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Flottenmanagement: Herr Janssen-Timmen, zuletzt hatten wir auf der IAA 2019 in Frankfurt am Main Gelegenheit, mit Ihnen vor Ort zu sprechen. Wie hat sich der Bereich Vertrieb an Flottenund Gewerbekunden seitdem entwickelt? Welche Ziele haben Sie sich für 2021 gesetzt?

Andre Janssen-Timmen: Ganz gleich, welchen Aspekt unseres Geschäfts wir betrachten: Seit der IAA 2019 hat sich vieles, nicht zuletzt wegen der Pandemie, oft sogar fundamental geändert! Herauszuheben ist hier der Aspekt des Kundendialogs. Hier war im März 2020 kurzfristig ein umfassender Digitalisierungsschub notwendig. Natürlich waren die oftmals langfristig gewachsenen und vertrauensvollen Geschäftsbeziehungen zwischen unseren Kunden und uns dafür eine denkbar gute Basis. Trotzdem ist es großartig zu erleben, wenn das dann alles auch online so gut funktioniert. Als Resultat sind wir sehr stabil und erfolgreich durch die Pandemiezeit gekommen. Die Absatzzahlen in unserem Segment der Premiumfahrzeuge in Flotten mit mehr als 50 Fahrzeugen konnten wir im Vergleich zu 2019 nahezu konstant halten. Dadurch waren wir 2020 das dritte Jahr in Folge Marktsegmentführer. Das freut uns sehr und bestätigt unser Tun. Für 2021 haben wir uns vorgenommen, diesen Weg weiterzugehen: Zunehmende Digitalisierung, Wachstum und Ausbau unseres Marktsegmentanteils sind die Ziele.

Flottenmanagement: Wie in vielen anderen Bereichen kam es wegen der COVID-19-Pandemie auch in der Automobilbranche zu Beeinträchtigungen und Shutdowns. Welchen Einfluss hatten die verschiedenen Lockdownphasen auf Ihr Geschäft und mit welchen Strategien sowie Maßnahmen haben Sie darauf reagiert?

Andre Janssen-Timmen: Historisch einmalig mussten auch wir während des ersten Lockdowns die Produktion wenige Wochen herunterfahren. Dennoch konnten wir in den Monaten April, Mai und Juni mit großer Agilität in Absatzsteuerung, Produktionsund Lagerbewirtschaftung, Kundenbelieferung und Aftersales alle Aktivitäten auf einem sehr hohen Niveau halten. Hierzu übrigens vor allem auch ein großes Kompliment für die Arbeit unserer Key-Accounter und Agenten. Konzepte ausdenken ist das eine – in die Praxis umsetzen das andere. Unser Ziel im ersten Lockdown war die Aufrechterhaltung von Beratung, Auslieferung und Service ohne signifikante Brüche jederzeit in gewohnt hoher Qualität. Dazu haben wir zum Beispiel sehr schnell Konzepte für Fahrzeugübergaben unter strikter Einhaltung aller Hygienevorschriften entwickelt. Dafür haben wir des Weiteren auch in kurzer Zeit digitale Kundenberatung mittels des Mobile Customer Assistant bereitgestellt. So griff letztlich eines in das andere und diese Maßnahmen werden von uns bis heute weiter optimiert und ausgebaut.

Flottenmanagement: Mitte März dieses Jahres gab die BMW Group ihre Pläne für eine umfassende Neuausrichtung bekannt. Könnten Sie kurz die Pläne beschreiben und welche Auswirkungen diese auch auf den Vertrieb haben?

Andre Janssen-Timmen: Auf der Jahreskonferenz haben wir die Roadmap unserer konsequenten Elektrifizierung aufgezeigt. Aktuell haben wir mit dem BMW i3, dem MINI SE und dem BMW iX3 drei vollelektrische Modelle im Markt. Zu Beginn des Jahres 2023 werden es schon ein Dutzend sein! Mit dem BMW i4 und dem BMW iX werden noch in diesem Jahr zwei Innovationstreiber für das „Next Level E-Mobility“ auf den Markt kommen. Danach folgen BEV-Varianten der Modelle 7er, X1, 5er sowie der MINI Countryman. Ab 2025 werden wir dann sukzessive auf eine grundlegend neue Produktstruktur umsteigen: die „Neue Klasse“. Dieser Begriff stand historisch bei BMW schon einmal für einen neuen Ansatz im Automobilbau und bedeutet, dass wir das Auto von Grund auf neu denken: Wir entfernen uns von den etablierten Architekturen und setzen Elektromobilität an die erste Stelle. Andere Antriebsarten, die wir aufgrund auch perspektivisch unterschiedlicher Anforderungen in den Weltregionen weiter im Angebot haben werden, fügen sich dann in die E-Fahrzeug-Architektur ein.

