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Im Klischee ist ja vielleicht auch manchmal ein bisschen Wahrheit enthalten. Wer etwas für die Umwelt tun und Ressourcen schonen will, sollte nicht unbedingt zum SUV greifen. Andererseits: Ein Auto muss auch einen gewissen Nutzwert bieten, man möchte ja schließlich auch mal mit mehreren Personen samt Gepäck auf Reise gehen. Früher haben die Menschen Vans geschätzt, jetzt hat sich die Mode nun einmal geändert – und SUV sind in den Fokus der Kunden geraten, die besonders hohen Wert auf praktischen Nutzen legen. Auch das Flottenranking spiegelt diese Entwicklung wider, kein einziger Van befindet sich mehr unter den 60 am meisten nachgefragten Fahrzeugen in den echten gewerblichen Zulassungen. Doch brauchen klassengleiche SUV eigentlich so viel mehr Kraftstoff als ihre Limousinen-Pendants? Zumal auf der Habenseite ja auch mehr Nutzwert geboten wird, was man keineswegs außer Acht lassen darf. Flottenmanagement hat die Probe aufs Exempel gemacht und einige relevante Fahrzeuge nach den Kriterien Abmessung, Kofferraumvolumen, Preis, Verbrauch und Zuladung untersucht.

Einer der Topseller in der Flotte ist natürlich der Volkswagen Golf. Er ist der Allrounder schlechthin, ist mit viel Technik lieferbar und natürlich sparsamen Motoren. Da wäre als Alternative aber auch noch das SUV Tiguan. Ein Golf Variant mit 150 PS starkem Dieselmotor und Automatik kostet netto 31.160 Euro und verbraucht kombiniert vier Liter Dieselkraftstoff je 100 Kilometer. Das Fahrzeug wiegt 1.520 Kilogramm und darf 540 Kilogramm mitnehmen. Das maximale Laderaumvolumen beläuft sich auf 1.642 Liter – allerdings misst der Golf Variant auch 4,63 Meter in der Außenlänge und ist damit kein kleines Auto mehr. Vergleicht man ihn mit dem Tiguan, ist der Golf auf den ersten Blick die teurere Offerte. Das gleich starke SUV mit Automatik kostet nämlich nur 30.370 Euro netto und misst 4,51 Meter in der Länge, baut also etwas kompakter. Der Verbrauch rangiert mit 4,5 Litern natürlich höher, über diese Mehrkosten muss sich der Fuhrparkmanager bewusst sein. Allerdings werden diese Mehrkosten bei der Dienstwagensteuer wieder leicht abgemildert aufgrund der günstigeren Anschaffung. Das Leergewicht beträgt 1.631 Kilogramm. Mit einer Zuladung von 459 Kilogramm geben sich die beiden Modelle nicht viel, allerdings fasst der Kofferraum des Tiguan mit 1.655 Litern mehr Gepäck bei geringerer Außenlänge, was für ihn spricht. Er ist das höhere, aber kürzere Fahrzeug, was in der Kombination attraktiv ist – vor allem bei der Parkplatzsuche. Beide Fahrzeuge sind sparsam, was mit dem Effizienzlabel A+ respektive A auch bekundet wird, aber besitzen eine andere Ausrichtung; so hat auch der Tiguan seine Berechtigung und ist mitnichten ein Umweltsünder angesichts seines niedrigen Verbrauchs.

Vollständigkeitshalber sei erwähnt, dass ein gesellschaftlich weit weniger geächteter Touran mit 4,4 Litern Diesel (ebenfalls 150 PS TDI mit Automatik) ziemlich genau auf dem Verbrauchslevel des Tiguan rangiert. 

