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Bevor man sich als großer Flottenbetreiber dem Thema Elektromobilität annimmt, müssen je nach logistischen Erfordernissen einige Hürden genommen werden (siehe auch Artikel Fördermöglichkeiten auf S. 50). Wo kann ich wann laden und wie schnell? Welche Vorteile bringen Elektrotransporter überhaupt und wo stoßen sie an ihre Grenzen? 

Zunächst einmal muss klar sein – das Reichweitenthema ist bei elektrischen Fahrzeugen, also auch bei Transportern, immer präsent. Abgesehen von den übrigens förderfähigen Ladesäulen auf dem Betriebshof sollte eine Firma, die über Elektromobilität nachdenkt, eine Planmöglichkeit auch für öffentliches Laden im Hinterkopf haben. Die Frage ist auch, ob der Transporter in der Lage ist, mit Gleichstrom schnell zu laden – das können fast alle Offerten, aber es gibt derzeit noch Ausnahmen. 

Im städtischen Verteilerverkehr wird Elektromobilität zunehmend wichtiger, um häufiger werdende Zufahrtsrestriktionen zu innerstädtischen Kernbereichen zu umgehen, die für Autos mit Verbrennungsmotor künftig tabu werden könnten.

Auch finanziell lockt das E-Fahrzeug durchaus – nicht nur die Anschaffung kann attraktiv sein wegen der Förderung – auch beim Unterhalt gibt es erhebliche Vorteile. Da der Wirkungsgrad an der Maschine fast einhundert Prozent beträgt, geht diese effizienter mit der Energie um, was wiederum günstigere Treibstoffkosten nach sich zieht. Der Bremsenverschleiß fällt ebenfalls niedriger aus, weil die Verzögerung beim elektrischen Antrieb in den meisten Fällen über die Rekuperation abgebildet werden kann. Plus erwartbare Kosten für etwaige mechanische Reparaturen beim Verbrenner entfallen, da sie am E-Aggregat nie vorkommen werden.

Darüber hinaus wirken sich bestimmte Fahrverhalten nicht negativ aus – während der Verbrenner erst ein paar Kilometer behutsam warmgefahren werden muss, wenn man ihn schonen möchte, fällt diese Warmfahrphase beim Elektroauto weg – gut für den Flottenmanager, der schließlich nicht im Auge halten kann, wie mit den Fahrzeugen in der Praxis umgegangen wird. 

Elektroautos sind darüber hinaus leiser, weil die Aggregate lautlos arbeiten. Und weil im Transporter- Bereich eher als beim Personenwagen an Dämmung gespart wird, fällt der Komfortunterschied drastischer aus als bei ohnehin komfortablen und stark gedämmten Autos ab der Mittelklasse.

Elektrotransporter sind inzwischen so reichweitenstark, dass sie durchaus auch über den städtischen oder regionalen Verteilerverkehr hinaus eingesetzt werden können. Mittlere Strecken sind inzwischen ohne nachhaltigen Zeitverlust drin, bedürfen dennoch manchmal mehr Planungsaufwand. Insbesondere dann, wenn nicht abgeschätzt werden kann, wie die Ladesituation vor Ort aussieht. 

Dafür entschädigt das Drehmomentverhalten der E-Maschine: Die volle Zugkraft liegt bereits ab der ersten Umdrehung an – da macht es nicht nur Spaß, wenn man vollbeladen eine ansehnliche Steigung überwinden muss – hier schlägt der Verschleißvorteil sogar noch stärker durch, denn Elektromotoren sind robust bei hoher Belastung.

Auf öffentliche Schnellladestruktur zurückzugreifen kann bei bestimmten Strecken mittlerer Länge Sinn machen, wenn man Kenntnis von den regionalen Schnellladern hat. So kann eine zwanzigminütige Pause je nach Ladeperformance schon wieder 150 Kilometer Strecke bedeuten – bei günstiger Planung sind auf diese Weise mitunter recht weite Ziele realisierbar. Außerdem darf man davon ausgehen, dass die Ladeinfrastruktur in den kommenden Jahren massiv wachsen wird.

Wie man schnell feststellt: Das Thema Elektromobilität kommt mit Wucht, und dank Förderung ist es finanziell attraktiv – aber es gibt noch viele Dinge zu berücksichtigen und das erforderliche Wissen seitens der Fuhrparkmanager ist noch enorm. Aber das wird sich ändern – mehr Ladesäulen, kürzere Ladezeiten und natürlich leistungsfähigere Akkus mit höherer Energiedichte werden wie ein Katalysator für die E-Mobilität wirken. Es liegt ein spannendes automobiles Jahrzehnt vor uns.