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Wie oft brüten wir über unserer Dienstwagenordnung hinsichtlich Flotteneffizienz und Optimierungsmöglichkeiten? Wie oft bedanken wir uns im Geiste mit einem Halleluja für immer neue gesetzliche Anforderungen, Vorschriften und Verordnungen, die im Rahmen der Halterhaftung schnell und unbürokratisch (gibt es das Wort überhaupt?) umgesetzt werden sollen, ohne dabei die Tagesabläufe zu bremsen? Wie oft schreiben wir unsere Fuhrparks aus, gehen mit Kfz-Herstellern, -Händlern und Leasinggesellschaften „in die Bütt“, nur um die Beschaffung zu bestmöglichen Konditionen zu ermöglichen? Wir diskutieren mit Versicherungsgesellschaften über Prämien für das neue Geschäftsjahr und achten bei Schadensabwicklungen darauf, dass wir voll und ganz im Sinne der Schadensminimierung Prämien nicht noch negativer beeinflussen. Schließlich befassen wir uns dann intensiv mit den nicht enden wollenden Preiserhöhungswünschen aller rund ums Fahrzeug beschäftigten Geschäftspartner, welche diese mittlerweile plump als Preisanpassung verkaufen.

Übrigens: In meiner Funktion als Einkäufer werde ich mit der Kombination von „gezwungen“ und „Preisanpassung“ regelmäßig konfrontiert. Habe ich mich anfangs darüber aufgeregt, so greife ich heute bisweilen beherzt zum Telefon und bedanke mich hocherfreut für die angekündigte Anpassung um 3 Prozent mit dem Hinweis, dass Preise dieser Tage doch eher selten gesenkt werden. (Merke: Anpassungen können in beide Richtungen gehen; selbst schuld, wenn man nicht den Schneid für die Verwendung des eigentlich korrekten Vokabulars besitzt.) Oder ich frage schockiert nach dem körperlichen Wohlbefinden, nachdem hier unser Geschäftspartner wohl offensichtlich mit (Waffen-)Gewalt zur Preiserhöhung „gezwungen“ wurde. Da ist partnerschaftliches Mitgefühl angesagt, zumal man selbst bisweilen zum Wechsel des Lieferanten genötigt wird. 

Ja, es ist eine grobe Welt da draußen. Worauf ich eigentlich hinaus will? Kostenbewusstsein! Jeder Fuhrparkleiter sollte sich seiner Kostenverantwortung bewusst sein. In vielen Betrieben rangiert der Fuhrpark bei den Ausgaben unter den Top-5-Kostenblöcken. An der oben genannten Aktivitätenliste zur Kostenkontrolle jedenfalls ist erkennbar, dass man sich an dieser Stelle als Unternehmer im Unternehmen sehen sollte. Nun, eigentlich sollte meiner Meinung nach jeder Arbeitnehmer nach dieser Devise leben: „Bei allem Handeln als Arbeitnehmer: Tue so, als sei dies dein eigenes Unternehmen.“ Eigentlich ist damit alles gesagt. Wir gehen mit den finanziellen Ressourcen sorgsam um, handeln kostenbewusst und tragen damit zum Gewinn, zu der Unternehmenssicherung und damit zum Fortbestand des Unternehmens maßgeblich bei.

Allerdings scheinen die Zusammenhänge von Kostenbewusstsein und Gewinnoptimierung nicht bei allen Kolleginnen und Kollegen gleichsam ausgeprägt zu sein. Beispiel: Ein Blick auf die unterschiedlichen Praxisverbräuche der Dienstwagennutzer zeigt schnell, wer mit etwas sensiblerem Gasfuß unterwegs ist und wer per Bleifuß seinen Dienstwagen als eine Art Räumfahrzeug für die linke Autobahnspur nutzt. Letztere nenne ich übrigens „Digitalfahrer“. Im Prinzip könnte man bei dieser Gattung Dienstwagennutzer hier das Gaspedal ausbauen und durch einen simplen An-aus-Schalter ersetzen, weil das Gaspedal hier ohnehin nur zwei Stellungen kennt: Leerlauf oder Vollgas.

Digitalfahrer sind echte Kostentreiber. Glauben Sie nicht? Nun, nehmen wir die Spritkosten als erstes Beispiel. Fahrten mit Vollgas jagen selbst bei Dieselfahrzeugen den Verbrauch überproportional in die Höhe. Verbraucht ein Beispiel-Pkw bei konstant 100 km/h noch etwa 6 Liter auf 100 Kilometer, so verbraucht der gleiche Wagen bei 150 km/h schon etwa 9,5 Liter pro 100 Kilometer und bei 200 km/h dann 13 Liter. Daraus kann man umgekehrt Folgendes ableiten: Reduziert man den Flottenverbrauch im Schnitt um 2,5 Liter pro 100 Kilometer und rechnet mit einer Fahrleistung von 30.000 km/Jahr, so ergibt sich beim aktuellen Literpreis für Diesel von 1,24 Euro ein Potenzial von grob 1.000 Euro pro Fahrzeug pro Jahr. Bei einer Flotte von 100 Fahrzeugen sind das bereits 100.000 Euro, bei 500 Fahrzeugen schon eine halbe Million Euro, bei Großflotten mit 1.000 Fahrzeugen ist die Million Euro erreicht. Wohlgemerkt: Bei weiter steigenden Spritpreisen und/oder höheren Fahrleistungen steigt diese Differenz entsprechend.

