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Flottenmanagement: Dragintra kann auf mehr als 20 Jahre Erfahrung im Fuhrpark- und Mobilitätsmanagement in Europa zurückschauen. Was genau hat Sie bewogen, den deutschen Flottenmarkt ins Visier zu nehmen? 

Bart de Hoog: Als wir 1999 in Belgien mit unserem Fleetmanagement-Angebot starteten, haben wir uns als Ziel gesetzt, alle Partner, Leasinggesellschaften, Dienstleister, OEMs et cetera, die für das Mobilitätsmanagement eines Unternehmens zuständig sind, in ein harmonisches Verhältnis zueinander zu bringen. Da die Interessen manchmal unterschiedlich gelagert sind, sehen wir uns in dieser Konstellation als Vermittler zum Wohle des Fuhrparkbetreibers. Das drücken wir auch in unserem Firmennamen aus: Dragintra ist zusammengesetzt aus „drag“ für ziehen und „intra“ für hinein. Damals konzentrierte sich das Mobilitätsmanagement hauptsächlich auf das Auto. Mittlerweile sind wir in zwölf Ländern tätig, da die Internationalisierung der Firmen zugenommen hat. Unser Portfolio umfasst nun das Management sämtlicher Mobilitätsformen, die für Unternehmen in Betracht kommen. Vor fünf Jahren haben wir den deutschen Markt ins Visier genommen. 

Thomas Fürth: Damals haben wir zwei Kunden in einer Kooperation betreut. Ende 2019 kam Bart auf mich zu, um die deutsche Tochtergesellschaft von Dragintra mit mir zu gründen. Viele namhafte Unternehmen mit Geschäftstätigkeiten in Deutschland vertrauen der Arbeit von Dragintra. Also haben wir die Tätigkeiten der T.F-uhrpark-Consulting GmbH und Dragintra zusammengelegt, um im Flotten- und Schadenmanagement deutsche Kunden zu bedienen. Nun haben wir unsere Systeme und die Strukturen aufeinander abgestimmt und wollen proaktiv durchstarten. 

Flottenmanagement: Wie sind Sie in Deutschland aufgestellt? Welche Dienstleistungen bieten Sie an und in welchem Netzwerk arbeitet Dragintra? Wie sind Sie softwareseitig bestückt, um die Prozesse digital zu steuern? 

Bart de Hoog: Das Wichtigste ist, dass wir die Dienstleistungen bereitstellen können, die der lokale Markt braucht. In Deutschland sind die Anforderungen anders als in anderen Ländern. Deswegen haben wir mit Thomas einen Experten an Bord, der den deutschen Markt und die Bedürfnisse der Kunden kennt, hier die Kontakte hat und somit die besten Dienstleister zur Verfügung stellen kann, die der Kunde für seine Mobilität braucht. Wir helfen, wenn eine Flotte Unterstützung bei bestimmten Prozessen braucht, wie die Auswahl eines neuen Leasinggebers oder bei einer Ausschreibung et cetera. Haben wir selbst nicht die perfekten Experten im Team, finden wir im Markt jemanden, der uns weiterhilft. Ist dies erledigt, ziehen wir uns wieder zurück und halten uns zur Verfügung. Bei Bedarf können wir auch mit Personal aushelfen, das inhouse im Unternehmen eingesetzt werden kann. Auch wenn wir hier in einen Markt eintreten, in dem es schon etablierte Mobilitätsmanagementunternehmen gibt, vertrauen wir auf unsere Einzigartigkeit, die unter anderem darin besteht, dass wir seit 20 Jahren ein erfolgreiches Familienunternehmen sind. Wir machen absichtlich einiges anders als die anderen. Zum Beispiel investieren wir viel Energie, Zeit und Know-how in die Produktentwicklung wie die Prozessunterstützung bei der Rechnungsprüfung mit unserer Software Fleetpack. Dadurch, dass wir diese selbst entwickeln, profitieren wir von größtmöglicher Flexibilität und Schnelligkeit. Unser Team arbeitet ständig daran, neue Mobilitätsmodelle darin abzubilden. Ein weiteres wichtiges Argument ist, dass wir unabhängig sind. So kann sich der Kunde sicher sein, dass wir uns nur ihm verpflichtet fühlen.

Thomas Fürth: Die Vorteile unserer Software liegen darin, dass sie alles abbilden kann, was für die individuelle Arbeit des Fuhrparkverwalters nötig ist: Alle Daten der Leasinggesellschaften, der Versicherer, alle Beteiligten, Fotos, Dokumente sind elektronisch erfasst, alles funktioniert papierlos inklusive eines rein elektronischen Genehmigungsvorgangs. Wir nutzen zudem eine Art Fleet-Wiki mit sehr detaillierten Informationen zu den jeweiligen Flotten. Das vereinfacht die Kommunikation und die Bearbeitung. Unser System läuft in 23 Ländern in vier Sprachen, angepasst an die landesspezifischen Gesetzgebungen und weitere Besonderheiten. Damit können europäische Unternehmen alle Flottenvorgänge über Fleetpack überwachen und auswerten. Mit einer einzigen Software können wir sehr effizient und genau viele Fahrzeuge verwalten. Und wir sehen, dass eine gut funktionierende Software für die Fuhrparkverwaltung immens wichtig ist. Viele Softwares sind auf das Fahrzeug ausgerichtet, aber nicht auf den Nutzer. Bei vielen Flottenmanagementanbietern ist die Software zwar Teil des Services, kann aber nicht allein bezogen werden. Das ist anders bei Dragintra: Der Kunde kann auch nur sie nutzen, wenn er keine weitere Dienstleistung benötigt. Das findet Anklang bei den deutschen Kunden. Jederzeit lassen sich weitere oder andere Module unserer Fleetmanagement-Dienste hinzubuchen oder abwählen, ganz so, wie es der Kunde aktuell benötigt. 

