Verfahren gibt, das wie unsere Augen funktioniert, das den Führerschein sieht, wie ihn die Augen auch sehen. Viele Rechtsgutachten bestätigten uns die Konformität des Systems, trotzdem haben wir immer wieder Skepsis erlebt. Unsere Überzeugung, die Führerscheinkontrolle schneller, nutzerfreundlicher und kosteneffizienter zu machen und dabei die Halterpflichten vollumfänglich zu erfüllen, hat uns dazu gebracht, DriversCheck mit allen Kräften am Markt zu etablieren. Corona hat uns jetzt zusätzlich in die Karten gespielt, denn in den Lockdownphasen sollten die Nutzer ja Mobilität vermeiden, und somit erweist sich die ortsunabhängige Führerscheinkontrolle als sehr nützlich. 

Flottenmanagement: Beschreiben Sie doch bitte die Meilensteine und Ereignisse, mit denen Ihr Produkt DriversCheck zur Marke und nun auch zum Unternehmensnamen geworden ist. Wie hat sich der Markt seitdem verändert und mit welchen Anpassungen haben Sie reagiert? 

Claus Wollnik: Am Anfang stand die Frage, ob wir einen eigenen Vertrieb aufbauen oder auf Reseller, wie Leasing- und Fuhrparkmanagementgesellschaften als Multiplikatoren setzen und diese unsere Produkte vertreiben beziehungsweise unsere Lösung in ihre integrieren. Wir arbeiten erfolgreich mit beiden Wegen. Bis heute betrachten wir den indirekten Vertrieb als einen der entscheidenden Erfolgshebel, da wir darüber stark skalieren. Dass mehrere der größten Softwareunternehmen in Deutschland, darunter Microsoft, schon früh unsere Lösung für ihre Prozesse nutzen wollten, war für uns ein Ritterschlag, hat uns stolz gemacht und unseren Weg bestätigt.

Richard Gandlau: 2015 hat sich die LeasePlan für unsere Lösung DriversCheck als Dienstleistungsmodul entschieden. Damit hatten wir auf einen Schlag 1.000 Nutzer mehr und eine ganz neue Herausforderung. Wenn wir über Meilensteine sprechen, müssen wir auch sagen, dass wir in den letzten acht Jahren permanent dazugelernt haben – mit und von unseren Kunden. Das heutige Produkt ist das Ergebnis von Kundenwünschen wie der Anbindung von Abrechnungssystemen und ERP-Systemen zum einfachen Nutzerdatenabgleich, einer geschickteren Umsetzung der Ersterfassung sowie der Integration weiterer Themen der Halterhaftung. Diese Themen haben wir nicht vollständig neu erfunden, sondern wollten sie einfacher nutzbar machen, was wir unter anderem in Kooperation mit namhaften Partnern wie der DEKRA erreichen konnten. Dadurch waren wir nicht nur die Ersten mit einer volldigitalen Führerscheinkontrolle. Wir waren auch einen Schritt voraus, als wir 2017 die UVV-Fahrzeugkontrolle als Modul unseres digitalen Lösungspaketes anbieten konnten. DriversCheck ist früh zu mehr geworden als eine reine Lösung zur Führerscheinkontrolle. Es erfüllt ganzheitlich alle Themen der Halterhaftung und macht unseren Kunden damit das Leben einfacher. Damit haben wir uns endgültig aus der Nische bewegt. Heute nutzen rund 250.000 Fahrer aus verschiedensten Fuhrparkgrößen unsere Lösung.

Flottenmanagement: Welche Überlegungen haben zur Umbenennung zu DriversCheck GmbH geführt und wie wollen Sie den neuen Namen nun in die Breite tragen? 

