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Man könnte denken, beim Thema Licht gebe es nichts mehr zu entwickeln, so gut leuchten moderne Autos die Straßen mittlerweile aus – aber dann sorgen die Ingenieure doch immer wieder für Überraschungen. Blicken wir jedoch zunächst kurz in die Geschichte. Viele Leser werden noch die beleuchteten Autobahnschilder kennen, die erst in den Neunzigerjahren langsam abgebaut wurden. Einige wenige dieser von innen illuminierten Schilder gibt es sogar noch, zum Beispiel im Essener Stadtgebiet – doch benötigt werden sie nicht mehr. Als die Autos in den Sechzigerjahren mit ihren Sechs-Volt-Anlagen und regelrechten Funzeln über Fernund Landstraßen zuckelten, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass Licht einmal ein hochtechnisches Themengebiet werden würde. Einen großen Schritt stellen die Anfang der Neunzigerjahre eingeführten Xenonscheinwerfer dar – erstmals kommt keine konventionelle „Birne“ mehr zum Einsatz. Während in herkömmlichen Halogenleuchten noch immer ein Glühdraht steckt, erzeugen die Xenonsysteme einen Lichtbogen zwischen zwei Elektroden. Dieser Vorgang findet im Lampenkolben statt, der mit Xenongas gefüllt ist. Durch den elektrischen Strom wird das Gas zum Scheinen angeregt. Und heraus kommt helles, weißblau schimmerndes Licht, das anfangs durchaus zum Statussymbol taugte, denn nur teure Autos verfügten über diese neuartigen Leuchtmittel.

Doch die Xenonscheinwerfer – einst anspruchsvolle Technik für gehobene Fahrzeugklassen, sind längst überholt. Schon seit einigen Jahren haben LED-Scheinwerfer die Xenonlampen verdrängt. Als statische Ausführung ist das Xenon- dem LED-Licht durchaus ebenbürtig, aber die Entwicklung schreitet auch hier voran; sogenannte Matrixscheinwerfer sind in der Lage, mit der Ansteuerung bestimmter Segmente verschiedene Stellen präzise auszuleuchten. Das Prinzip der segmentierten Ausleuchtung gibt es auch in Verbindung mit dem älteren Xenonlicht. Allerdings ist bei den moderneren LED-Ausführungen keine Mechanik mehr nötig, sondern lediglich das Ein- und Ausschalten der einzelnen LED-Einheiten. Das macht die Konstruktion prinzipiell robuster, da keine beweglichen Teile zum Einsatz kommen. Auf diese Art und Weise kann der Fahrer beispielsweise mit Fernlicht unterwegs sein, ohne entgegenkommende Personen zu blenden, indem Teilbereiche ausgespart werden.

Licht hat somit einen Sicherheitsaspekt, gar keine Frage. Doch nicht nur. Mit ihm lässt sich auch Energie sparen. Mehr als einhundert Watt Leistung fordert ein klassischer Halogenscheinwerfer bei eingeschaltetem Fernlicht – eine LED-Einheit hat das Potenzial, nur mit einem Viertel der Power auszukommen. Der Zulieferer Hella beziffert das Sparpotenzial einer modernen LED-Anlage gegenüber konventionellen Halogenscheinwerfern auf etwas weniger als 0,1 Liter Kraftstoff je hundert Kilometer. Macht bei einer Fahrleistung von 100.000 Kilometern knapp zehn Liter aus. Das ist pro Auto nicht viel, sind aber Millionen von Litern hochskaliert auf den Fahrzeugpark eines ganzen Landes. Dabei ist die Lichtausbeute noch deutlich besser, womit wir wieder beim Thema Sicherheit wären. LED kommen übrigens nicht nur bei den Scheinwerfern zum Einsatz, sondern auch bei der restlichen Fahrzeugbeleuchtung. Zunächst war es die Schlussbeleuchtung, der die Techniker Leuchtdioden verpassten.

LED sind mit einer deutlich höheren Haltbarkeit gesegnet als Glühlampen – in der Spitze sind bis zu 100.000 Stunden drin, sie können also ein ganzes Fahrzeugleben halten. Und die Designer freuen sich, die Leuchten als Stilmittel einsetzen zu dürfen. Individuelle Nachtdesigns erlauben eine stärkere Differenzierung der optischen Wahrnehmung. Dabei kommen immer öfter auch dynamische Einlagen zum Einsatz. Die bekannteste dieser Art ist sicherlich der sogenannte dynamisierte Blinker, welcher wiederum auf das Sicherheitskonto einzahlt – andere Verkehrsteilnehmer sehen ihn nämlich besser. Doch immer häufiger begrüßen witzige Choreografien der Heckleuchten-LED-Segmente (manchmal sogar in dreidimensionaler Optik) die Passagiere, nachdem das Fahrzeug geöffnet wurde – eine Spielart, das Lichtthema weiter zu emotionalisieren.

Doch man kann davon ausgehen, dass die Ingenieure ebenfalls weiter daran arbeiten, die Frontscheinwerfer zu verbessern. Heute kommt bereits vereinzelt Laserlicht im Serienbetrieb vor, das mit einer Ausleuchtung der Fahrbahn von 600 Metern besticht und dabei noch einmal deutlich sparsamer ist als konventionelles LEDLicht.

Die neueste Ausbaustufe von Scheinwerfertechnologie allerdings ist digitales HD-Licht. Es überzeugt nicht nur durch deutlich mehr Variabilität in der Ausleuchtung, sondern ist in der Lage, verschiedene Motive gestochen scharf auf den Asphalt zu projizieren, um auf bestimmte Verkehrssituationen hinzuweisen und gegebenenfalls zu warnen. Das können Verkehrsschilder, aber auch Symbole sein, um Baustellen oder gar Menschen auf der Fahrbahn besser kenntlich zu machen. Mit mehreren Millionen Pixeln kann nahezu alles grafisch dargestellt werden. In Zukunft könnte es dann so sein, dass man sogar fehlende Markierungen auf die Fahrbahn strahlt – sehr effektiv zum Beispiel unter widrigen Wetterbedingungen wie im Falle starken Nebels oder Regens.

Fakt ist, dass Licht im Auto einen hohen Stellenwert eingenommen hat. Dabei haben Leuchtdioden die historischen Glühbirnen weitestgehend abgelöst. LED-Gebilde sorgen übrigens auch innen für Wohlfühlstimmung in Form von Ambientelicht und betonen die Architektur. Der gedämpfte Schein – inzwischen per Touchscreen in unzähligen Farben einstellbar – leistet sogar am Ende auch seinen Beitrag zur aktiven Sicherheit. Denn je besser es dem Fahrer geht, desto konzentrierter fährt er.

Dass die Tage der Halogenscheinwerfer gezählt sein dürften, scheint ziemlich klar. Selbst zahlreiche Kleinwagen verfügen heutzutage bereits serienmäßig über LED-Scheinwerfer. Für die hochadaptiven Matrixscheinwerfer muss ein Kompaktklasse-Kunde durchaus öfter etwas mehr als tausend Euro netto ausgeben. Bis auf einzelne Ausnahmen völlig aus dem Programm verschwunden sind hingegen Xenonscheinwerfer. Nach rund drei Jahrzehnten ist eine einst gehypte Lichttechnologie ausgestorben. Die LED-Technik dagegen nimmt gerade erst richtig Fahrt auf.