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Seit fast 20 Jahren befragt Arval für seine Studie Fuhrparkverantwortliche auf europäischer und mittlerweile auch auf internationaler Ebene (seit 2021 sind Brasilien und Russland dabei) zu ihren Präferenzen, Entscheidungen und Plänen bei der Gestaltung der betrieblichen Mobilität. Dabei hat sich das Fuhrpark-Barometer zu einem aussagekräftigen Gradmesser für Trends entwickelt. Grundlage für die auf Deutschland fokussierten Ergebnisse des AMO 2021 war die Befragung von rund 300 Fuhrparkleitenden aus unterschiedlich großen Unternehmen mit teils mehr als 1.000 Fahrzeugen. Der Durchschnittsfuhrpark besteht aus 106 Fahrzeugen, Pkw und Transporter. Ein Trend hierbei: Die Zahl der Pkw ist im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken, die Zahl der Transporter leicht gestiegen. Dennoch, und das mag ein Effekt der Pandemie sein, insbesondere größere Unternehmen planen, ihre Flotte künftig zu vergrößern. Als Gründe werden unter anderem Schutz vor COVID-19 auf dem Arbeitsweg, aber auch Expansion, Mitarbeitermotivation oder Ausbau des firmeneigenen Fahrzeugpools für Sharing genannt.

Wesentlich weitergekommen sind deutsche Fuhrparks bei der Umsetzung von Antriebsalternativen. „Die Krise beschleunigt die Einführung alternativer Technologien und eröffnet gute bis sehr gute Wachstumsperspektiven für Mietkonzepte“, interpretiert Katharina Schmidt die Daten voraus. Stand heute haben bereits 47 Prozent der Flotten eine Alternative im Einsatz. Aber nicht nur der Istzustand war Gegenstand der Befragung, auch die Perspektive in drei Jahren. „Wir wollten wissen, wie der Fuhrpark dann aussieht. Und ich bin mehr als begeistert an dieser Stelle, nicht nur von der Geschwindigkeit der Entwicklung. Uns erwarten blühende Landschaften in der Hinsicht, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Unternehmen ihren Fuhrpark auf reine Elektrofahrzeuge umgestellt haben wollen.“ Insbesondere die großen Unternehmen haben die Grundlage dafür schon vor einigen Jahren gelegt, wie die Entwicklung der Vorjahre in der Grafik 1 zeigt. Mittlerweile sind die Fahrzeuge attraktiver geworden, die Auswahl ist vielfältig und die Ladeinfrastruktur akzeptabel. Hinzu kommen die staatliche Förderung in Form von Zuschüssen plus die halbierte Versteuerung, sodass einer Verbreitung der Elektromobilität nichts mehr im Wege steht. Ebenfalls berücksichtigen die Firmen die strengeren Umweltvorgaben in Bezug auf CO2- und NOX-Ausstoß bei der Zusammensetzung ihres Fuhrparks und haben damit auch das Unternehmensimage im Visier.

