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Full-Service-Leasing ist auch deshalb in Flotten so beliebt, weil Unternehmen bei der Bestellung von neuen Dienstwagen keinerlei Restwertrisiko für den Zeitpunkt der Rückgabe in ein paar Jahren eingehen. Das kalkulieren Leasinggesellschaften insofern ein, dass sie gutverkäufliche Fahrzeuge höher bewerten – so wie es auch der Aufkäufermarkt macht – und deshalb mit niedrigen Raten berechnen, alles unter anderem Mathematik. Letztlich besteht eine Leasingrate aus dem monatlichen Anteil des Anschaffungspreises abzüglich einer möglichen Anzahlung und des Restwerts, aus einem Ausgleich des Wertverlusts während der Leasingzeit, aus Zinsen, Verwaltungskosten, Gewerbeertragsteuer und dem Gewinn, den der Leasinggeber einnimmt (Quelle: www.wirtschaftslexikon.co).

Doch wie kommt der Leasingnehmer zu restwertstabilen Raten? Dazu haben wir namhafte Leasinggesellschaften befragt und fassen hier ihre Empfehlungen zusammen. Der Grundtenor lautet bei allen: Der Dienstwagen sollte eine dem Segment angemessene und gängige Ausstattung haben und diese sollte ebenfalls der Motorisierung angepasst gewählt werden. „Ausstattungsmerkmale, die den Komfort und die Sicherheit der Fahrzeuge erhöhen, sind grundsätzlich positiv zu bewerten, darüber hinaus bereits oft in den Policys vorgegeben. Zudem ist darauf zu achten, sich auf die wirklich wichtigen Ausstattungsmerkmale des Fahrzeuges wie beispielsweise ein großes Navigationssystem, ein Winterpaket, Spurhalteassistenten oder dergleichen zu achten“, rät Jochen Seitz, Geschäftsführer der Raiffeisen-IMPULS Fuhrparkmanagement GmbH & Co. KG. Die jeweils meist gewählte Ausstattung am Markt verkauft sich generell später als Gebrauchtwagen am besten, stellt Armin Villinger, Generalbevollmächtigter und Leiter Vertrieb Deutschland der Volkswagen Leasing GmbH, fest. Gleiches ist auch ratsam für die Wahl der Motorisierung. Diese wiederum sollte ebenfalls zum Segment passen, also nicht zu stark und nicht zu schwach sein. Diesel gilt noch als der Antrieb der Wahl, vor allem für Vielfahrer. Mit der Zeit hat sich dessen Restwert auf deutlich niedrigerem Niveau stabilisiert. Sondereinbauten und Ausstattungen für spezielle Kundengruppen können sich positiv oder negativ auf den Restwertverlauf auswirken. „Insbesondere im Segment der Nutzfahrzeuge haben branchenindividuelle Einbauten wie Kühlfahrzeuge, Steiger et cetera starken Einfluss auf den Absatzkanal und Wiederverkaufswert“, ergänzt Villinger seine Feststellungen.

Transporter 
Das Arval Mobility Observatory 2021 zeigt: Mit 67 Prozent machen Transporter einen großen Teil deutscher Flotten aus. Gerade für Handwerker, Techniker oder Lieferanten stellen ihre Fahrzeuge nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern oft auch Büro, Werkstatt und Pausenraum dar. Daher gelten heutzutage auch für Transporter ähnliche Ausstattungsanforderungen wie für Pkw. Klimaanlage, Navigationsgerät und Sitzheizung sind hier ebenfalls unerlässlich. „Bei leichten Nutzfahrzeugen galt lange Zeit eine emotionslose und Kosten-Nutzen-orientierte Wahl der Ausstattung. Dies hat sich allerdings in den letzten Jahren stark gewandelt“, merkt Martin Peters, Prokurist und Director Remarketing Services bei der ARI Fleet Germany GmbH, an. „Heute halten auch hier moderne Fahrerassistenzsysteme und vernetzte Infotainmentsysteme Einzug. Ebenso wählt man auch eine hohe komfortorientierte Ausstattung wie Klimaautomatik, Automatikgetriebe, Trittstufen oder anschwenkbare Heckflügeltüren. Bezüglich der Ausbauten und Branchenlösungen gibt es heute nahezu kein Nutzfahrzeug mehr, welches nicht in irgendeiner Form einen Ausbau oder eine spezielle Branchenlösung beinhaltet. Das Thema Ladungssicherung und Schutz des Personals gewinnt seit Jahren auch immer mehr an Bedeutung“, weiß der Experte. Eine Übersicht über die restwertoptimale Ausstattung von 15 verschiedenen Fahrzeugklassen findet der Interessent komprimiert im „Fuhrpark Knowhow“ bei LeasePlan (www.leaseplan.com/de-de/fuhrpark-knowhow/).

