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Ganz oft werkeln in der rustikalen G-Klasse (die allerdings längst zum Lifestyle-Objekt avancierte) emotionale Achtzylinder. Doch im Grunde seines Herzens ist der dienstälteste Mercedes ja ein Arbeitstier, das immer mal wieder auch kräftig ziehen muss. Also gehört doch eigentlich ein drehmomentstarker Selbstzünder unter seine kantige Motorhaube. Und wem der Dreifuffziger bisher irgendwie zu profan schien, bekommt mit dem Vierhunderter endlich wieder ein richtiges Powerpaket. Ganz im Sinne des Downsizings handelt es sich mit dem OM656 um einen 2,9-Liter großen Reihensechszylinder und keineswegs um den früheren Achtender – der R6 ist mit 330 PS und 700 Nm Drehmoment aber so gar nicht schlapp und verwandelt den schrotigen Geländewagen in ein durchaus dynamisches Vehikel. Schon die Papierwerte machen Appetit auf eine Ausfahrt – nur 6,4 Sekunden genehmigt sich der edle Offroader bis Landstraßentempo. Zeit, im Mercedes-Urgestein Platz zu nehmen.

Immer schon faszinierend an der G-Klasse war, dass sie außen den Ursprung wahrte und innen das verwandlungskünstlerische Gesicht gezeigt hatte – der G geht mit der Zeit. So erwarten den Passagier selbstverständlich Dinge wie den so genannten Widescreen, also dominieren weite Display-Landschaften, um dem Infotainment-Gedanken anno 2021 gerecht zu werden. Also fallen lassen in die geschmeidigen Sitze und Triebwerk starten: Der Offroader startet per Knopfdruck und verfällt in einen flüsterleisen Leerlauf. Fahrstufe „D“ – und los geht‘s. Eine Anfahrschwäche verkneift sich der Sechsender, dafür wuchtet er das Zweieinhalbtonnen-Trumm mit Nachdruck auf Geschwindigkeit. Dabei schaltet der inzwischen auch hier bei neun Stufen angekommene Wandlerautomat sämig und ebenso flink durch die Übersetzungen. Geradeauslauf und Federungskomfort haben sich mit der grundlegenden Erneuerung der Baureihe 463 deutlich verbessert – die Spur ist deutlich breiter, und vorn gibt es nun Einzelradaufhängung.

Die G-Klasse ist jetzt ein Stück mehr Allrounder geworden, im Gelände zu Hause ist sie ohnehin, aber inzwischen eben auch auf der Langstrecke. Mit einem Netto-Basispreis von 89.530 Euro ist sie kein billiges Vergnügen, aber das war sie ja auch noch nie. Längst ist das Urgestein zum Hightech- Vehikel geworden mit Optionen, die man ihm nicht zutrauen würde. Sogar adaptive LED-Scheinwerfer mit blendfreiem Dauerfernlicht sind möglich (1.150 Euro netto). Selbstverständlich bremst die bis dato modernste G-Klasse autonom und regelt die Geschwindigkeit variabel per Elektronik, wenn man den Tempomat aktiviert. Gegen 1.350 Euro (netto) gibt es nicht nur den aktiven Geschwindigkeitsregler, sondern darüber hinaus noch einen Totwinkel-Warner, während Features wie aktive Lenkung und Verkehrszeichenerkennung zum Standard gehören. Übrigens ebenfalls immer serienmäßig: die Anhängerkupplung. Die G-Klasse ist eben doch irgendwie auch ein Worker.