Auch die Betrachtung der Verbreitung der einzelnen Antriebe Plug-in-Hybrid (PHEV), Hybrid und rein elektrisch zeigt, wie viel sich in den letzten drei Jahren getan hat. Schon heute haben 33 Prozent der deutschen Unternehmen PHEV-Fahrzeuge im Einsatz, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei den reinen Elektromodellen mit einem Anstieg von 17 auf 27 Prozent. Das zeigt, wie gut die finanziellen Anreize durch Staat und Hersteller funktionieren, aber auch wie viel Potenzial in dieser Antriebsart für Flotten steckt. „Bei der Darstellung der Entwicklung in Großunternehmen wird die Dynamik der Entwicklung noch einmal deutlicher. Von letztem zu diesem Jahr nahm die Zahl der Fahrzeuge mit hybriden und elektrischen Antrieben sprunghaft zu: Von 28 auf 49 Prozent bei den PHEVs, von 23 auf 43 bei den Vollhybridfahrzeugen und von 28 auf 41 bei den reinen Elektrofahrzeugen“, fasst Schmidt zusammen. Gefragt nach den Ambitionen für die Einführung, haben die Unternehmen einen niedrigeren CO2-Ausstoß im Blick, den sie häufig auch für einen Umwelt-Audit und die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen benötigen. Hier ist eine stetige Verbesserung unter anderem mit solchen Maßnahmen erreichbar. Ein weiterer Aspekt kommt den Gesamtbetriebskosten zu, die bei Elektro- und Hybridfahrzeugen – nicht nur, aber auch aufgrund der Förderungen – deutlich niedriger als bei herkömmlichen Verbrennern liegen. Auf Transporter in Flotten bezogen verlagert sich der Schwerpunkt auf die freie Durchfahrt durch Umweltzonen, auch perspektivisch betrachtet aus Gründen einer längeren Haltedauer. Wenn es darum geht, sicherzustellen, dass das Elektro- oder Hybridfahrzeug beim Nutzer auch seinen Zweck erfüllt, nutzen Flotten zunehmend die Möglichkeit, Fahrerprofile zu erstellen, sei es in Eigenregie oder mithilfe ihres Fuhrparkmanagementdienstleisters.

Einen wichtigen Part bei der Umfrage nimmt aber auch die Eruierung der Gründe ein, warum Unternehmensflotten von der Aufnahme von Elektrofahrzeugen in den Fuhrpark absehen. Bei 48 Prozent gibt die Anzahl der Ladepunkte den Ausschlag, bei 43 der höhere Anschaffungspreis. Allerdings lehnen im Vergleich zum letzten AMO weniger Befragte Elektrofahrzeuge grundsätzlich ab. Die Bereitstellung von Lademöglichkeiten nimmt proportional zur Unternehmensgröße zu: Während 66 Prozent der kleinen Betriebe keine Ladepunkte vorweisen können, liegt die Zahl der Großunternehmen ohne nur bei 25 Prozent. Bei einer angemessenen Zahl größerer Betriebe mit Ladepunkten steht der Ladestrom den Nutzern sogar kostenlos zur Verfügung. Die Bereitschaft, Ladeinfrastruktur zu installieren beziehungsweise die Nutzer bei der Installation am Wohnort zu unterstützen, ist im letzten Jahr erfreulicherweise größer geworden.

Die Fuhrparkmobilität besteht indes nicht nur aus (teil)elektrisch betriebenen Leasingfahrzeugen, weitere Mobilitätsformen spielen vermehrt eine Rolle (siehe auch Grafik 2): Sogenannte Abo-Modelle, öffentliche Verkehrsmittel und Mobilitätsbudgets nutzen bereits jeweils etwa 30 Prozent der Befragten. Fast doppelt so viele können sich eine Nutzung in den nächsten drei Jahren vorstellen. Auch hier gelten mittelständische und großen Unternehmen als Vorreiter, mit zunehmender Unternehmensgröße steigt nämlich der Anteil der Nutzer. Das Interesse dafür stieg ebenfalls im Vergleich zum Vorjahr. Speziell in Deutschland hegt man eine im europäischen Vergleich überdurchschnittliche Vorliebe für Mobilitätsalternativen wie Bike-Leasing, private Leasingverträge beziehungsweise Gehaltsverzichtsmodelle oder Abo-Modelle.

Fazit: Der Dienstwagen ist und bleibt ein beliebter und praktischer beruflicher Motivationsfaktor, das zeigt auch in diesem Jahr das AMO-Fuhrpark-Barometer. Die Corona-Pandemie macht die Vorteile in Bezug auf das Infektionsrisiko noch einmal deutlich. Eine erkennbare Orientierung vollzieht sich in Richtung Elektrofahrzeuge, aber auch eine Erweiterung der Mobilitätsalternativen findet statt. Wie sich diese bis zum nächsten Jahr weiterentwickelt hat, können Sie an dieser Stelle voraussichtlich in einem Jahr lesen.