Flottenmanagement: Wie gehen Sie vor, wenn Sie eine Kundenbeziehung starten? Welche Unterstützung erhält der Kunde während der Laufzeit? 

Bart de Hoog: Viele Kunden kommen auf Empfehlung zu uns. Da spielt die lokale Mundpropaganda eine große Rolle, weil wir uns als lokale Fuhrparkmanagementorganisation betrachten. Genauso wollen wir auch hier Kunden gewinnen, die regional oder nur innerhalb Deutschlands aufgestellt sind. Zunächst übernehmen wir die Fuhrparkmanagementtätigkeiten mit sämtlichen Daten eins zu eins. Dann schauen wir, was wir verbessern können. Viele Kunden sind erstaunt, was wir durch unsere Herangehensweise an Zeitersparnis, Effizienz und Kosten rausholen können. Dazu gehören unter anderem Verhandlungen mit den Lieferanten, wenn der Kunde mit bestimmten Abläufen nicht zufrieden ist. Wir arbeiten aber nicht mit festen Partnern zusammen, sondern richten uns nach den Wünschen des Kunden. Letztendlich entscheidet dieser auch, mit wem er zusammenarbeitet. Wir beraten ihn objektiv. Das ist uns wichtig für unsere Unabhängigkeit. 

Flottenmanagement: Die Corona-Pandemie hat innerhalb eines Jahres einige Veränderungen in der Geschäfts- und Mobilitätswelt mit sich gebracht. Wie wirkt sich das auf Ihr Geschäft aus? Wie verändern Sie Ihre Angebotspalette dahin gehend? 

Bart de Hoog: Die Pandemie zeigt uns gerade eine sehr eingeschränkte Mobilität, wenn viele Leute zu Hause arbeiten. Somit erhalten wir einen Ausblick auf das, was passiert, wenn keine dienstliche Mobilität mehr nötig ist, und wie wir unsere Angebote zukünftig ausrichten müssen. Wir können bestätigen, dass unsere Prozesse weiterhin reibungslos funktionieren. Andererseits wollen die Leute mobil sein, auch wenn sie zu Hause arbeiten. Und das können wir gewährleisten. Derzeit bemerken wir nicht, dass die Unternehmen ihren Fuhrpark reduzieren, denn die Nutzer brauchen und wollen Fahrzeuge. Der Trend geht allerdings in Richtung eines Mobilitätsbudgets, innerhalb dessen bei verändertem Mobilitätsbedarf beispielsweise ein kleineres Fahrzeug plus ein E-Bike gewählt werden können. Wir müssen kreativ denken und voraussehen, was Arbeitnehmer künftig für ihre Mobilität brauchen. Deswegen investieren wir auch stark, um zügig darauf reagieren zu können, was sich in Bezug auf „New Mobility“ in den Ländern ändert, und um den Flottenbetreibern auch zügig helfen zu können.

Thomas Fürth: Der Mobilitätswandel hat schon längst eingesetzt, die Pandemie hat dann alles beschleunigt. Ende der 1990er-Jahre gab es in Amerika das sogenannte Cafeteria-Modell. Diese Art von Gehaltsumwandlungsmodell konnte sich aber damals in Europa nicht durchsetzen, weil die digitalen Voraussetzungen fehlten, um alle Prozesse einfach abzuwickeln. Jetzt haben wir diese Möglichkeiten und gleichzeitig die Entwicklung, dass das Auto nicht mehr das wichtigste Mittel ist, einen Mitarbeiter zu motivieren. Es ist eines von zahlreichen anderen Mobilitätsmöglichkeiten, die ein Unternehmen braucht. Insbesondere die Elektromobilität stellt viele Unternehmen vor große Herausforderungen. Guter Rat ist gefragt, den wir in Form von unterschiedlichen Strategien liefern können. Beispielsweise müssen Anpassungen der Car-Policys vorgenommen werden bezogen auf sinnvolle Flottenfahrzeuge, internationale CO2-Emissionsziele beachtet werden, Förderungen beantragt werden, Ladeinfrastruktur muss aufgebaut et cetera. Für eine praktikable Umsetzung stehen wir den Unternehmen zur Seite, denn wir haben das zusätzliche Know-how in Bezug auf die Elektrifizierung von Fuhrparks. Hier geht es nicht nur darum, ein Elektrofahrzeug anzuschaffen. Wir geben unseren Kunden die Sicherheit in einer hochkomplexen Angelegenheit, dass wir sie bei allem, was ihren Fuhrpark betrifft, informieren, wo Risiken bestehen, was es Neues gibt und worauf sie achtgeben müssen. In der Dragintra-Zentrale in Belgien kümmert sich eine spezielle Abteilung nur um die Elektrifizierung und kennt sich länderspezifisch aus.