Darüber hinaus sind unsere Pläne im Bereich Vertrieb aber nicht weniger fundamental: Unser Anspruch ist es, das beste Kunden- und Markenerlebnis der Industrie zu bieten. Aus Kundensicht wird dies aus zweierlei Sicht erlebbar: Zum einen wird das Angebot digital verfügbarer Services, Produkte und Kontaktpunkte kontinuierlich ausgeweitet. Hierunter fallen Onlineverkauf von Neuund Gebrauchtfahrzeugen, Services sowie die Angebote der BMW Group Finanzierungsdienstleister. Darüber hinaus geht es aber auch um vernetzte Marken-Apps, Online-Serviceterminvereinbarungen, Online-Teile und -Zubehörverkauf, Online-Fahrzeugdiagnosen sowie den (auch temporären) Kauf von Upgrade-Funktionen im Auto. Letzteres soll Kunden beispielsweise ermöglichen, eine Lenkradheizung nur im Winter für einige Wochen zu buchen und zu zahlen.

Zum anderen basiert all dies – und das ist bereits heute merklich – auf einer deutlich verbesserten Vernetzung aller angebotenen digitalen Kontaktpunkte. Ohne wahrnehmbare Brüche, natürlich immer unter Einhaltung des Datenschutzes und unter enger Einbindung unserer Handelspartner.

Im Bereich Großkundengeschäf t gibt unser „Flottenkundenportal“ schon heute einen guten Einblick in die Grundidee. Das Portal ist ein Single-Point-of-Contact, in welchem unsere Kunden all ihre wichtigen Daten und Informationen 24/7 im Überblick haben. Von der Vertrags- und Konditionsadministration über Online-Unterschriften und -Freigabeprozesse bis hin zu Links auf Technologiethemen. Fuhrparkverantwortliche erhalten gewünschte Informationen und Funktionen an einem zentralen, digitalen Ort – jederzeit.

Flottenmanagement: Das Produktportfolio von BMW ist heute so breit gefächert wie noch nie und bietet neben Pkw-, SUVsowie Van-Modellen auch mehrere elektrisch fahrende Modelle. Welches sind Ihre Topseller im Flottengeschäft und wie wird sich Ihrer Meinung nach der gewerbliche Markt weiterentwickeln?

Andre Janssen-Timmen: Elektrifizierung dominiert derzeit fast alle Gespräche und nimmt auch in den Bestellungen immer mehr Raum ein. Allerdings liegt der Fokus der Kunden weiterhin immer auch auf den Total Cost of Ownership. Somit ergibt sich ein Zielkonflikt, der die Branche stark beschäftigt und den jeder Fuhrpark für sich auflösen muss. Trotzdem ist der Trend zur Elektromobilität auch in den Flotten klar zu erkennen und zeigt sich deutlich auch in unserem Absatzportfolio.

Modellseitig spielen aktuell die BMW 3erund 5er Reihe, vor allem die Touringvarianten, weiter deutlich die größte Rolle. Ihnen folgen der BMW X1 und X3. Diesel ist weiter die dominierende Antriebsart. Benziner und Elektrovarianten sind mittlerweile auf dem gleichen Level. Perspektivisch wächst der Anteil elektrifizierter Varianten immer weiter.

Flottenmanagement: Pünktlich zum 20-jährigen Bestehen der Produktion der Marke MINI in England wurden viele Varianten gerade mit frischen Designakzenten in den Markt eingeführt. Welchen Stellenwert hat die Marke MINI für das Flottengeschäft in der BMW Group und welche gewerblichen Zielgruppen stehen hierbei besonders im Fokus?

Andre Janssen-Timmen: Im Flottensegment liegt auch bei MINI ein hoher Fokus auf den fünftürigen Varianten, da hier das typische MINI-Markenimage mit dem Bereich Funktionalität besonders gut verknüpft ist. Wer MINI fährt, setzt auf die Gene einer jungen, urbanen, stylischen und integrativen Marke. Aufgrund der wenigen Überschneidungen mit der Marke BMW fügen wir dem Produktportfolio der BMW Group im Flottenbereich mit den MINI-Modellen Fünftürer, Clubman und Countryman sowie dem vollelektrischen MINI ein wertvolles Angebot für eine weitere Zielgruppe hinzu.

Und: MINI ist prädestiniert für die City – für E-Mobilität. 2025 kommt das letzte Modell mit Verbrennervariante auf den Markt. Anfang der 2030er Jahre wird die Marke ausschließlich vollelektrisch sein.

Flottenmanagement: Wir sprachen eben schon von der Elektrifizierung der Flotten: Seit März 2021 stehen in der „BMW 3er“sowie „BMW 5er“-Reihe weitere Plug-in-Hybrid-Varianten zur Auswahl. Inwiefern hat sich die Nachfrage nach den einzelnen elektrifizierten Modellen im Flottenund Gewerbekundensegment in den letzten Jahren verändert?