Weiter geht es mit dem Thema Schäden. Steigende Schadensquoten kosten Geld. Viele Unternehmen erhöhen die Selbstbeteiligung, um so zumindest einen Teil der Beitragserhöhungen abzufedern. Klassische Teilkaskoschäden spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Der Klassiker: Windschutzscheibe. Abstand scheint im Straßenverkehr immer mehr zum Fremdwort geworden zu sein. Die Folge: Zunahme der Steinschlagschäden. Nun sind die Preise für den Tausch einer Windschutzscheibe nicht zuletzt wegen der Assistenzsysteme gestiegen, da hier zusätzliche Kalibrierarbeiten der in Höhe des Innenspiegels montierten Kameras erforderlich geworden sind. Wer jetzt meint, dass mit der Zahlung der Selbstbeteiligung aus Kostensicht der Drops gelutscht sei, irrt. Viele Unternehmen haben ab einer bestimmten Fuhrparkgröße ein Stückprämienmodell vereinbart. Am Ende des Jahres werden dann alle Schadensfälle summiert und mit der individuell verhandelten Marge den geleisteten Beitrags- und SB-Zahlungen gegenübergestellt. Ergibt sich hier eine negative Differenz, steigen die Stückprämien fürs Folgejahr – auch für die Fahrzeuge rücksichtsvoller und schadenfreier Dienstwagenfahrer.

Nicht selten gibt es auch Steinschlagschäden auf der Motorhaube und am Stoßfänger, eben auch, weil die Kombination linke Spur und wenig Abstand leider oft anzutreffen ist. Zu erwähnen seien zahllose Parkrempler, bei denen bisweilen tatsächlich doppelt geprüft werden muss, ob die vorgeschriebenen Parkpiepser auch tatsächlich am Fahrzeug verbaut und vielleicht außer Funktion waren. Schließlich kommt noch der Fahrzeugzustand zum Leasingende. Fahrzeuge werden zum Teil innen abgewohnt und äußerlich heruntergerockt zurückgegeben, sodass überproportional hohe Rücknahmekosten entstehen, die auch nicht durch die vorher vom Fuhrparkleiter verhandelte und vertraglich vereinbarte „faire Fahrzeugbewertung“ signifikant aufgefangen werden können. Alles unnötige Kostentreiber, für die am Ende ja angeblich „nur“ die Firma zahlt.

Rechnet man diese unnötigen Kosten zusammen, so gelangt man hier, je nach Flottengröße, schnell in den sechs- bis siebenstelligen Euro-Bereich – wohlgemerkt vor dem Komma ... Kosten, die wir als Fuhrparkleiter aber nicht beeinflussen können, weil hier alles vom Nutzerverhalten des Dienstwagenfahrers abhängt. Nun kommen spätestens hier die Gegenargumente wie Termindruck, Häufung von Kundengesprächen, Erreichung von Umsatzzielen, mit denen Bleifußfahrten gerne entschuldigt werden. Nun, wenn es etwas gibt, was uns die Pandemie gelehrt hat, dann ist es die Sinnhaftigkeit von Online-Meetings. Nicht jeder Termin muss vor Ort erfolgen. Und mal ehrlich: Kalender, Tagesplaner und Mobiltelefone gibt es nicht erst seit gestern. Instrumente, die uns zur sorgsamen Planung vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden.

An dieser Stelle möchte ich noch mal den Einkäufer heraushängen lassen. Ja, ich weiß, Einkäufer schauen nur aufs Geld, wollen überall sparen, Preise drücken, Lieferanten auspressen ... Schlechtes Image, was aber tatsächlich nicht passt und ebenso klischeehaft wie das Image des Finanzbeamten, der Masseurin oder der Frisörin ist. Abgesehen davon, dass der Controller im Unternehmen bisweilen der „schlimmere“ Einkäufer ist (was ich wirklich positiv meine), rechnen hier beide gleich: Jeder eingesparte Euro ist ein zusätzlicher Euro Gewinn. Da jedoch nicht jeder Euro Umsatz auch ein Euro Gewinn ist, sollte spätestens jetzt klar werden, dass eben nicht „nur“ die Firma zahlt. Fragen Sie mal intern nach, wie viel Gewinn vom Umsatz bleibt, dann können Sie die Rechnung umkehren und hochrechnen, wie viel zusätzlicher Umsatz erwirtschaftet werden muss, um die unnötigen Mehrausgaben zu kompensieren. Bleibt der zum Ausgleich erforderliche Mehrumsatz aus, wird der Gewinn geschmälert und damit unter anderem auch die Gratifikation. Kein Geld für den Bonus, für Sonderzahlungen oder sogar für Gehaltserhöhungen. Die Firma zahlt‘s? Liebe Digitalfahrer: Am Ende ist es auch Euer Geld.

 

AUTOR

Peter Insam ist seit nunmehr 28 Jahren im Einkauf für Betriebsmittel und Investitionsgüter unterwegs, von denen er seit 25 Jahren die Geschicke verschiedener nationaler und internationaler Fuhrparks gelenkt hat. Heute ist er als Head of Corporate Procurement und zwischenzeitlich auch als Prokurist unter anderem für die knapp 700 Firmenfahrzeuge der Hays AG verantwortlich. Zuvor war er rund zehn Jahre für den Einkauf von Betriebsmitteln und Investitionsgütern für den Medizintechnik-Hersteller Maquet GmbH in Rastatt tätig. Hierzu gehörte auch die Leitung des Fuhrparks mit 350 Fahrzeugen am Standort Rastatt. Darüber hinaus sammelte er zahlreiche Erfahrungen im Rahmen von Auslandsaufenthalten in Frankreich und Australien.