Ein weiteres schönes Beispiel sind Renault Clio und Captur – beide lassen sich der Kleinwagen-Kategorie zuordnen. Im Unterschied zur Volkswagen-Kompaktklasse bietet Renault in diesem Segment allerdings gar keinen Kombi an – hier fällt also der Unterschied in der Praxistauglichkeit drastischer aus. Wer den Captur wählt, muss indes ein bisschen tiefer in die Tasche greifen. So ist der Clio mit dem 91 PS starken Einliter-Dreizylinder-Benzinmotor ab netto 14.874 Euro zu haben, während der Captur mit gleicher Maschine mindestens 18.109 Euro netto erfordert. Dafür bietet das SUV einiges an Ausstattung mehr, darunter beispielsweise Einparkhilfe und schlüsselloses Schließsystem. Vor allem aber mehr Platz: Der Captur weist ein Radstand-Plus von mehr als fünf Zentimetern auf, was für hinten mitreisende Fahrgäste mehr Raum bedeutet. Die Zuladung des Clio liegt bei 446 Kilogramm, während der Captur 496 Kilogramm einladen darf im Sinne der Praxistauglichkeit – 50 Kilogramm mehr sind ein Wort. Auch das Kofferraumvolumen des Captur liegt mit 1.275 Litern über dem des Clio (mit maximal 1.069 Litern). Spannend wird es aber, wenn man den Unterschied im Kraftstoffverbrauch untersucht – der 4,23 Meter lange Captur nimmt sich mit 5,3 Litern gemittelt gerade einmal 0,4 Liter mehr als der 4,05 Meter lange Clio (4,9 Liter). Somit muss der Captur-Fahrer überhaupt kein schlechtes Gewissen haben, die Umwelt über Gebühr zu belasten – ganz im Gegenteil, der Captur ist für seinen Nutzwert sogar effizienter.

Das SUV per se ist natürlich in keiner Weise umweltfeindlich, da muss man schon differenzieren. Die etwas höher liegenden Klein-, Kompakt- oder Mittelklassewagen mit überschaubarer Motorisierung arbeiten effizient und trinken kaum mehr als ihre Limousinen- Pendants. Energiezehrender wird es erst bei den großen SUV mit üppiger Motorisierung. Wenn man mit diesen dann auch noch schnell fährt, macht sich natürlich die große Stirnfläche bemerkbar. Allerdings sind selbst Oberklasse-SUV mit zurückhaltenden Selbstzündern alles andere als Spritfresser. Ein Volvo XC 90 – Platz 28 im Topseller-Flottenranking der Importeure – nimmt je 100 Kilometer schmale 5,6 Liter Diesel in der kombinierten Disziplin. Damit liegt er kaum unter einem vergleichbar motorisierten Volvo V 90 Kombi, dessen Konsum der Hersteller mit 5,2 Litern pro 100 Kilometer kombiniert beziffert.

Man könnte jetzt noch unzählige Fahrzeugbeispiele nennen und anhand von Daten belegen, dass SUV im Verhältnis nicht mehr Sprit verbrauchen als ihre Limousinen-Pendants. Ob Van oder SUV – das macht keinen großen Unterschied. Tendenziell lässt sich aber festhalten, dass Kombi-Fahrer gemessen am Nutzwert am effizientesten unterwegs sind – noch vor dem SUV. Sie nutzen den Vorteil der kleinen Stirnfläche (kein Unterschied zur Limousine) und bekommen andererseits viel Ladefläche, denn Länge frisst sozusagen kein „Brot“, ist energetisch also nicht relevant. Dafür kann der gewöhnliche Kombi in der Regel keine sieben Personen transportieren, bezieht man diesen Fakt ein, sieht die Bilanz wieder ganz anders aus. Ob vermeintlich geächtet oder nicht – wegzubekommen aus dem Straßenbild ist das SUV sowieso nicht. Das gerade aktuelle Flottenranking zeigt, wie beliebt diese Fahrzeugklasse ist. Klar, das SUV ist vielseitiger als andere Personenwagen-Gattungen und dabei noch ziemlich effizient. Wir werden es noch lange erleben.