Andre Janssen-Timmen: Die Neueinführung des BMW 3er Touring und des 5er Touring als PHEV war für uns wichtig. Diese Varianten machen im Flottengeschäft nun über 75 Prozent der PHEV-Auftragseingänge ihrer jeweiligen Gesamtbaureihe aus. Mit den neu eingeführten 20e-Motorenvarianten sprechen wir nun auch eine breitere Berechtigtengruppe an. Beim BMW X1 entscheidet sich jeder dritte Fahrer für eine PHEV-Variante. Mit dem iX3 führen wir ein flottenrelevantes Modell genau zur richtigen Zeit ein. Der BMW i4 und der iX, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen, werden auch in der Flotte gute Absatzvolumen erzielen.

Flottenmanagement: Nachdem der BMW iX3 bereits im vergangenen Jahr seine Premiere feierte, folgten in diesem Jahr der BMW i4 sowie der BMW iX. Inwieweit repräsentieren diese Modelle auch die Innovationskraft von BMW? Was hat der Bereich Nachhaltigkeit hiermit zu tun?

Andre Janssen-Timmen: Wir verstehen uns als Technologieführer und werden daran auch gemessen. Mit dem BMW iX läuten wir ein neues Zeitalter der Mobilität ein. Er verknüpft wegweisendes Design und modernen Luxus mit den jüngsten Innovationen in den Bereichen automatisiertes Fahren, Bedienung, Vernetzung und digitale Services. Dabei fokussiert das neue Technologie-Flaggschiff der BMW Group auf lokal emissionsfreie Fahrfreude mit markentypischer Sportlichkeit, Effizienz und überzeugender Reichweite.

Auch beim Thema Nachhaltigkeit haben wir mit dem iX noch einmal deutlich einen Sprung nach vorn gemacht: Von der streng kontrollierten Beschaffung von Kobalt und Lithium für den Hochvoltspeicher bis zur Batteriezellenfertigung mithilfe von 100 Prozent Ökostrom. Darüber hinaus zeichnen sich die Elektromotoren des BMW iX durch eine Konstruktionsweise aus, die den Verzicht auf sogenannte seltene Erden ermöglicht. Im Innenraum des iX kommt nur FSC (Forest Stewardship Council)-zertifiziertes Holz zum Einsatz und Olivenölblätterextrakt wird zum Färben des Leders verwendet. Mit dem iX heben wir die Fahrfreude auf das nächste Level.

Flottenmanagement: Mit dem BMW iX möchte BMW in eine neue Ära der individuellen Mobilität starten. Welche Dienstleistungen bietet die BMW Group Flottenverantwortlichen und Dienstwagennutzern im Bereich Elektromobilität an?

Andre Janssen-Timmen: Wir bieten unseren Kunden ein 360-Grad-Serviceportfolio an. Gerade im Bereich E-Mobilität unverzichtbar! Wir haben ein großes umfassend qualifiziertes Händler- und Servicenetzwerk. Alle 300 Großkundenverkaufsberater in Deutschland werden laufend geschult und weitergebildet – auch in der E-Mobilität. Wir beraten in allen Bereichen zu diesem umfassenden Themenkomplex. Von Fragen zur Eingliederung von E-Fahrzeugen in die Flotte, zur Nutzung von Förderprogrammen, zur Wahl des Energielieferanten, zu den verschiedenen Möglichkeiten des Ladens bis hin zum umfassenden Serviceportfolio unserer Leasinggesellschaft Alphabet, welche zum Beispiel auch Investitionen zur Ladeinfrastruktur in Leasingund Finanzierungsverträge integrieren kann.

Flottenmanagement: Gerade in den letzten Monaten – auch beeinflusst durch die COVID-19-Pandemie – wird bei Unternehmen sowie Dienstwagennutzern der Ruf nach mehr Flexibilität, aber auch nach digitalen Angeboten immer lauter. Was bietet die BMW Group in diesen Bereichen und wohin geht der Weg aus Ihrer Sicht in Zukunft?

Andre Janssen-Timmen: Unser Ziel ist das aus Kundensicht beste digitale Gesamtpaket der Industrie. Daran arbeiten wir konsequent! Seit 2018 und erweitert mit dem Roll-out jeder neuen Fahrzeuggeneration bieten wir in fast jedem Modell Remote Software Updates sowie Upgrades an. Hier wird der neue BMW iX nun über den 5-G-Standard verfügen, worüber sich immer größere Softwarepakete immer schneller übertragen lassen. Parallel steigt die Rechenleistung im Fahrzeugcomputer um den Faktor 20. Die Kombination aus beidem boostet die Möglichkeiten im Bereich des automatisierten Fahrens, der Fahrerassistenzsysteme, der zubuchbaren Upgrade-Möglichkeiten und der digitalen Services. Dies alles in Kombination mit unseren schon bekannten Stärken – wie unserem starken Verkaufsund Agentennetzwerk – führt dazu, dass wir unseren Kunden ein deutlich umfangreicheres und sichereres Mobilitätserlebnis bieten können.