Richard Gandlau: Zum Zeitpunkt der Gründung, hatte der doch eher sperrige Name Wollnik & Gandlau Systems pragmatische Gründe: Das Machen stand im Mittelpunkt. Unter dem damaligen Namen wollten wir außerdem einer breiten Aufstellung Raum lassen, um gegebenenfalls Produkte außerhalb des Bereichs Halterhaftung zu vermarkten. Doch die Spezialisierung auf ein Produkt hat sich definitiv gelohnt. Bis heute sind wir mit dem Produkt DriversCheck auf eine Größe angewachsen, die wir uns damals nicht erträumt hatten. Mit dem Firmennamen DriversCheck wollen wir unseren Kunden jetzt mit einer konsequenten Markenbildungsstrategie zeigen, was unser Erfolgsprodukt ist. Wir befinden uns nach acht Jahren Marktpräsenz in der komfortablen Situation, dass der Produktname bereits etabliert ist. Unsere Aufgabe besteht nun darin, die Marke DriversCheck noch weiter zu stärken.

Flottenmanagement: Wie sieht der Weg von DriversCheck in die Zukunft aus? Welche Bedeutung werden Complianceaufgaben im Fuhrparkmanagement, auch über die Grenzen Deutschlands hinweg, einnehmen und wie wird sich DriversCheck daran anpassen beziehungsweise auch hierbei eine Führungsrolle übernehmen?

Claus Wollnik: Uns ist wichtig, dass wir immer aktuell aufgestellt sind. Beispielsweise kaufen wir regelmäßig den neuesten Content für Online- Schulungen bei der DEKRA zu, die wir als führend bei Sicherheitsfragen und -inhalten betrachten. Damit können wir eine zeitgemäße Kombination von Eigenentwicklungen und Zukäufen anbieten. Die engmaschige Verknüpfung von Vertrieb und Entwicklung hilft uns, unsere Vorreiterrolle beizubehalten. Eine Neuerung, die durch Corona stark in den Vordergrund getreten ist, betrifft die Ersterfassung. Da der Führerschein einmalig im Original in Augenschein genommen werden muss und dies im Lockdown zu Zielkonflikten geführt hat, haben wir mit einem Partner für diesen Vorgang ein Video-Ident-Verfahren etabliert. Mit dieser Art der Ersterfassung können wir unseren Prozess noch reifer, nahezu vollautomatisiert gestalten und damit die letzten Prozessbrüche eliminieren. Wir profitieren sehr davon, dass die technischen Geräte wesentlich leistungsfähiger geworden sind und dass die Entwicklung im Bereich der künstlichen Intelligenz voranschreitet. All das wird unser Produkt in Zukunft anreichern und dafür sorgen, dass wir den Innovationsgrad, den wir vorgelegt haben, auch weiter halten können.

Richard Gandlau: Internationalisierung bleibt ein Thema, doch derzeit fußt unsere Dienstleistung ausschließlich auf deutscher Rechtsprechung. Compliance erhält aber eine zunehmende Bedeutung im europäischen Markt. Derzeit nutzen Unternehmen DriversCheck auch im Ausland, doch das sind in der Regel Fuhrparks mit Konzernsitz in Deutschland. Unsere Applikation lässt sich bei Bedarf jederzeit international ausrollen – gerade weil sie ortsunabhängig funktioniert. Darüber hinaus konzentrieren wir uns auf die Auswirkungen allgemeiner Trends der Branche. Dazu haben wir zum Beispiel unser Angebot zur Fahrerunterweisung speziell mit Blick auf alternative Antriebe erweitert. Ein weiteres Thema für die Weiterentwicklung ist eine noch stärkere Modularisierung unserer Lösung. Mit dem jüngsten Update haben wir die Integrierbarkeit enorm vereinfacht. Jede Drittanbieter- App kann DriversCheck nun mühelos in das eigene Angebot integrieren. Auf diese Weise profitieren Nutzer von einem besseren Erlebnis und Reseller sowie Partner von einer noch einfacheren Implementierung. So benötigen Nutzer in diesem Fall zum Beispiel keine weiteren Zugangsdaten und nutzen DriversCheck ohne Umweg aus Apps von Leasing- und Fuhrparkmanagementgesellschaften. Zukünftige Entwicklungen werden maßgeblich vom Feedback unserer Nutzer abhängen. Auf dieser Grundlage entwickeln wir DriversCheck konsequent weiter, um an den Erfolg der letzten Jahre anzuschließen.