Elektrofahrzeuge 
Immer noch als Neuland gelten Elektrofahrzeuge, wenn man deren Restwert betrachtet. Katharina Schmidt, Head of Consulting & Arval Mobility Observatory & Leitung Fuhrpark bei Arval, äußert sich zurückhaltend: „Nach wie vor ist die aktuelle Beurteilung von E-Fahrzeugen herausfordernd, da in diesem Bereich noch keine großen Markterfahrungen vorgewiesen werden können. Zudem ist die Nachfrage nach gebrauchten E-Fahrzeugen ebenso erst im Wachstum wie die nach Neufahrzeugen. Für verlässliche statistische Analysen wird es noch Zeit brauchen, fest steht aber jetzt schon: Aufgrund der limitierten Förderung gebrauchter Elektrofahrzeuge und der zeitgleich sehr hohen Förderung für neuwertige EVs durch den Staat stehen die Preise für E-Gebrauchtwagen stark unter Druck.“ Bisher galten Elektrofahrzeuge als relativ restwertstabil, weil die Nachfrage am Markt deutlich höher war als das Angebot, bewertet Dr. Hubertus Mersmann, Mitglied der Geschäftsleitung Deutsche Leasing AG, Geschäftsfeld Mobility, die Situation. Dies habe sich einerseits durch die Modelloffensive der Fahrzeughersteller und andererseits durch die zahlreichen Förderprogramme geändert. Diese wirken sich bei Elektrofahrzeugen aktuell restwertsenkend aus, gerade bei kleineren Fahrzeugklassen wie Kleinst- und Kleinwagen, kleinen SUV oder der Kompaktklasse, bei denen die Prämien einen relativ hohen Förderanteil ausmachen. Trotzdem sprechen sich die Leasingexperten für gewisse Maßgaben bei der Konfiguration von Elektrofahrzeugen aus. Das betrifft insbesondere die Batterieleistung, wo sie wählbar ist. „Aufgrund der laufenden Weiterentwicklung der Batterietechnologie mit immer robusteren Akkus mit größeren Kapazitäten zu geringeren Preisen sind die Restwerte bei kürzeren Vertragslaufzeiten verhältnismäßig höher einzuschätzen. Grundsätzlich sollten die Fahrzeuge über möglichst große Akkus verfügen, die eine entsprechende Reichweite sicherstellen. Dies ist das A und O bei den Restwerten“, urteilt Dr. Mersmann. Auch den Ladezeiten wird künftig eine immer wichtigere Rolle beigemessen, die sich auf den Restwert auswirkt.

Car-Policy und -Konfiguratoren 
Generelle Vorgaben bezüglich einer restwertstabilisierenden Fahrzeugausstattung und -motorisierung sollten Unternehmen bereits in der Car-Policy festlegen und in den den Nutzern zur Verfügung gestellten Konfiguratoren abbilden. Gleichzeitig sollten sie in regelmäßigen Abständen überprüft und angepasst werden. Hierbei helfen die Leasinggesellschaften mit einer marktaktuellen Analyse und Beratung. Eine Mindestausstattung von Komfort- und Sicherheitsfeatures lässt sich beispielsweise durch die Vorgabe von bestimmten Businesspaketen sicherstellen, die zudem rabattiert sein können und dadurch eine moderatere Erhöhung des Listenpreises und damit der Versteuerung bewirken.

Wiedervermarktung 
Die Garantie für gute Restwerte gewährleisten die Fahrzeugfinanzierer in der Regel durch eigene Vermarktungskanäle wie Tochterfirmen oder Aufkäufernetzwerke, die auf den revisionssicheren Weiterverkauf von Flottenfahrzeugen spezialisiert sind. ARI Fleet nutzt ein eigenes B2B-Vermarktungsportal unter www.ari-remarketing.de. Arval stützt sich auf die eigene Verkaufsplattform MotorTrade, über die der Leasinggeber im Jahr circa 20.000 Fahrzeuge in Deutschland und weltweit sogar über 250.000 verkauft. Zusätzlich bietet er einen Direktverkauf an Fahrer nach Ende der Laufzeit. Bei der Deutschen Leasing nutzt man mit AutoExpo die eigene gut etablierte Vermarktungsplattform. Diese veräußert über 12.000 Fahrzeuge jährlich über verschiedene Vertriebskanäle an Großhändler, Kleinhändler und Privatpersonen im In- und Ausland. Zu diesen Kanälen zählen das eigene AutoExpo-Portal, die üblichen Retail-Vermarktungsplattformen und auch (Online-)Auktionen. Auktionen bieten sich insbesondere für bestimmte Fahrzeugtypen oder Fahrzeuge in einem bestimmten Zustand, zum Beispiel Unfallfahrzeuge, an. LeasePlan nutzt CarNext als paneuropäischen digitalen Marktplatz für hochwertige Gebrauchtwagen. Die Fahrzeuge werden komplett online oder in einer CarNext-Filiale verkauft. CarNext betreibt außerdem eine B2B-Online-Auktionsplattform für professionelle Käufer. Volkswagen Leasing veräußert seine Leasingrückläufer entweder über den Volkswagen Konzernhandel oder direkt über die Volkswagen Financial Services. Bei der Direktvermarktung setzt das Unternehmen auf eine breite nationale und internationale Vermarktungsstrategie.